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Happy End für das Projekt von Eileen Demes


Eileen Demes bei der U18-WM 2013 (Foto: Olaf Möldner)

Zwei Kerntugenden hat Trainer Robert Schieferer schon vor mehr als zwei Jahren entdeckt. „Sie ist von Beginn an sehr mutig gelaufen und beißen konnte sie auch.“ 2011 war das, und die seinerzeit 14-jährige Eileen Demes lief zwei Stadionrunden, also 800 Meter, in 2:19,38 Minuten und war damit schnellste Hessin. Im Sommer darauf wurde sie deutsche Schülermeisterin der Altersklasse 15 im Bockwettkampf Lauf. Und Mitte Juli 2013 erreichte sie bei der U18-Jugend-Weltmeisterschaft in Donetsk den vierten Platz über 400 Meter Hürden, lief im Finale Bestzeit mit 58,92 Sekunden. Es war der sportliche Höhepunkt eines mutigen Projekts, das von Obertshausen über Hessen und Deutschland in die Welt führte.

Und das verdeutlicht, wie moderne Nachwuchsförderung funktionieren kann, wenn systematische Wege mit Bedacht beschritten werden. Das aber auch verdeutlicht, wie viel Aufwand dahinter steht. Denn der Umstieg auf die anspruchsvolle und bei nur wenigen Leichtathleten beliebte 400-Meter-Hürden-Strecke ist kein Kindergeburtstag. „Es war ein Experiment“, räumt Schieferer ein. Quasi ein Versuch, der vor einem Jahr begann.

„Ja, ich wollte es auch“, sagt Eileen Demes. Obwohl die 400 Meter Hürden eine Distanz sind, bei der die Zielgerade extrem weh tut, weil die Muskeln zunehmend übersäuert und der Kopf leer sind; dann noch kleine Hindernisse herumstehen und man vielleicht nur daran denkt, dass es irgendwie vorbei geht. „Ich hatte von mehreren Personen gehört, dass sie es mir zutrauen“, sagt die Zwölftklässlerin. Schieferer, aber auch seine Trainerkollegen vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), die die junge Hessin mit der Perspektive U18-WM in den D/C-Kader aufnahmen. Vorausgegangen war ein krankengymnastischer Befund des leitenden DLV-Physiotherapeuten Christian Ziegler in Mannheim. Und so begann das beidbeinige Hürdentraining, wobei Eileen Demes anfangs überhaupt keinen stabilen Rhythmus hatte oder zu hoch absprang.

Begleitet wurde das Projekt von regelmäßigen Untersuchungen bei Dr. Kurt Mosetter in Konstanz, der alle drei Monate im Blutbild auch spezielle Werte zur Leistungsfähigkeit des Stoffwechsels untersuchte. Hinzu kamen Ausdauertests über die so genannte Laktat-Laufband-Diagnostik am Sportmedizinischen Institut in Frankfurt, im Kraftraum des Olympiastützpunkts Hessen absolvierte Eileen Demes einmal wöchentlich allgemeines athletisches Training. Möglich wurde die optimale medizinische Unterstützung auch durch die Sponsoren des Sprint- und Hürdenteams, das Schieferer schon vor mehr als zehn Jahren initiiert hat. Das Aufbauprogramm lief gut an, doch zunächst blieben einige Zweifel. „400 Meter Hürden sind so anstrengend. Manchmal habe ich mich gefragt: Warum tust du dir das an?“, sagt Eileen Demes. „Aber im Startblock ist es vorbei, da fokussiere ich mich.“

Es gab Vor- und Rückschritte. Anfang Mai, im Trainingslager in Portugal, dachte Schieferer: „Prima, es läuft alles.“ Beim nachfolgenden Wettkampf in Gladbeck jedoch stürzte Eileen Demes an der achten Hürde, rappelte sich aber wieder auf und lief 63,60 Sekunden. Letztlich klappte es mit der Qualifikation für die U18-WM - und in Donetsk überraschte sie bei ihrem ersten Einsatz im Nationaltrikot so ziemlich alle. Die Schülerin des Adolf-Reichwein-Gymnasiums in Heusenstamm war die jüngste Endlaufteilnehmerin, gehörte als einzige dem Geburtsjahrgang 1997 an. Beste Perspektiven für die Olympischen Jugendspiele 2014 in Nanjing (China), ihrem Trainingsziel für die nächsten Monate. Ausdauernd schnell laufen konnte sie schon vorher, mittlerweile sind auch die zehn 76 Zentimeter hohen Hindernisse kein Problem mehr.


Eileen Demes im Jahr 2012 (Foto: Benjamin Heller)

Eileen Demes ist eines der größten und erfolgreichsten Talente der hessischen Leichtathletik. Und sie hat auf dem Weg nach oben auch die Dienste des Physikers und Psychologen Günter Haffelder in Anspruch genommen. Haffelder ist Leiter des Instituts für Kommunikation und Gehirnforschung in Stuttgart-Feuerbach - eine seiner Methoden ist die EEG-spectralanalytische Messung und die anschließende Erstellung einer Lern-CD. Auf seiner Homepage wirbt Haffelder mit „effizienter und gezielter Leistungsoptimierung für Hochleister wie Manager und bei Spitzensportler“. Was sich dahinter verbirgt? Mit der EEG-Spectralanalyse werden funktionelle Prozesse des Gehirns untersucht und grafisch dargestellt. Klingt wissenschaftlich-kompliziert, ist es wohl auch.

Eileen Demes jedenfalls bekam bei ihrer Sitzung zunächst Fragen gestellt zu ihrer Familie, ihren Freundinnen und ihren Lieblingsschulfächern und musste Mathematikaufgaben lösen. Die Lern-CD mit Walgesängen und Musik mit einer besonderen Frequenz hat sie dann zuhause während der Hausaufgaben gehört. Mit dem gewünschten Ergebnis, dass sie ihre Lernfähigkeit verbessert hat und die Doppelbelastung Schule/Sport nicht zur Last wurde. Als visuelle Unterstützung diente bisweilen auch das 400-Meter-Hürden-Finale der Olympischen Spiele in London 2012. „Das ist eines meiner Lieblingsrennen“, sagt Eileen Demes. Gewonnen hat es die Russin Natalja Antjuch in 52,70 Sekunden. Bei der U18-WM wäre die Motivationshilfe über Youtube aber beinahe fehl geschlagen - die Interverbindung in der Ukraine war miserabel.

Uwe Martin

 


22.10.2013