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Michael Schrader wechselt nach Hessen


Michael Schrader ist im Anflug (Foto: IRIS)

Sagen wir es mal so: Michael Schrader hätte ein etwas anderes, besseres Entrée verdient gehabt. Wie am Dienstagmorgen bekannt wurde - gemeldet wurde der Wechsel vom Internet-Fachportal leichtathletik.de - wird der WM-Zweite im Zehnkampf das Trikot vom TSV Bayer Leverkusen nicht mehr überstreifen und künftig für den SC Hessen Dreieich starten. Bei der WM in Moskau war Schrader mit persönlicher Bestleistung von 8.670 Punkten überraschend direkt hinter Olympiasieger und Weltrekordhalter Ashton Eaton (Vereinigte Staaten/8.809 Punkte) eingekommen, nach Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting (Berlin) und dem zweimaligen Kugelstoß-Weltmeister David Storl (Chemnitz) ist der 26-Jährige somit der erfolgreichste deutsche Leichtathlet des Jahres. Und dann das. Auf der Homepage seines neuen Vereins wurde der Zehnkämpfer zunächst mit den Sätzen präsentiert: „Wir freuen uns, MIchael Schrader als MItglied im SC Hessen Drieeich begrüßen zu können. Frohes schaffen. Unser Fize Weltmeister 2013.“ Nun muss man kein Profi sein, um sechs Schreibfehler auf engstem Raum vermeiden zu können - aber wer Großes im Sinn hat wie der neue Klub südlich von Frankfurt, sollte sich zumindest nicht blamieren.

Die Frage „Wo liegt Dreieich?“ muss man im Rhein-Main-Gebiet nicht zwangsläufig stellen, was der SC Hessen Dreieich mit Leichtathletik zu tun hat, interessiert aber umso mehr. Die Antwort bis zur Verpflichtung von Schrader ist sehr einfach: nichts. „Mit Michael Schrader wollen wir unsere Leichtathletik-Abteilung aufbauen“, sagt Thorsten Gallus. Der Manager betreut das Sportmarketing der Fluggesellschaft Hahn Air; das Unternehmen hat seinen Sitz in Dreieich, Heimatflughafen ist Düsseldorf. Schrader soll Testimonial von Hahn Air werden und für jenen Klub das Trikot anziehen, der erst vor sechs Monaten aus der Taufe gehoben wurde. Der SC Hessen Dreieich wurde am 7. Mai gegründet, seinerzeit schloss sich die Fußball-Abteilung der SKG Sprendlingen zu dem neuen Verein zusammen. Im aktuellen Bestand befinden sich laut dem Sportlichen Leiter Klaus Schmidt etwa ein Dutzend Mannschaften, darunter viele Jugend- und zwei Aktiventeams, das spielstärkste läuft in der Verbandsliga Süd auf.


Michael Schrader und Pascal Behrenbruch (Foto: IRIS)

Und jetzt kommt Schrader. Der Zehnkämpfer befindet sich derzeit im Trainingslager in Südafrika und wird laut leichtathletik.de „weiterhin in Halle bei Wolfgang Kühne trainieren“. Geplant sei auch eine Hallensaison, dann wird Schrader erstmals im neuen Trikot zu sehen sein. Im direkten Umfeld und im Alltag des weltweit zweitbesten Zehnkämpfers 2013 wird sich also nichts ändern. Geändert haben dürften sich die finanziellen Vorzeichen, denn Schrader wird mit den Worten zitiert: „Für mich ging es in erster Linie darum, jemanden zu finden, der mich unterstützt, meinen Sport optimal auszuüben.“ Das scheint dem SC Hessen Dreieich gelungen zu sein, hinter dem ein Unternehmen mit einer Online-Ticketing-Plattform steht, auf die weltweit mehr als 91.000 Reisebüros zugreifen.

Hessen wird mit dem Vereinswechsel von Schrader zum wichtigsten „Zehnkampf-Bundesland“. Denn mit Europameister Pascal Behrenbruch (Bestleistung 8.558 Punkte/2012) und Jan Felix Knobel (beide LG Eintracht Frankfurt/8.396 Punkte/2013) gehören auch die Nummer zwei und vier des nationalen Jahresrankings einem hessischen Klub an. Und auch in den deutschen Nachwuchsklassen sind hessische Zehnkämpfer ganz weit vorne zu finden. In der U20 Fabian Christ (LG Eintracht Frankfurt) mit 7.386 Punkten auf dem zweiten Rang, Dennis Hutterer (ASC Darmstadt) führt die U18-Bestenliste mit 7.367 Punkten an.

Uwe Martin

 


12.11.2013