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Felix Göltl ist wieder schnell und hat Spaß


Felix Göltl (Foto: Benjamin Heller)

Felix Göltl hat schon bessere Zeiten gesehen. Und dies ist keine Floskel, sondern eine Tatsache. 10,32 Sekunden über 100 Meter waren es im Jahr 2010; die 200 Meter legte der knapp 24 Jahre Kommunikationsdesignstudent schon in 20,80 Sekunden zurück (2012). Der junge Mann aus Kriftel ist damit nicht irgendwer in der nationalen Sprinterszene gewesen. Vor fünf Jahren gewann er mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel die U20-Europameisterschaft, er war deutscher Juniorenmeister (100 Meter/2012) und ist drittbester hessischer Sprinter aller Zeiten. Nur Doppel-Olympiasieger Armin Hary (FSV Frankfurt/10,0 Sekunden, 1960) und der Friedberger Till Helmke (10,31/2004) waren bislang besser. Doch im vergangenen Jahr ist die Karriere von Göltl mächtig ins Stocken geraten. Sein Wechsel zur HTG Bad Homburg und Trainer Jürgen Friedrich brachte keine Fortschritte, er beendete die Saison vorzeitig. Nach einem 200-Meter-Rennen in Wiesbaden, das er mit einer 22 vor dem Komma abschloss. Die genaue Zeit weiß Göltl schon gar nicht mehr. „Ich habe das verdrängt, abgehakt.“ Was er noch weiß: „Jetzt reicht’s.“ Seine Auszeit dauerte etwa drei Monate.

Göltl hielt sich mit Radfahren und Fitnesstraining einigermaßen in Form. In den Bestenlisten 2013 wurde er mit vergleichsweise lächerlichen 10,78 Sekunden geführt und war damit ein Niemand im deutschen Männersprint geworden. Und verlor mehr oder weniger folgerichtig seinen Status als B-Kaderathlet. Ein Neustart musste her - und der ist geglückt. Mit Trainer Volker Weber und im Trikot der LG Friedberg-Fauerbach. Bei den hessischen Hallenmeisterschaften spurtete Göltl nach 60 Metern zeitgleich mit seinem Vereins- und Trainingskollegen Michael Pohl nach 6,82 Sekunden über die Ziellinie. „Die Zeit ist sehr positiv“, sagt er. Und nicht allzu weit entfernt von seinem persönlichen Rekord (6,75). Es geht also wieder aufwärts bei Göltl, der sich peu à peu in die deutsche Spitze zurückkämpfen will.

Die Ziele sind bescheidener geworden, denn noch 2011 träumte er von den Olympischen Spielen in London. „Ich weiß, dass ich das schaffen kann“, glaubte er damals. Doch die Fortschritte blieben seither aus. Auch wegen einer Achillessehnenreizung, die sich Göltl Ende 2012 zuzog. Und auch der Versuch, nach zehn Jahren bei Trainer Thomas Riehm mit Friedrich neue Impulse zu setzen, schlug fehl. „Er ist ein guter Trainer. Aber bei mir hat nichts angeschlagen“, sagt Göltl. Aufwand und Ertrag standen in keinem vernünftigen Verhältnis, Anspruch und Wirklichkeit klafften um Zehntelsekunden auseinander. Und bevor er bei völlig indiskutablen Zeiten angelangt war, zog der Sprinter die Reißleine. Nein, sagt Göltl, ein richtiger Absturz sei die Saison 2013 nicht gewesen. „Ich bin ja noch unter elf Sekunden geblieben.“ Was den Schluss nahe legt, dass er zwischenzeitlich Schlimmeres befürchtete.

Die Achillessehne ist nach wie vor der Schwachpunkt im Körper von Göltl. Doch er hat die Beschwerden im Griff. „Ich muss zunächst einmal in den Bereich meiner Bestleistungen kommen“, meint er. Etwa bei den deutschen Hallenmeisterschaften (Leipzig, 22./23. Februar) im 60-Meter-Finale und im Sommer über 100 Meter. Der schnellste Hesse hat sein Training umgestellt, die Übungseinheiten sind kürzer, weniger umfangreich und umfassen nicht so viele läuferische Maximalbelastungen. Mit das Wichtigste: Göltl hat nach drei Monaten bei Volker Weber wieder Spaß an der Leichtathletik. Sein Motto: „Neues Spiel, neues Glück.“ Und er hat erstmals in seiner Karriere einen gleich schnellen Trainingspartner - der ein Jahr ältere Pohl ist auch schon 10,52 Sekunden gesprintet.

Uwe Martin

 


16.01.2014