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Maryse Luzolo: Grenzgängerin zwischen Hürdensprint und Weitsprung


Auf dem Weg zu zwei Titeln in Sindelfingen? (Foto: Heller)

Dass es so etwas noch gibt in der hochtechnisierten Spitzen-Leichtathletik, hätte kaum ein Betrachter für möglich gehalten. Mit persönlicher Bestzeit von 8,54 Sekunden hatte Maryse Luzolo vor einer Woche beim Meeting im Sindelfinger Glaspalast das Finale über 60 Meter Hürden erreicht - und dann das: Von den Kampfrichtern war die erste Hürde im falschen Abstand zum Startblock aufgestellt worden, was nicht nur die 18 Jahre alte Frankfurterin, sondern etwa die Hälfte des Feldes aus dem Tritt brachte und zur Aufgabe zwang. Der Endlauf wurde neu angesetzt, doch auch im nächsten Versuch lief es für Maryse Luzolo alles andere als gut. Sie stürzte an der zweiten Hürde, zog sich an der rechten Körperseite etliche Schürfwunden zu, ebenso am linken Knie. „Aber bis zu den Deutschen geht’s wieder“, sagt die Zwölftklässlerin des Carl-von-Weinberg-Gymnasiums. Bis zu den deutschen Jugendmeisterschaften an diesem Wochenende.

Dann geht die Fahrt wieder nach Sindelfingen, wieder in den Glaspalast. Und das Sprichwort von der verpatzten Generalprobe wird im Ernstfall auf die Probe gestellt. Denn Maryse Luzolo kann zwei Titel gewinnen, im Weitsprung und über 60 Meter Hürden. Es bleibe bei dem Doppelstart, sagt Trainerin Melanie Zecha und wertet die Entscheidung ihrer Athletin als „Schritt für die Psyche“. Hinfallen, schnell wieder aufstehen und weitermachen, diese Herangehensweise könne durchaus hilfreich sein. Denn anders als in ihrer Erfolgsdisziplin Weitsprung (Bestleistung 6,47 Meter/Vierte der U20-EM) ist das Hürdenlaufen für Maryse Luzolo weiterhin eine Gratwanderung. „Früher hatte ich mal eine Hürdenphobie“, sagt sie. In der Überwindungsphase befindet sich die Leichtathletin von der LG Eintracht Frankfurt wohl immer noch.

Im Winter 2012 war sie über die flacheren U18-Hürden in der Halle mit 8,41 Sekunden nur knapp über der deutschen Bestleistung geblieben, im darauffolgenden Sommer musste sie die Saison wegen einer Oberschenkelverletzung abbrechen. Womit auch das Projekt Hürdenlauf zwangsweise unterbrochen und auch 2013 nicht fortgesetzt wurde. Die Hürden hatten jetzt Frauenhöhe erreicht, womit sich Maryse Luzolo überhaupt nicht anfreunden konnte. Und scherzhaft meinte die DLV-Disziplintrainerin Annett Stein vor etwa zehn Monaten zu ihr: „Lass es mit damit!“ Mittlerweile ist der Respekt gewichen.


Im Weitsprung geht die Frankfurterin als Titelverteidigerin an den Start (Foto: Heller)

ist die „Hürdenlaufen und Weitsprung sind Geschwister“, sagt Melanie Zecha. Bei der Rhythmusgestaltung und den koordinativen Fähigkeiten profitieren die Disziplinen voneinander; das reine Schnelligkeitkeitstraining wiederum kommt dem Weitsprung zugute. Und mittlerweile scheint Maryse Luzolo die Balance gefunden zu haben: Hinter Chantal Butzek (LC Paderborn/8,40 Sekunden) ist die junge Frankfurterin derzeit zweitschnellste deutsche Jugend-Hürdensprinterin. „Es wird eine starke Konkurrenz. Doch ich kann noch schneller laufen. Eine Zeit unter 8,50 Sekunden wäre klasse.“ Sindelfingen, Sturz, Selbstvertrauen - das passt trotz allem zusammen.

Maryse Luzolo ist „hauptberuflich“ dennoch Weitspringerin geblieben. Auch wenn sich im Hallentraining die Prioritäten leicht verschoben haben. Im Sommer stehen die U20-Weltmeisterschaften in Eugene (Vereinigte Staaten) im Terminkalender und auf die Frage, in welcher Disziplin sie denn dort gerne an den Start gehen würde, sagt sie: „Auf jeden Fall im Weitsprung.“ Kein aber? „Na ja, wo es jetzt im Hürdenlaufen so gut klappt...“ Dabei hat Maryse Luzolo bislang nur 60 Meter in der Halle und noch nie die 100-Meter-Hürdendistanz im Stadion hinter sich gebracht hat. Das nächste Projekt ist also schon in der Pipeline.

Uwe Martin

 


14.02.2014