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Martin Günther auf neuen Wegen im Luftraum


Martin Günther bei der Hallen-WM 2010 (Foto: IRIS)

Dieser Tage stand mal wieder etwas über Ariane Friedrich zu lesen. Die 30-jährige deutsche Hochsprung-Rekordhalterin (2,06 Meter) war in Berlin bei der Eröffnung des Nike-Stores zu Gast; sportliche Schlagzeilen waren das nicht, aber wenigstens ein bisschen Promotion für ihren Sportartikel-Ausrüster. Dass Ariane Friedrich an diesem Wochenende nicht an deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig teilnehmen wird, war schon vorher bekannt. Es ist ziemlich genau vier Jahre her, dass die Polizeikommissarin, die seit dem vergangenen Frühjahr in der Nähe von Erfurt lebt, aber weiterhin für die LG Eintracht Frankfurt startet, einen gewaltigen Satz machte: über 2,02 Meter, damit wurde sie in der Karlsruher Europahalle deutsche Meisterin. Was das Wochenende im Februar 2010 aus Vereinssicht so wertvoll machte, ist folgendes: Auch Martin Günther überquerte 2,30 Meter und damit eine Weltklassehöhe. Und auch ihm riss zwölf Monate später die Achillessehne. Der Unterschied: Günther ist aktuell wieder bester deutscher Hochspringer. „Der Sieg in Leipzig geht über mich“, sagt der 27-jährige Kommissar selbstbewusst.

Günther hat nach dem durchwachsenen Sommer 2013 so ziemlich alles vom Kopf auf die Füße gestellt. Dass er von seinem Trainer Philipp Schlesinger „getrennt“ wurde, wie er es nennt (über die genauen Hintergründe schweigen sich beide aus), ist dabei die Initialzündung gewesen. Günther jedenfalls schickte in bedrängter Personallage eine E-Mail nach Birmingham zu Erfolgstrainer Fayyas „Buzz“ Ahmed, der auch den britischen Europameister und Olympiadritten Robbie Grabarz (Bestleistung 2,37 Meter) betreut. Man kannte sich flüchtig - und Ahmed sagte Ja. Seitdem gedeiht die deutsche-britische Zusammenarbeit bestens. Günther ist in der Vorbereitung auf die Hallensaison zwei Wochen im Monat auf der Insel gewesen und hat in einer Gruppe mit sieben Athleten, die Bestleistungen von 2,25 bis 2,37 Meter aufweisen, „120 Prozent Hochsprung“ gefühlt, geatmet, trainiert. „Alles, was wir machen, ist Hochsprung.“ Technikorientiert, eher traditionell geprägte Inhalte wie Tempoläufe gibt es nicht. Technik, Schnelligkeit und explosive Kraft seien die entscheidenden Ansätze, sagt Günther. Und hebt die Philosophie von Ahmed sogleich auf „200 Prozent Hochsprung“ an.

Die ersten Erfolge haben sich bereits eingestellt. Ende Januar sprang Günther beim Meeting in Köln mit 2,26 Metern so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Er hat den Anlauf verändert, der Kurvenradius ist jetzt etwas größer, insgesamt seien es „fünf Kleinigkeiten“, die vor dem Absprung eine Korrektur erfahren hätten. „Aber es muss sich alles noch festigen.“ Dass es noch höher hinaus gehen kann als in Köln, ist ziemlich sicher. Vor sieben Jahren war Günther war vom TV Wehr zur LG Eintracht Frankfurt gewechselt, seither hatte er mit Eisinger, Jörg Graf, Schlesinger und jetzt Ahmed vier verschiedene Trainer. Und diverse kleinere und größere Verletzungen, beinahe regelmäßig Blessuren. So gesund und fit wie jetzt hat er sich jedenfalls seit langer Zeit nicht gefühlt. Dass er im Luftraum reichlich Bonusmeilen sammelt, stört nicht. „In Birmingham ist jede Trainingseinheit ein kleines Battle“, sagt Günther. „Jeder profitiert von jedem.“ Und irgendwie seien die Zweiwochen-Aufenthalte in Großbritannien immer „wie ein Trainingslager“.

Günther träumt wieder vom großen Sprung, von der Europameisterschaft im Sommer und von Höhen jenseits der 2,30 Meter. Und ganz kurzfristig natürlich von der deutschen Hallenmeisterschaft. Viele ernsthafte Konkurrenten gibt es nicht. Der ehemalige WM-Dritte Raul Spank ist einer, mit neuem Verein (LG Nord Berlin) und neuem Trainer (Rainer Pottel) geht auch Ex-Dresdner neue Wege. Bislang bis auf 2,24 Meter hinauf. Mateusz Przybylko (Bayer Leverkusen/2,23 Meter) ist der dritte und zugleich letzte Kandidat für einen Platz auf dem Siegerpodest. Auf Sieg wetten für den Wettkampf am Sonntag ab 15.30 Uhr würde Günther aber wohl nur auf einen Hochspringer. Auf sich.

Uwe Martin

 


21.02.2014