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"Da habe ich ihm spontan den Vogel gezeigt"


Claudia Rath in Sopot (Foto: IRIS)

Die 27-jährige Claudia Rath von der LG Eintracht Frankfurt ist die deutsche Mehrkampf-Aufsteigerin der vergangenen zwei Jahre. Sie war im Siebenkampf EM-Siebte 2012 und WM-Vierte 2013 mit 6.462 Punkten, bei der Hallen-WM in Sopot (Polen) steigerte sie sich im Fünfkampf um 342 Punkte und wurde Fünfte.



Fünf persönliche Rekorde in einem Fünfkampf. Von so etwas träumt man doch sonst nur, oder?



Ja, so ähnlich war es schon. Vor allem deshalb, weil ich mich so stark gar nicht eingeschätzt hatte. Ich habe von Mitte Oktober bis Mitte Dezember an einem Bundeswehr-Lehrgang teilgenommen, worunter speziell das Techniktraining gelitten hat. Die Teilnahme an der Hallen-WM hatte mein Trainer Jürgen Sammert zunächst auch gar nicht im Sinn. Erst nach den Hessenmeisterschaften Mitte Januar, die wir als Testwettkampf betrachtet haben, war klar, dass ich überraschend gut in Form bin. Und Athletinnen, die in der Weltjahresbestenliste 2013 vor mir platziert waren, haben für die Hallen-WM abgesagt, so dass ich als Sechste nachgerückt bin.

Ihre Hallen-Bestleistungen über 60 Meter Hürden, im Kugelstoßen, im Hochsprung, über 800 Meter und letztlich im Fünfkampf mit 4.681 Punkten deuten auf einen erfolgversprechenden EM-Sommer hin.

Ach, wissen Sie, Hochrechnungen auf Monate im Voraus mache ich ungern. Höchstens direkt vor dem Wettkampf anhand der Trainingsleistungen. Für Sopot hatte mein Trainer im Vorfeld 4.620 Punkte addiert. Da habe ich ihm spontan den Vogel gezeigt. Doch komisch. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich noch besser hätte sein können. Im Kugelstoßen war trotz der Steigerung auf 13,66 Meter mehr drin, auch im Hürdenlaufen. Was man aber nicht vergessen darf: In der Halle gibt es keine äußeren Einflüsse wie Regen oder Wind, in Sopot unterstütze uns auch der leichte Schwingboden. Obwohl mir dies im Weitsprung eher ungelegen kam.

Nach dem für ihre Verhältnisse guten Kugelstoßwettkampf bleibt für den Sommer nur noch eine schwache Disziplin übrig…

Wollen wir über das Speerwerfen sprechen?

Ja, ich denke schon. Ist es so, dass Sie als lauf- und sprungstarke Mehrkämpferin hierfür mit Weiten um bestenfalls 40 Meter schlichtweg kein Talent haben?

Das kann man wohl schon so sehen. Talent habe ich im Weitsprung, da genügt mittlerweile maximal eine Trainingseinheit pro Woche. Und die Fortschritte mit der Kugel sind mess- und sichtbar - ich springe beim Abstoß jetzt um, das bringt mehr Power über das rechte Bein. Mit Feintuning sollte es bald über 14 Meter gehen. Aber der Speerwurf? Daran arbeite ich hart, jetzt auch mit einer Sportpsychologin. Ich muss lernen, ruhiger zu bleiben und bereit sein, in der Technikentwicklung auch Schritte zurück zu gehen. Vereinfacht ausgedrückt: Ich will im Wettkampf zu viel, falle in falsche Bewegungsmuster, ballere einfach drauflos. Selbst im Training werde ich mit dem Speer zu schnell ungeduldig.

Sie klingen auch im Moment etwas gehetzt.

Wir fliegen in ein paar Stunden ins Trainingslager nach Südafrika, meine komplette Frankfurter Trainingsgruppe mit Carolin Schäfer, Jan Felix Knobel und Steffen Klink.

Wann kommen Sie zurück?

Wir sind in Stellenbosch gebucht bis 8. April, absolvieren das Frühjahrstrainingslager dieses Mal also in einem Stück. Nicht mehr zweigeteilt. So gibt es weniger Reisestress und im April in Deutschland eine längere Vorbereitungszeit vor den ersten Wettkämpfen.

(Das Gespräch führte Uwe Martin)

 


10.03.2014