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Christina Kiffe startet 2014 wieder durch


Christina Kiffe (Foto: IRIS)

Es wird ja gerne über Comebacks geschrieben, doch nicht allzu selten sind es dann gar keine. Sondern nur zeitlich eng begrenzte Rückkehraktionen aus Langeweile, bisweilen schmackhaft gemacht mit Geldzuwendungen. Bei Christina Kiffe ist das anders. Die 21-jährige Siebenkämpferin vom ASC Darmstadt nennt es auch nicht Comeback, was ihr bei den Bahneröffnungen in Friedberg und in Wehrheim gelungen ist. „Ich bin wieder am Start“, sagt sie. Nach 720 Tagen ohne Wettkämpfe unter freiem Himmel, nach zwei Jahren, in denen sie deutschlandweit bei insgesamt sieben Ärzten Rat einholte und letztlich am 27. Februar 2013 am rechten Schienbein operiert wurde. Die Details, auch nur oberflächlich betrachtet, klingen für Nichtmediziner wenig appetitlich: Nach einem Ermüdungsbruch wurden 1,5 Zentimeter Kallus entfernt, der Knochen angebohrt sowie Knochenhaut abgezogen. Zurückgeblieben ist eine zwölf Zentimeter lange Narbe - und endlich Schmerzfreiheit. Jetzt ist die Fünfte der U20-Europameisterschaft 2011 zurück und hofft auf bessere Zeiten.

Der Neustart ist auf jeden Fall geglückt. 47,80 Meter im Speerwerfen, 13,79 und 13,69 Meter mit der Kugel, 15,0 Sekunden über 100 Meter Hürden, 5,42 Meter im Weitsprung lauten die ersten Wettkampfresultate. Über 30 Meter stellte sie sogar eine persönliche Bestleistung auf. Und mittlerweile hat die Jura-Studentin auch eine ungefähre Jahresplanung für den Mehrkampf festgelegt: Drei Siebenkämpfe sollen es werden. Am 14./15. Juni in Bernhausen, am 26./27. Juli wird Christina Kiffe beim Thorpe-Cup (Marburg) dabei sein, Ende August bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Vaterstetten. Wobei die Ziele zwei-, genauer dreiteilig sind. Zunächst: „Ich möchte gesund und verletzungsfrei durch die Saison kommen.“ Und: „5.500 bis 5.600 Punkte in Ulm wären ein erfolgversprechender Einstieg.“ Nicht zuletzt: „5.800 Punkte bei der DM und der deutsche U23-Titel wären ein guter Abschluss.“ Ihre Bestleistung, 5.793 Punkte, ist fast drei Jahre alt. Das war im Sommer 2011, ein paar Monate nach dem Gewinn des deutschen Jugendmeistertitels im Hallen-Fünfkampf.

Die Leiden von Christina Kiffe hatten im Mai 2012 begonnen, mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel. Dann kamen die mysteriösen Schienbeinschmerzen hinzu, sie wurde neun Monate konservativ behandelt, auch mit Spritzen in den Knochen. Vor der Hallensaison 2013 wurde deutlich: Die Bemühungen waren vergebens gewesen, eine Operation unumgänglich. „Ich bin sechs Wochen auf Krücken angewiesen gewesen. In dieser Zeit war es schwer, sich wieder zu motivieren.“ Und natürlich schossen ihr Gedanken ans Aufhören in den Kopf, ausgehend von der Frage: „Warum mache ich das überhaupt?“ Den Hochleistungssport, wo sie doch im Studium mit viel Spaß gefordert wurde und wird? Ein Tiefpunkt war die vorjährige U23-EM, die sie „mit offenem Schienbein“ im Fernsehen verfolgen musste.

Doch Christina Kiffe kämpfte weiter, auch als sie zwischenzeitlich nicht wusste, ob sie weiterhin dem B-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) angehören und damit auch die Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe, monatlich 200 Euro, wegfallen würde. Deshalb suchte sie Sponsoren auf dem freien Markt. Doch die Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) scheiterte, weil der angestrebte Mindestgesamtbetrag von 6.000 Euro an Sponsorengelder nicht zusammenkam.

„Ich bin trotzdem froh, dass ich es gemacht habe“, sagt die Mehrkämpferin. Obwohl sie bei dieser Aktion das ungute Bettelgefühl „Bitte, bitte gebt mir Geld“ hatte. Andererseits meint sie: „Ich habe dadurch auch viele positive Kontakte bekommen und neue Leute kennengelernt.“ Mittlerweile ist die komplette Unterstützung durch den DLV, den hessischen Verband und ihren Verein ASC Darmstadt längst wieder gewährleistet. „Meine Grundlagen sind besser als vor meiner Verletzung“, sagt Christina Kiffe. Doch bis sie „richtig fit“ sei, dauere es noch etwa sechs Monate.

Uwe Martin

 


16.05.2014