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Laufende Höhenjäger auf dem Messeturm Frankfurt


Christian Riedl (Foto: Veranstalter)

Die Profis sind von den Hobbysportlern relativ leicht zu unterscheiden: an den Schuhen. Wer sich dem Treppenlaufen über sporadische Wettkampfteilnahmen hinaus verschrieben hat, bevorzugt ein extrem leichtes Paar mit dünner Sohle. Ob dies wirklich Vorteile bringt, mehr Kontakt zu den Stufen etwa, ist schwer zu sagen. „Für mich ist es eher ein gefühlter Effekt“, sagt Christian Riedl. Der 33 Jahre alte promovierte Physiker ist der Vorläufer einer boomenden Szene. Vor zwei Wochen erreichte der Athlet aus Erlangen beim Run Up Taipei 101 (2.046 Stufen) den dritten Platz, am Sonntag stand auch er morgens um 10 Uhr an der Startlinie des Frankfurter Skyruns. 1.202 Stufen und 222 Höhenmeter galt es hinter sich zu bringen, es ist der anspruchsvollste in Europa. Ziel der Mühen war das 61. Stockwerk des Messeturms. Oben angekommen, musste der Bayer erst einmal durchschnaufen und sich setzen. „Ich bin nicht ganz fit für den High-End-Bereich“, sagte Riedl. Mit seiner Zeit, 6:43 Minuten, lief er letztlich auf den zweiten Platz, recht deutlich hinter dem Polen Piotr Lobodzinski, der mit 6:28 Minuten einen neuen Streckenrekord aufstellte.

Vor einer Woche hatten sich erste Anzeichen einer leichten Erkältung bei Riedl bemerkbar gemacht, „insofern ist es ein gutes Ergebnis“. Zumal er auf dem Messeturm zum zweiten Mal in Folge deutscher Meister wurde. Doch an den Weltranglistenersten Lobodzinski, der bereits in Taipeh einen Platz vor ihm angekommen war, kam er auch in Frankfurt nicht heran. „Piotr ist eine Klasse besser“, sagte Riedl. Es war der Tag der Rekorde beim achten Skyrun in Frankfurt, denn auch die Australierin Suzy Walsham war in 7:35 Minuten so schnell wie noch keine Frau ganz oben. Als dritter Rekord wurden insgesamt 702 Teilnehmer registriert. 100 mehr als ein Jahr zuvor. Und noch ein guter Wert: Renndirektor Michael Lederer freute sich über 15.000 Euro, summiert über die Meldegebühren der Firmen- und Feuerwehr-Teams. Der Betrag kommt der gemeinnützigen Arbeit der Arque (Arbeitsgemeinschaft für Querschnittgelähmte mit Spina bifida Rhein-Main-Nahe) zugute.

Doch was sind Treppenläufer eigentlich für Typen? „Ich möchte nicht, dass es als Extremsport dargestellt wird. Treppenlaufen kann jeder machen“, sagte Riedl mit bestimmter Stimme. Vielleicht ist diese Sportart also eher etwas für Frauen, Männer und Kinder (am sogenannten Kids Cup beteiligten sich 61 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren), die gelegentlich eine etwas andere Herausforderung suchen. Quasi einen sportlichen Quickie im Treppenhaus. Riedl nimmt im Wettkampf meistens zwei Stufen auf einmal, zu Beginn und am Ende, wenn es der Körper noch hergibt, sind es sogar drei. Unterstützt wird die Bewegung nach vorne-oben durch die Arme - am Geländer und an der Wand. Spezifische Ausdauer trainieren Treppenlauf-Profis mit hochintensiven Intervall- und Bergsprints. Im Gelände oder, wie Riedel in Erlangen, in Park- und Wohnhäusern.

Die deutsche Szene wurde lange Zeit dominiert von Thomas Dold, dessen Messeturm-Kursrekord (2011) nun um eine Sekunde verbessert wurde, Riedl gehört der nächsten Generation an. Dold, mittlerweile als Manager der deutschen Marathon-Hoffnungen Anna und Lisa Hahner tätig, war ein Meister des Selbstmarketings; Riedl arbeitet an anderen Dingen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Towerrunning Germany, der seit Jahresbeginn auch offizielle Bestenlisten führt. „So ganz langsam bekommen wir sportpolitische Strukturen“, sagt er. Die nationale Laufserie umfasst 17 Rennen, vom Treppenlauf in Berlin (465 Stufen) im Januar bis zum Jahresabschluss in Münster. Doch Frankfurt mit den inkludierten deutschen Titelkämpfen ist natürlich der Höhepunkt. Apropos DM: Den Titel bei den Frauen gewann Manuela Hartl (Garmisch-Partenkirchen) in 9:38 Minuten.

Uwe Martin

 


19.05.2014