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Nerkamp und Uphoff lösen DM-Tickets – Harsy erstmals unter zwei Minuten


Jens Nerkamp (rechts) kämpft (Foto: Helmut Schaake)

Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel) hat beim 32. Mini-Internationalen in Koblenz sein Minimalziel erreicht und in 14:16,73 Minuten über 5000 Meter die Norm für Deutschen Meisterschaften in Ulm Ende Juli problemlos abgehakt. Zur vollen Zufriedenheit fehlte nach beachtlichen Frühjahrs-Bestzeiten über 10.000 Meter und im Halbmarathon noch die Frische in den Beinen.


Mit Gefühl und Übersicht unterbot Tinka Uphoff (Spiridon Frankfurt) über dieselbe Distanz ihre alte Bestzeit um knapp zwölf Sekunden und belohnte sich in 16:49,57 Minuten mit ihrer zweiten DM-Teilnahme im Stadionrund. Ebenfalls in Ulm dabei sein wird die hessische Straßenlaufmeisterin Christina Walloch (TV Waldstraße Wiesbaden), die in Koblenz nach 17:15,64 Minuten ins Ziel kam.


Mittelstrecken-Nachwuchshoffnung Niklas Harsy (LAZ Gießen/TSG Lollar) eröffnete seine 800-Meter-Freiluftsaison mit einem Paukenschlag. In 1:56,94 Minuten war der 16-Jährige so schnell wie nie zuvor und darf schon jetzt für die Deutschen Jugendmeisterschaften im August planen.


Das Mini-Internationale in Koblenz – viele ambitionierte Mittel- und Langstreckler haben sich den Termin der Veranstaltung im Oberwerth-Stadion ganz fett in ihrem Kalender angestrichen. Und sie haben allen Grund dazu. Bei keinem Laufmeeting in Deutschland sind die Voraussetzungen für neue Bestzeiten günstiger.

Leistungsgerecht zusammengestellte Rennen (dieses Mal 30 an der Zahl, allein acht davon über 5000 Meter) und große Felder ermöglichen das schnelle Laufen in homogenen Gruppen. Solch eine Laufkultur findet sich in Europa fast nur noch in Belgien; als Beispiel sei nur das Meeting in Heusden-Zolder erwähnt.

Bei Startzeiten von 18 Uhr (800 Meter der 11- bis 15-Jährigen) bis 22:45 Uhr (letzter 5000-Meter-Lauf) wird heißen Temperaturen der Zahn gezogen, wobei das in diesem Jahr gar nicht nötig war. Starke Regenfälle an den Vortagen hatten die Luftfeuchtigkeit im wahrsten Sinne des Wortes weggespült. Mit Temperaturen um 20 Grad während der Mittelstrecken am frühen Abend und 10 Grad bei den letzten Rennen über die zwölfeinhalb Runden wurde der Jagd auf Bestzeiten und Qualifikationsnormen der optimale Rahmen geboten.

"Tempowechsel haben Körner gekostet"

Für Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel) war die Qualifikation über 5000 Meter für die Deutschen Meisterschaften in Ulm (25. bis 27. Juli) reine Formsache. 14:28,00 Minuten werden vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gefordert. In Koblenz war Nerkamp über elf Sekunden schneller. Ganz zufrieden war der Niedersachse aus Garrel bei Cloppenburg aber nicht.

"Ich hatte mir eine Zeit um 14:10 Minuten vorgenommen. Aber mir hat etwas die Frische gefehlt nach vielen langen Läufen." Der Lohn für das forcierte Ausdauertraining im Winter waren beachtliche Steigerungen über 10.000 Meter (29:16,77 Minuten, davor 30:06 Minuten auf der Straße) und im Halbmarathon (1:05:53 Stunden, davor 1:06:44).

Nach einschlägigen Umrechnungsformeln sollte eine Zeit um 14:10 Minuten über die zwölfeinhalb Runden realistisch sein. Allerdings war Nerkamps Zeit für tempospezifisches 5000-Meter-Training begrenzt. Nach der Topzeit über 10.000 Meter bei den Deutschen Meisterschaften am 3. Mai, der anschließenden Regeneration und der Intensitätsreduzierung in den Tagen vor Koblenz blieben Nerkamp nur knapp zwei Wochen für die spezielle Vorbereitung auf das Rennen unweit des Rheins. Zu wenig, um erneut in Topform zu kommen. Da überrascht es nicht, dass "die dauernden Tempowechsel Körner gekostet haben". Wenn man aber bedenkt, dass sich sehr gute Trainingsleistungen auf den Mittel- und Langstrecken in der Regel erst nach 2-3 Wochen in entsprechenden höherklassigen Wettkämpfen abrufen lassen, darf Nerkamp auf ein Happy End in Form einer neuen Bestzeit hoffen – in Ulm oder sogar früher.


Christina Walloch (links) und Tinka Uphoff (Foto: Helmut Schaake)

Mit oder ohne Tempomacher?

Im Frauenrennen, in dem bis kurz vor dem Start Unklarheit darüber herrschte, ob männliche Tempomacher zugelassen sind oder die Topläuferinnen dadurch ihre angestrebten EM-Normen umsonst erzielen würden (was sich für drei Läuferinnen bewahrheitete), konzentrierte sich Tinka Uphoff ganz auf sich. Auf ihrem Weg zur Bestzeit erinnerte sich die gebürtige Wiesbadenerin an ihren erfolgreichen Auftritt bei der Halbmarathon-DM in Freiburg Anfang April (Achte in 1:16:56 Stunden). "Ich bin wieder mehr nach Gefühl als nach Uhr gelaufen und habe jegliche Pläne im Kopf gestrichen." Knapp drei Jahre nach ihren 17:01,01 Minuten von Pfungstadt im August 2011 sollte endlich eine 16 vorne stehen – und so kam es auch. War sie am Start noch etwas müde, zeigte sich Tinka Uphoff während des Rennens hellwach. Sie arbeitete sich peu à peu an die Spitze ihrer Gruppe und führte sie nach zwei Kilometern erstmals an. Dann rief ihr Markus Heidl, ein Vereinskollege aus Frankfurt, die erste Zwischenzeit zu. "Er sagte, dass es eine 16er-Zeit werden könne. Es lief einfach gut und so fühlte ich mich auch."

Mit Kilometerzeiten um 3:22 Minuten setzte Tinka Uphoff, die bei Kurt Stenzel trainiert, ihr Rennen fort. Nach einer weiteren positiven Zwischenzeit nach vier Kilometern ging es auf den Schlussabschnitt. Auch auf den letzten zweieinhalb Runden ließ die Rechtswissenschaftlerin, die erst 2010 mit spezifischem Ausdauertraining begonnen hatte, nicht nach. Nach 16:49,57 Minuten war die 31-jährige im Ziel, hatte ihre Bestzeit um knapp zwölf Sekunden gesteigert und die DM-Norm von 17:20,00 Minuten sogar um über eine halbe Minute unterboten. Einziger Makel: "Leider ließ ich mich mal wieder beim Zielspurt abhängen und wurde noch von zwei Frauen überholt. Aber jeder braucht was, woran er noch arbeiten kann."

Zu der Gruppe hinter Tinka Uphoff gehörte die hessische Straßenlaufmeisterin Christina Walloch. Auch die Läuferin vom TV Waldstraße Wiesbaden orientierte sich an der Norm für Ulm. Zwar blieb ihr eine neue Bestzeit versagt, im letzten Jahr lief sie in Pfungstadt 16:57,10 Minuten, doch 17:15,64 Minuten reichten für das Ticket in die Donau-Stadt. Knapp daran vorbei lief W35-Läuferin Kerstin Stephan (LC Olympia Wiesbaden), die jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen Sprung von 17:42,56 Minuten auf 17:24,94 Minuten machte.


Niklas Harsy (2. v. r.) nach 400 Metern (Foto: Helmut Schaake)

"Niklas kann das Finale erreichen"

Bestzeit, Platz drei im Gesamtfeld der U18 und U20 sowie die Qualifikationsnorm für die Deutschen Jugendmeisterschaften U18 waren die Ausbeute für den 800-Meter-Läufer Niklas Harsy (LAZ Gießen Stadt und Land/TSG Lollar). Nach dem hessischen U16-Meistertitel 2013 in 2:02,51 Minuten steigerte sich der Schützling von Erich Gebhardt in der Hallensaison bereits auf 2:00,40 Minuten. Seine verbesserte Ausdauer stellte er bei den Hessischen Langstreckenmeisterschaften mit 9:32,38 Minuten über 3000 Meter unter Beweis.

In seinem ersten Freiluftrennen über die zwei Stadionrunden blieb der 16-Jährige in 1:56,94 Minuten schließlich erstmals unter der Zwei-Minuten-Marke. Nach 55,5 Sekunden und an Platz zwei liegend ging es in die Schlussrunde. Auf dem folgenden 200-Meter-Abschnitt forcierte Harsy entschlossen das Tempo. Seine 600-Meter-Zwischenzeit lag bei 1:26,3 Minuten. In Führung liegend wurde Niklas Harsy erst auf den letzten 50 Meter von Raffael Schmidt (TV Blecher; 1:56,47 Minuten) überspurtet. Bei der Sparkassen-Gala in Regensburg am 7. Juni hat der Gießener die nächste Möglichkeit sich mit den besten deutschen U18-Mittelstrecklern zu messen. Priorität aber haben die Deutschen Jugendmeisterschaften in Wattenscheid (8. bis 10. August). "Wenn Niklas weiter hart an sich arbeitet, kann er dort das Finale erreichen. Da er in seiner Altersklasse noch zu den Jüngeren zählt, wird dies kein leichtes Unterfangen werden", prognostiziert Erich Gebhardt vorsichtig optimistisch.

Im Männerfeld über 800 Meter waren gleich vier hessische Läufer unter den ersten sechs vertreten. Der größte Sprung nach vorne gelang dem drittplatzierten Waldstraßen-Läufer Marian Schuh, der seine Bestzeit um knapp dreieinhalb Sekunden auf 1:52,87 Minuten steigerte. Schnellste Frau über 1500 Meter war die U20-EM Dritte über 3000 Meter von 2011, Lisa Jäsert von der LG Eintracht Frankfurt (4:38,50 Minuten). Marc Tortell im Trikot des TV Rendel lief auf den dritten Gesamtang über 1500 Meter in der U18 und verbesserte sich in 4:04,22 Minuten gegenüber dem Vorjahr um über fünf Sekunden. Mit neuen Bestzeiten nahmen Tortells Mannschaftkameradin Lorena Keil (4:44,03 Minuten) und Amelie Svensson (HTG Bad Homburg; 4:51,12 Minuten) über 1500 Meter in der U20 die Plätze eins und drei ein.

Zu dritt aufs Siegerpodest über 800 Meter in der W15 liefen Gina-Marielle Schürg (TSV Friedberg-Fauerbach; 2:23,99 Minuten), 3000-Meter-Hessenmeisterin Sofia Huhn (LG Eintracht Frankfurt; 2:24,93) und Elena Verdera-Bosch (HTG Bad Homburg; 2:29,60). Weitere Podestplatzierungen verzeichneten 800-Meter-Siegerin Lara Tortell (TV Rendel; 2:22,98 Minuten) in der W13 und Alexander Stern (ESV Jahn Treysa), der über 800 Meter in 1:57,82 Minuten als Zweiter in der U20 die Ziellinie überquerte.

Zu den Ergebnissen

Tammo Lotz

 


30.05.2014