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Meisterschaften im Schmalformat ─ Svenssons Sololauf zur DM-Norm


Amélie Svensson (Foto: Helmut Schaake)

Man stelle sich vor: es sind Meisterschaften – und keiner geht hin. Bei den hessischen Hindernismeisterschaften, die im Rahmen des 44. Baunataler Pfingstsportfestes ausgetragen wurden, wäre dieses Schreckensszenario beinahe wahr geworden. Gerade einmal 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich bei Sonnenschein und Temperaturen von über 30 Grad an der Startlinie eingefunden: zwei Frauen, drei Männer (jeweils über 3000 Meter), vier in der männlichen U18 über 2000 Meter, fünf in der weiblichen U18 über 1500 Meter (wobei die 15 Jahre alte Sofia Huhn von der LG Eintracht Frankfurt die eindeutig Schnellste war, allerdings nicht in die Wertung kam, da der Hindernislauf laut DLO (Deutsche-Leichtathletikordnung) erst für die 16-Jährigen als Wettkampfdisziplin ausgeschrieben wird) und gar nur eine in der weiblichen U20 über 2000 Meter - Amélie Svensson von der HTG Bad Homburg. Allein gegen die Uhr qualifizierte sich die letztjährige U18-Meisterin problemlos für die Deutschen Jugendmeisterschaften in Wattenscheid (8. bis 10. August). 7:35 Minuten sind vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gefordert, nach 7:20,06 Minuten war Amélie Svensson im Parkstadion im Ziel. Damit war die aktuelle 5000-Meter-Meisterin in ihrem allerersten Hindernisrennen über 2000 Meter zufrieden."Allerdings möchte ich in dieser Saison noch 10 bis 20 Sekunden schneller laufen", so der Schützling von Jürgen Friedrich.

In Wattenscheid wird Amélie Svensson auf die erhoffte schnelle Konkurrenz treffen. Mit Ronja Böhrer vom SSC Bad Sooden-Allendorf (6:37,94 Minuten) kommt die derzeit schnellste deutsche A-Jugendliche ebenfalls aus Hessen. Böhrer lief einen Tag vor Baunatal bei der Sparkassen-Gala in Regensburg 3000 Meter Hindernis. Bei dem Nominierungswettkampf für die U20-WM in Eugene (USA; 22. bis 27. Juli) verfehlte die 19-Jährige die DLV-Norm von 10:34,00 Minuten nur knapp (10:35,40).

Amélie Svenssons gute Leistung darf aber nicht über das indiskutable Niveau der Meisterschaften hinwegtäuschen. Wenn Zeiten von 11:00,25 Minuten bei den Männern und 12:16,10 Minuten bei den Frauen für den Sieg ausreichen, darf von einem Muster ohne Wert gesprochen werden. Aber nicht die meisterschaftsunwürdigen Siegzeiten bei den Erwachsenen waren es, die Michael Siegel, dem Referenten Leistungssport beim Hessischen Leichtathletik-Verband, am meisten Sorgen bereiteten. "Dass die U20 fast komplett ausgefallen ist und mit Amélie Svensson nur eine Athletin am Start war, finde ich perspektivisch viel schwieriger. Wenn der Hindernislauf von den Jugendlichen nicht mehr angenommen wird, brauchen wir uns über kleine Teilnehmerfelder bei den Aktiven gar nicht wundern."

"Bessere Rahmenbedingungen schaffen"

Dem will Siegel entgegenwirken und so plädiert er für eine breite und vielseitige Grundausbildung im Kinder- und Jugendbereich. "Hindernisläuferinnen und Hindernisläufer müssen über gute technische und koordinative Fähigkeiten verfügen. Schnell und lang laufen zu können genügt da nicht." Ein Beispiel: "Wenn Jugendliche nicht ordentlich Hürden überqueren können, dann werden sie auch über die Hindernisse Probleme bekommen."

Die hessischen Hindernismeisterschaften in der jetzigen Form haben für Michael Siegel keine Zukunft. "Wir müssen neue Wege gehen und bessere Rahmenbedingungen schaffen. Siegel denkt an Startzeiten am frühen Abend und vor allem stärkere Teilnehmerfelder. Die Hindernismeisterschaften mehrerer Landesverbände zusammenzulegen wäre da nur eine Möglichkeit. "Mit einem regen Informationsaustausch könnte man sich über gemeinsame Rennen zum Beispiel im Rahmen von Abendsportfesten verständigen", erklärt Siegel, für den in Zukunft "massiv Klinken putzen" auf dem Programm steht. Die Voraussetzungen seien nicht die schlechtesten, versichert der HLV-Referent. Die Zusammenarbeit mit dem DLV-Hindernis-Nachwuchstrainer Enrico Aßmus aus Thüringen und dem DLV-Disziplintrainer Mittelstrecke Jens Boyde aus Baden-Württemberg beschreibt Siegel bereits als "gut".


Zu den Ergebnissen


Tammo Lotz

 


09.06.2014