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Wer holt in Wesel für Hessen die Medaillen?


Abdi Uya Hundessa (Foto: B. Heller)

Mit 56 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 28 Vereinen ist der Hessische Leichtathletik-Verband am kommenden Wochenende bei der U23-DM in Wesel (Nordrhein-Westfalen) vertreten. Im RWE Auestadion wird in 39 Disziplinen um Gold, Silber, Bronze und persönliche Bestleistungen gelaufen, gesprungen und geworfen. Zudem nehmen die Athleten der Jahrgänge 1995 und jünger die U20-WM im US-amerikanischen Eugene (22. bis 27. Juli) ins Visier. Über 5000 Meter und 3000 Meter Hindernis (Juniorinnen und Junioren) steigt der finale Nominierungswettkampf für Eugene. Die Stabhochspringerinnen und Stabhochspringer haben nach Wesel noch eine zweite Chance bei der Junioren-Gala in Mannheim im Juli.

Mit dem Rückenwind eines couragierten Auftritts samt einer neuen persönlichen Bestleistung aus Rehlingen (3:42,83 Minuten) nimmt Mittelstreckler Abdi Uya Hundessa vom LC Mengerskirchen die 1500 Meter in Angriff. Keiner seiner Mitstreiter hat in der noch jungen Saison eine nur annähernd so schnelle Zeit wie der 19 Jahre alte Schützling von Trainer Bernd Meuser aufzuweisen. Mit Marcel Fehr (LG Limes-Rems; 3:42,04) und Taher Belkorchi (TSV Bayer 04 Leverkusen; 3:40,66) tauchen zwar zwei Athleten mit noch schnelleren Leistungen in der Meldeliste auf, jedoch stammen die Zeiten aus dem letzten Jahr. Zudem ist noch offen, ob sich Fehr und Belkorchi überhaupt für die 1500 Meter entscheiden werden. Beide sind auch über 5000 Meter gemeldet. Zumindest bei dem Württemberger erscheint nach seiner Topzeit über 5000 Meter im belgischen Oordegem (13:38,53) ein Start über die kürzere Strecke realistisch, um im späteren Saisonverlauf noch einmal die EM-Norm für Zürich (13:35,00) anzugreifen. Ganz egal, wer neben ihm an der Startlinie stehen wird – Abdi Uya Hundessa, der Hallen-DM-Vierte über 1500 Meter, fährt selbstbewusst nach Wesel und sagt: "Ich will eine Medaille."

Auch 400-Meter-Läufer Niklas Müller (SG Johannesberg 1926) ist ein Kandidat für Edelmetall. Mit 47,44 Sekunden, gelaufen im ersten Saisonrennen in Flieden, nimmt er den dritten Rang in der Meldeliste hinter dem klar führenden Johannes Trefz (LG Stadtwerke München; 46,50) und Alexander Gladitz (LG Hannover; 47,26) ein. Nach einer Zerrung in der Vorbereitung und kürzlich einer Erkältung konnte Müller noch nicht sein volles Potenzial abrufen. Dementsprechend vorsichtig äußert er seine Erwartungen für Wesel: "Ich will vorher richtig gesund werden und dann den Vorlauf überstehen." Sollte das der Fall sein, wird eine neue Bestzeit angepeilt. Bisher stehen 47,09 Sekunden zu Buche, erzielt bei der DM der Aktiven im letzten Jahr. "Wenn ich in diesem Bereich laufe, dann sollte ich schon recht weit vorne sein." Mit einer noch sehr frischen Bestzeit steigt Constantin Schmidt (TG Obertshausen) in den Startblock. In Regensburg setzte sich der letztjährige U18-Meister und U18-WM-Semifinalist in 47,62 Sekunden an die Spitze der deutschen U20-Jahresbestenliste. Der Richtwert für Eugene liegt bei 47,15 Sekunden.

Wieder weite Sprünge in Wesel?


Julia Gerter (Foto: IRIS)

Von der traditionell guten Weitsprunganlage in Wesel wollen Julia Gerter (LAZ Gießen/SV Garbenteich), Maryse Luzolo (LG Eintracht Frankfurt) und Yannick Roggatz (TV Heppenheim) profitieren. Mit ihrem 6,26-Meter-Satz in Weinheim kam Gerter bis auf neun Zentimeter an ihre Bestleistung aus dem Jahr 2012 heran. Hinter den derzeit zusammen auf Weltranglistenplatz zwei notierten Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) und Lena Malkus (SC Preußen Münster; beide 6,88 Meter) geht der Schützling von Trainer Philipp Schlesinger mit der drittbesten Weite in den Wettkampf. Zu ihrem Saisonziel, der Qualifikation für die DM in Ulm (26./27. Juli), fehlen Julia Gerter noch vier Zentimeter. Mit einem stabilisierten Anlauf (zuletzt in Regensburg verzeichnete die 20-Jährige noch fünf ungültige Sprünge) "darf es gerne in Richtung 6,40 Meter gehen", so die Studentin der Wirtschaftswissenschaften.

Eine leichten Aufwärtstrend lässt Maryse Luzolo erkennen. Bei ihren drei Freiluftstarts steigerte sie sich von 6,06 Meter (Garbsen) über 6,09 Meter (Weinheim) auf 6,14 Meter (Regensburg). Im U20-Wettbewerb in der Domstadt bewies die Frankfurterin Nervenstärke, als sie im sechsten Versuch die bis dahin führende Nathalie Buschung (LSG Goldener Grund Selters/Ts.; 6,08) noch abfing. Luzolo und Buschung werden in Wesel wieder aufeinander treffen, um die Eugene-Norm von 6,25 Meter anzugreifen.

Attackieren will auch Yannick Roggatz. Der Heppenheimer, der seit zwei Jahren mit einem Stipendium an der Universität in Albuquerque (USA) studiert, bestreitet seine Sommersaison in Deutschland und hofft an seine gute Frühform anknüpfen zu können. Im April sprang er in Tucson (Arizona) auf 7,49 Meter, so weit wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Dann aber musste der U18-WM-Dritte von 2009 aufgrund von Knieproblemen kürzertreten. Ob er in Wesel an den Start gehen wird, entscheidet sich kurzfristig. Die stärkste Vorleistung geht auf das Konto von Stephan Hartmann (LG Nord Berlin; 7,85).

Ebenfalls auf Heimaturlaub aus den USA befindet sich die Langstrecklerin Laura Hottenrott (GSV Eintracht Baunatal). Die Biologie-Studentin am Boston College steigerte im Mai ihre 5000-Meter-Bestzeit um 25 Sekunden auf 16:15,33 Minuten. Eine gute Ausgangsposition, zumal nur zwei Konkurrentinnen in Wesel, mit Elena Burkard (LG farbtex Nordschwarzwald; 16:05,84) eine weitere USA-Studentin sowie Isabell Teegen (SC Rönnau 74; 16:13,22), in diesem Jahr über zwölfeinhalb Runden schnellere Zeiten bei den U23-Juniorinnen anzubieten haben.


Marc Reuther (blaues Trikot) (Foto: B. Heller)

Wiesbadens Hoffnungen ruhen auf den Schultern von 800-Meter-Läufer Marc Reuther und Kurzsprinter Simon Schütz (beide Wiesbadener LV). Sollte Reuther, der U18-WM-Fünfte über die zwei Stadionrunden, auf seiner Paradestrecke an den Start gehen (er ist auch über 400 Meter gemeldet), würde er mit Vorlauf und Finale auf vier 800-Meter-Läufe innerhalb einer Woche kommen. Beim Pfingstsportfest in Rehlingen verbesserte er seine persönliche Bestleistung minimal auf 1:50,03 Minuten (davor 1:50,05), verfehlte aber die erhoffte U20-WM-Norm (1:50,00) beinahe ebenso knapp. Zwei Tage später in Dessau blieben die Uhren wieder etwas zu spät stehen (1:50,17). Wird die Hetzjagd des Schützlings von Trainer Georg Schmidt im RWE Auestadion belohnt? Als seine stärksten Konkurrenten sollten sich der amtierende U20-Europameister Patrick Zwicker (LC Rehlingen; 1:47,81) und Stefan Hettich (TSV Gomaringen; 1:49,38) entpuppen.

Für den an Position sieben geführten 100-Meter-Sprinter Simon Schütz hat die Norm für Eugene Priorität. Seine 10,59 Sekunden von Weinheim bedeuteten persönliche Bestzeit (davor 10,60). Bis zu den vom DLV geforderten 10,52 Sekunden ist es nicht mehr weit. Ein spannender Dreikampf zwischen dem Wiesbadener und dem 60-Meter-Jugendhallenmeister Lucien Aubry (LG Erlangen; 10,57) sowie Sebastian Schürmann (SC Preußen Münster; 10,58) ist zu erwarten. Bei der Junioren-Gala in Mannheim findet der entscheidende Qualifikationswettkampf für Eugene statt.

Bei der letztjährigen U23-DM in Göttingen heimsten die hessischen Athletinnen und Athleten sechs Medaillen (2x Gold, 1x Silber, 3x Bronze) ein und kamen auf weitere zehn Endkampfteilnahmen bis einschließlich Rang acht (3x 4., 1x 5., 1x 6., 2x 7., 3x 8.).

Ausschreibung und Zeitplan

Zu den hessischen Teilnehmern

Tammo Lotz

 


12.06.2014