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Frankfurt und Mainz - zwei Jobs für Mona Steigauf


Mona Steigauf (Foto: IRIS)

Es gab Zeiten, speziell in den achtziger Jahren, da wäre eine solche Personalkonstellation unmöglich gewesen. Damals gab es noch drei national bedeutsame Leichtathletik-Klubs in der Rhein-Main-Region: LG Frankfurt, Eintracht Frankfurt und den USC Mainz. Die Folge war ein bisweilen heftiges Gerangel um die Topathleten, das am 1. Januar 2000 zunächst mit der Fusion zur LG Eintracht Frankfurt beendet wurde. In den Folgejahren hatte der USC Mainz mit Marion Wagner und Anna Battke (beide haben ihre Karrieren beendet) sowie Carolin Hingst (TG Nieder-Ingelheim) drei erfolgreiche Athletinnen, doch seit einigen Monaten ruht der See ziemlich still. Und seit dem 1. Juni gibt es eine Konstellation, die den Konkurrenzgedanken endgültig in Richtung friedliche Koexistenz verschoben hat: Mona Steigauf, seit einigen Jahren zunächst Direktorin und mittlerweile Büroleiterin der Eintracht-Leichtathleten, ist seit einigen Tagen auch Geschäftsführerin des USC Mainz. Die 44-jährige ehemalige Weltklasse-Siebenkämpferin (Bestleistung 6.546 Punkte) und Diplom-Kauffrau arbeitet bei der Eintracht auf 450-Euro-Basis, in Mainz hat sie eine halbe Stelle.

Für Mona Steigauf ist die Rückkehr zum USC Mainz eine Reise in die Vergangenheit. Im blau-weißen Trikot feierte sie ihre größten sportlichen Erfolge (Olympia-Elfte 1996, Hallen-WM-Zweite und WM-Sechste 1997); ihr Vorgänger, der ehemalige Zehnkampf-Bundestrainer Wolfgang Bergmann, geht am 1. September in den Ruhestand. Eine derartige Personalunion erfordert natürlich das Einverständnis beider Seiten, und so hat Mona Steigauf sich ihr erweitertes Berufsfeld vom Eintracht-Präsidium genehmigen lassen. „Mit der jetzigen Lösung hat keine Seite ein Problem“, sagt USC-Leichtathletik-Abteilungsleiter Stephan Kallenberg. Der Rechtsanwalt kennt wie Mona Steigauf beide Klubs aus seiner aktiven Zeit, als Zehnkämpfer (Bestleistung 7.922 Punkte) trug er die Trikots der Eintracht und des USC Mainz.

Frankfurt und Mainz - die Zweigleisigkeit spricht für die beruflichen Kompetenzen von Mona Steigauf. Sie macht aber einmal mehr deutlich, welchen Zwängen die Frankfurter Eintracht ausgesetzt ist. Zunächst finanziellen, ansonsten hätte die Abteilungsleitung um Wolfram Tröger vor achtzehn Monaten nicht die Stundenreduzierung bei der damaligen Direktorin auf eine halbe Stelle durchgesetzt. Noch weniger für die Eintracht zu arbeiten, war der Wunsch von Mona Steigauf. Mit diesem Doppelbeschluss wurde die fachliche Kompetenz bei dem Traditionsklub brachial entwertet und müsste eigentlich direkt zu einer längst überfälligen Strukturdebatte bei der Eintracht führen. Denn viele internationale Topathleten sind um die 30 Jahre, etwa Betty Heidler, Kathrin Klaas (beide Hammerwurf) und Pascal Behrenbruch (Zehnkampf); bei Ariane Friedrich (Hochsprung) ist die Rückkehr aufgrund ihrer Schwangerschaft ungewiss, der 25 Jahre alte Zehnkämpfer Jan Felix Knobel hat unlängst aus Verletzungsgründen die EM-Saison abgebrochen und sich von Trainer Jürgen Sammert getrennt. Wie es bei Knobel weitergeht, ist offen. Deshalb steht, früher oder später, für eine ganze Generation das Karriereende zur Disposition.

Doch wohin soll es gehen? Die Gruppe Sammert mit der WM-Vierten Siebenkämpferin Claudia Rath und Carolin Schäfer (6.386 Punkte) ist im Aufwind, sehr erfolgreich ist auch die Läufer-Gemeinschaft um Homiyu Tesfaye, Gesa Krause, Katharina Heinig und Nico Sonnenberg, die von Wolfgang Heinig trainiert werden. Und es gibt Nachwuchshoffnungen wie Maryse Luzolo (Weitsprung). Doch mindestens genauso viele Schwachpunkte wie etwa die schwächelnde Gruppe um Trainer Volker Beck (100 bis 400 Meter, 400 Meter Hürden). Da tut sich seit Jahren nichts.

Ilse Bechthold, 86 Jahre alt und stellvertretende Abteilungsleiterin der Eintracht, ist die Grande Dame der deutschen Leichtathletik - ihr Wort und ihre Meinung gelten und haben Gewicht. Was nichts daran ändert, dass der größte und einzige national bedeutende hessische Leichtathletik-Verein von drei Ehrenamtlern und einer 450-Euro-Mitarbeiterin geführt wird. Ein professionelles Strukturdiagramm ist das nicht. Da scheint mittlerweile selbst der USC Mainz weiter zu sein. „Bei ihr laufen alle Fäden zusammen und sie kann die anfallenden Arbeiten aus einem Guss erledigen“, sagt Abteilungsleiter Kallenberg. Gemeint ist Mona Steigauf.

Uwe Martin

 


14.06.2014