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Fünf Medaillen und zwei WM-Normen für hessische Athleten bei U23-DM


Maryse Luzolo fliegt zu Silber (Foto: IRIS)

Der Hessische Leichtathletik-Verband kehrt mit 5 Medaillen von den Deutschen U23-Meisterschaften in Wesel (Nordrhein-Westfalen) zurück. Jeweils Silber gewannen Abdi Uya Hundessa (LC Mengerskirchen) über 1500 Meter, 400-Meter-Läufer Niklas Müller (SG Johannesberg 1926) und Weitspringerin Maryse Luzolo von der LG Eintracht Frankfurt, der mit 6,25 Metern eine Punktlandung auf die DLV-Norm für die U20-WM im US-amerikanischen Eugene (22. bis 27. Juli) gelang. Luzolos Disziplinkollegin Nathalie Buschung (LSG Goldener Grund Selters/Ts.) sicherte sich mit neuer persönlicher Bestleistung Bronze. Hindernisläuferin Ronja Böhrer (SSC Bad Sooden-Allendorf) lief ebenfalls auf Rang drei und erfüllte auf den letzten Drücker die Norm für Eugene.



Gleich im ersten Versuch egalisierte Weitspringerin Maryse Luzolo ihre Saisonbestleistung von 6,14 Metern und reihte sich hinter der klaren Favoritin Lena Malkus vom SC Preußen Münster ein. Malkus stellte im ersten Versuch ihre Tagesbestweite von 6,64 Metern auf und war eine Klasse für sich. Derweil orientierte sich Maryse Luzolo an der Norm für Eugene (6,25). Nach dem dritten Durchgang fehlten dem Schützling von Trainerin Melanie Zecha dafür noch neun Zentimeter. Nach dem vierten Versuch war der Rückstand aufgeholt. 6,25 Meter standen auf der Anzeigetafel, die WM-Norm war geschafft und als Lohn dafür gab es die Silbermedaille. Dass die Frankfurterin weiter als 6,25 Meter springen kann, ihre Bestleistung aus dem letzten Jahr steht bei 6,45 Metern, davon ist Markus Czech, der Vizepräsident Leistungssport im Hessischen Leichtathletik-Verband, überzeugt. "Maryse ist deutlich schneller geworden, aber sie kann die Schnelligkeit noch nicht in Weite umsetzen. In den letzten Schritten vor dem Brett beschleunigt sie nicht, sondern bremst ab. Das ist nichts Außergewöhnliches bei jungen Springern und gehört zur Entwicklung dazu. Wenn sie ihren Rhythmus gefunden hat, wird sie auch wieder weiter springen", erklärte der Trainer der WM-Teilnehmerin im Weitsprung 2009, Beatrice Marscheck.

Luzolos Disziplinkollegin Nathalie Buschung wusste nach dem Wettkampf nicht so recht, ob sie sich freuen oder ärgern sollte. Auf der einen Seite sprang sie mit 6,17 Metern so weit wie nie zuvor (ihre alte Bestleistung stand bei 6,10 Meter), auf der anderen Seite "habe ich bei jedem Sprung sehr viel verschenkt. Ich habe kein einziges mal das Brett getroffen", fasste die 18-Jährige zusammen. Wenn ihr das gelungen wäre, hätte sie die 6,25 Meter wohl übertroffen. "Da hat sie zehn bis zwölf Zentimeter verschenkt", ergänzte Markus Czech. Dazu kam, dass sich Nathalie Buschung ein paar Tage zuvor einen grippalen Infekt eingefangen und sie der 4x100-Meter-Staffel der Startgemeinschaft Limburg/Weilburg eine knappe halbe Stunde vor dem Weitsprung zum Finaleinzug verholfen hatte. "Die Vorbereitung war sicher nicht optimal und ich kam nur schwer in den Wettkampf. Aber immerhin gehe ich mit Bronze und einer neuen Bestleistung nach Hause", so der Schützling von Trainer Markus Oerter. Und mit noch einer Erkenntnis fuhr Nathalie Buschung zurück nach Hessen: "Spätestens nach diesem nicht ganz optimalen Wettkampf sollte mir bewusst sein, dass ich die 6,25 Meter draufhabe."

In der deutschen Jahresbestenliste der U20-Altersklasse haben sich Maryse Luzolo und Nathalie Buschung auf die Ränge drei und vier verbessert. Vor den beiden Hessinnen liegen die U18-Siebenkampf-Weltmeisterin Celina Leffler (SSC Koblenz-Karthause; 6,32 Meter) und Anna Bühler (Unterländer LG; 6,26). Das große Qualifikations-Finale für Eugene steigt bei der DLV-Junioren-Gala in Mannheim (5./6. Juli).


Ronja Böhrer (Foto: IRIS)

Mutig ergriff Ronja Böhrer ihre letzte Chance sich für die U20-WM in Eugene zu qualifizieren. Neun Tage zuvor in Regensburg hatte sie in 10:35,40 Minuten die vom DLV geforderte Vorleistung (10:34,00) noch knapp verpasst. Bei wesentlich angenehmeren äußeren Bedingungen setzte der Schützling von Trainer Georg Lehrer beim letzten Nominierungswettkampf der Hindernisläuferinnen in Wesel alles auf eine Karte – und gewann. Dass sie die Siegerin Jannika John (LAC Quele Fürth; 10:09,74) sowie Lisa Ziegler (TV 1847 Bühl; 10:16,05) ziehen lassen musste, geriet zur Nebensache. Viel wichtiger war, ob Ronja Böhrer in den Bereich der U20-Jahresbesten Tina Donder (Erfurter LAC; 10:25,64) und Lea Meyer (VfL Löningen, 10:27,33) laufen würde. Denn maximal zwei Athletinnen pro Einzeldisziplin dürfen den DLV in Eugene vertreten. Nach verhaltenem Beginn heftete sich Böhrer zunächst an die Fersen von Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen). Nachdem knapp vier Runden vor Schluss etwas getrödelt worden war, startete Ronja Böhrer auf dem letzten Kilometer ihre Aufholjagd. Erst im Schlepptau von Antonia Hehr (SV Molbergen), dann auf den letzten 300 Metern auf eigene Faust. Als die 19-Jährige im Auestadion nach 10:26,65 Minuten die Ziellinie überquert hatte, stand fest, dass sie beste Chancen auf das WM-Ticket haben würde. Für den DLV heißt es "zwei aus vier". Denn neben Tina Donder, Ronja Böhrer und Lea Meyer unterbot auch Antonia Hehr die Eugene-Norm deutlich (10:31,01). "Jetzt kommt es auf den DLV an, wen er letztendlich nominiert", meinte Georg Lehrer nach dem Rennen - und gab keine Prognose ab.

Abdi Uya Hundessa, der beim Pfingstsportfest in Rehlingen seine 1500-Meter-Bestzeit auf 3:42,83 Minuten gesteigert hatte, wurde seiner Favoritenrolle nicht gerecht. Nach einem souveränen Vorlaufsieg am ersten Tag (3:51,77 Minuten) hatte er den entscheidenden Antritt im Finale auf den letzten 150 Metern geplant. Daraus wurde aber nichts. "Die Konkurrenz hat nach 1200 Metern Gas gegeben. Ich bin mitgegangen, konnte aber meinen Spurt nicht richtig anziehen", so der Schützling von Bernd Meuser. Das nutzte der Wattenscheider Marius Probst, der in Hundessas Vorlauf noch knapp zwei Sekunden hinter dem Hessen ins Ziel gekommen war, aus, machte auf den finalen 200 Metern Meter um Meter gut und ergriff erst 50 Meter vor der Ziellinie die Spitze, von der er sich nicht mehr verdrängen ließ. Nach 3:52,74 Minuten war der größte Erfolg des ehemaligen Fußballers, der mit 3:49,43 Minuten eine deutlich langsamere Bestzeit als Hundessa aufweist, perfekt. Hundessa sicherte sich in 3:53,06 Minuten knapp Silber vor Sebastian Schenk (VfV Spandau; 3:53,08). Der zweite Hesse im Finale, Ruben Zillig (LG VfL/SSG Bensheim), belegte in 3:56,04 Minuten Platz sieben.


Niklas Müller (Foto: IRIS)

400-Meter-Läufer Niklas Müller durchlebt eine Saison mit Höhen und Tiefen. Erst eine Verletzung in der Vorbereitung, dann ein guter Saisoneinstand (47,44 Sekunden), gefolgt von einer Erkältung und einer missglückten Generalprobe für Wesel in Regensburg (48,82). Im RWE Auestadion setzte sich das Auf und Ab fort. Nach einem "entspannten Vorlauf" in 47,78 Sekunden meldete sich die Erkältung wieder. Den Endlauf beschrieb der Schützling von Trainerin Brigitte Auth als "suboptimal". Nach vorsichtigem und etwas zu langsamem Beginn lag Müller nach 200 Metern nur auf Rang fünf. Danach aber "war es genau mein Rennen", so der 21-Jährige. Er zog das Tempo an und überholte einen Läufer nach dem anderen. Nur der enteilte Favorit Johannes Trefz (LG Stadtwerke München; 47,05 Sekunden) war für den Hessen, der als Zweiter eine neue Saisonbestzeit markierte (47,43), nicht zu packen. Dass er schneller laufen kann, weiß Müller. So wie im Vorlauf der letztjährigen DM in Ulm, als er seine Bestleistung von 47,06 Sekunden erzielte. "Aber alles in allem bin ich sehr zufrieden."

Auch ohne Medaille über seine Spezialstrecke 200 Meter hat Simon Schütz vom Wiesbadener LV Selbstvertrauen getankt. In 21,37 Sekunden gewann der 18-Jährige seinen Vorlauf und stellte zudem eine neue Bestleistung auf. Seine vorherige Richtmarke stammte aus dem Jahr 2012 (21,46). Danach folgte ein "Seuchenjahr" 2013, in dem der 1,90-Meter-Hüne aufgrund massiver Oberschenkelprobleme nur auf zwei Starts kam. Mittlerweile geht es dem Schützling von Trainer Georg Schmidt wieder so gut, dass auf beiden Sprintstrecken die Qualifikationshürden für die U20-WM machbar erscheinen (10,52/21,20). In Wesel verhinderten ein Fehlstart im 100-Meter-Vorlauf und eine Unkonzentriertheit im 200-Meter-Finale ein besseres Ergebnis. Nach einem vermeintlichem Fehlstart lief Schütz halbherzig los und wartete auf den Rückschuss des Starters. Als der nicht kam, schien dem Wiesbadener das Feld bereits enteilt zu sein. Mit großem Einsatz aber konnte er noch drei Konkurrenten hinter sich lassen und beendete das Rennen, das von Patrick Domogala (MTG Mannheim; 21,08) souverän gewonnen wurde, als Fünfter in 21,75 Sekunden. "Wenn ihm das Malheur am Start nicht passiert wäre, hätte ich ihm Platz zwei zugetraut", meinte Markus Czech, der sich trotz allem freute. "Mit Simon Schütz ist wieder zu rechnen."

U23-Hessenrekord für Sprintstaffel der StG Limburg/Weilburg

Ebenfalls positiv aufgefallen sind der U20-Sprinter Nils Keßler (TV Herborn), der sich als Sieger des B-Endlaufs über 100 Meter auf 10,69 Sekunden verbesserte (davor 10,83) und die Sprintstaffel der Startgemeinschaft Limburg/Weilburg bei den Juniorinnen, die in der Besetzung Kyra und Lea Seyffert sowie Nathalie und Chantal Buschung im Endlauf in 46,71 Sekunden Sechste wurde (Vorlauf: 47,08). Damit verbesserte das Quartett den U23-Hessenrekord des TV Gelnhausen von 1985 um 15 Hundertstelsekunden. "Es ist sehr erfreulich, dass wieder eine hessische Sprintstaffel bei einer U23-Meisterschaft vorne dabei gewesen ist", stellte Markus Czech fest. Ähnlich gute Sprintstaffel-Ergebnisse hatten zuletzt bei den Junioren der TSV Friedberg-Fauerbach 2009 und bei den Juniorinnen die TSG Gießen-Wieseck 2002 erzielt (jeweils Fünfte).

Einen großen Leistungssprung hat der Kugelstoßer Tobias Kretzschmar vom LAZ Gießen gemacht. Stand seine Bestleistung mit der 7,26-Kilo-Kugel im letzten Jahr noch bei 15,31 Metern, so hat er sich in Wesel als Sechster auf 16,30 Meter verbessert. Auch Kretzschmars Disziplinkollegin Mona Althenn (LG Wetzlar), hinter der eine fast zweijährige Verletzungspause liegt, hat in Wesel so weit gestoßen wie noch nie. Mit der Weite von 15,37 Meter (davor 15,31) belegte sie den vierten Platz und verbesserte sich gegenüber der Meldeliste um einen Platz. Weitere vierte Plätze verzeichneten die Hammerwerfer Sebastian Lenz (62,56) und Svenja Kern (56,81; beide LG Eintracht Frankfurt). Stefan Dietl, ein weiterer Hammerwerfer im Eintracht-Trikot, steigerte seinen Hausrekord als Sechster auf 57,39 Meter (davor 55,95).

Einen Schatten auf die Bilanz des Hessischen Leichtathletik-Verbandes, der neben den fünf Medaillen noch weitere elf Endkampfteilnahmen bis einschließlich Rang acht verzeichnete (3x 4., 2x 5., 3x 6., 2x 7., 1x 8.), war das kurzfristige Nichterscheinen einzelner Athleten trotz abgegebener Stellplatzkarten. Von den insgesamt 56 gemeldeten hessischen Athleten nahmen 17 Einzelstarter und eine Staffel nicht an den Wettkämpfen teil.

Zu den Ergebnissen


Tammo Lotz

 


16.06.2014