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Ein Hesse in Baku


Von Wiesbaden nach Baku: Jens Drösel (Foto: privat)

Bei den European Youth Olympic Trials (EYOT) in Baku (Aserbaidschan), dem europäischen Vorentscheid für die Olympischen Jugendspiele im chinesischen Nanjing (16. bis 28. August), war die hessische Leichtathletik nicht nur auf der Laufbahn vertreten. Während Juliane Schulze im Stabhochsprung, Sharin Oziegbe im Weitsprung und der 400-Meter-Hürdenläuferin Eileen Demes der Sprung nach China gelang (hlv.de berichtete), hat der hessische Kampfrichter Jens Drösel aus Wiesbaden seine internationale Bewährungsprobe für den Europäischen Leichtathletik-Verbandes (EAA) mit Bravour bestanden.


Im September 2013 hatte Jens Drösel die Ausbildung zum "Area ITO" (Internationaler Technischer Offizieller für Europa) in Lissabon abgeschlossen und wurde zwei Monate später durch die IAAF (Internationaler Leichtathletik-Verband) und die EAA für vier Jahre in den Kader der ITOs berufen. "ITOs fällen keine Entscheidungen, sondern stehen den örtlichen Kampfrichtern mit Rat und Tat zur Seite. Da die Kampfrichter in Baku seit 23 Jahren keinen internationalen Wettkampf mehr ausgerichtet hatten, mussten wir ITOs öfter mal kurz eingreifen, um den Kampfrichtern das nötige Wissen zu vermitteln", erklärt Drösel.

Mit der Akkreditierung und in der offizielle Kampfrichter-Kleidung ging es am zweiten Tag zum ersten Mal ins Tofik-Bachramow-Stadion, benannt nach dem Linienrichter, der 1966 im WM-Endspiel zwischen England und Deutschland das "Wembley-Tor" als regulär anerkannt hatte. Im Sicherheitsbereich wurde kontrolliert wie am Flughafen. Nach einer gefühlten Stunde war der Weg ins Stadion frei.

Im 31.200 Zuschauer fassenden Stadion machten sich alle Kampfrichter und Technischen Offiziellen mit den Laufwegen vertraut. Es folgte ein Probewettkampf für die Kampfrichter und die Organisatoren. Am dritten und vierten Tag begannen für alle die Wettkämpfe.

Jens Drösel und seine sechs ITO-Kollegen wurden zu den einzelnen Disziplinen eingeteilt. Nach jeder Disziplin wurde ein statistisches Formblatt ausgefüllt, das auch Verbesserungsvorschläge für die Zukunft beinhaltete. Mittags und abends gab es jeweils Besprechungen mit den Technischen Delegierten (TDs) der EAA.

Ausflug zur "brennenden Erde"

Sightseeing stand am fünften Tag auf dem Programm – und das ganz im Zeichen des Feuers (Aserbaidschan verfügt über große Gas- und Ölvorkommen). Der "Feuertempel" etwas außerhalb von Baku liegt auf einem natürlichen Gasfeld. Dort soll es der Legende nach schon im Mittelalter einen Feuertempel gegeben haben. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die "brennende Erde". Aufgrund von Gasentweichungen und eines Blitzschlags hat sich die Erde im Mittelalter entzündet. Seitdem brennt sie. Tag und Nacht, im Sommer und im Winter. Selbst Regen und Wind können ihr nichts anhaben.

Weitere Highlights waren die vom einem Festungsring umgebene Altstadt von Baku (seit 2000 UNESCO-Welterbe) und die 190 Meter hohen Flame Towers.

Alles in allem war der Trip nach Baku mit seinen freundlichen und offenen Menschen ein einmaliges Erlebnis für die jungen Sportler und die internationalen Offiziellen. Alle hatten eines gemeinsam – die Liebe zur Leichtathletik. Und so konnten Grenzen und Vorurteile überwunden werden.


Jens Drösel / Tammo Lotz

 


19.06.2014