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Pascal Behrenbruch nach dem EM-Aus: "Ich muss ein paar neue Akzente setzen"


Mit dem Speer erreichte Behrenbruch nur 64,83 Meter (Foto: IRIS)

Pascal Behrenbruch sollte sobald wie möglich eine Korrektur vornehmen: sein Motto beim Kurznachrichtendienst Whatsapp („Zürich 2014 gibt es etwas zu verteidigen“) den aktuellen Ergebnissen anpassen. Denn der Zehnkampf-Europameister von 2012 ist bei den zwei deutschen Ausscheidungen für die Titelkämpfe Mitte August in der Schweiz durchgefallen. Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied/8.471 Punkte), Rico Freimuth (Halle an der Saale/8.356) und Arthur Abele (Ulm/8.139) waren besser, der Frankfurter blieb in Ratingen bei 8.055 Punkten hängen. Vier Wochen zuvor war Behrenbruch in Götzis (Österreich) krankheitsbedingt ausgestiegen. Als Europameister hatte er vor zwei Jahren 8.558 Punkte gesammelt, vor zwölf Monaten als Ratingen-Gewinner 8.514 Punkte. Jetzt der brachiale Absturz und die Frage: Wie geht es weiter? Behrenbruch hat sich gesammelt in den zurückliegenden Tagen, auch Haus- und Gartenarbeiten erledigt. Der Zehnkampf-Europameister ist ein ehemaliger Zehnkampf-Europameister, vorzeitig vom Thron gestoßen von der nationalen Konkurrenz.

Behrenbruch nahm nicht selten in seiner Karriere eine Lautsprecher-Funktion ein, redete so, wie er dachte, was ihm nicht selten zum Nachteil gereichte. Großmaul, sagten die einen; selbstbewusster Athlet die anderen. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. „Es geht mir nicht so schlecht, wie es mir gehen müsste“, sagt der Neunundzwanzigjährige. „Ich versuche, Positives zu finden, um nicht in ein Loch zu fallen.“ Die Chance, als Ersatzmann doch noch bei der EM dabei zu sein, bewertet er als „gering“. Behrenbruch will sich fit halten. Und dann, dies wäre dann planmäßig, am 20./21. September beim Mehrkampf-Meeting im französischen Talence an den Start gehen. Fünf Wochen nach der EM.

Wie alle Profi-Leichtathleten ist Behrenbruch nicht unerheblichem Druck ausgesetzt. Den EM-Titel sagt er, habe er zuletzt als Last empfunden. Die umso schwerer geworden sei, je näher die entscheidende Qualifikationsphase rückte. Unabhängig von der Möglichkeit des Scheiterns vor Ort in Zürich. Jetzt greifen andere Sorgen. „Ich muss zeigen, dass mit mir noch zu rechnen ist. Hierfür wäre ein Ergebnis zwischen 8.300 und 8.400 Punkten sehr gut.“ Ansonsten drohen zum Saisonende finanzielle Einbußen. „Das fängt schon bei dem Sportartikelhersteller an“, sagt er. Im nächsten Januar wird Behrenbruch 30, sein Körper hat die Strapazen von mehr als zehn Jahren Hochleistungssport bislang gut verkraftet, er ist so verletzungsfrei wie kein anderer Weltklasse-Zehnkämpfer. „Meine Planung geht bis zu den Olympischen Spielen 2016“, sagt er. Vielleicht gibt der Hesse seinen Ausstand auch erst bei der Hallen-WM 2018. „Solange ich die Norm für große Events schaffe, mache ich weiter.“


Behrenbruch beim Stabhochsprung. In Ratingen überquerte er 4,90 Meter (Foto: IRIS)

Das Limit des nationalen Verbandes (8.050 Punkte) hatte er in Ratingen knapp übertroffen, nur waren eben zu viele andere Deutsche besser. Und Behrenbruch insbesondere im Kugelstoßen, Diskus- und Speerwerfen neben der Spur. 15,07 Meter für ihn, der schon 16,89 Meter gestoßen hat? „Das war ein Blackout.“ Lediglich flatterhafte 43,16 Meter mit der Wurfscheibe bei einer Bestleistung von 51,31 Metern? „Beinahe schon abartig.“ Und nur 64,83 Meter im Speerwerfen, sechseinhalb Meter weniger als bei seinem persönlichen Rekord? „Ich hatte keinen Flow, vielleicht war ich auch zu verkrampft.“ Genau weiß er es nicht. In der Summe, auch aufgrund überwiegend durchwachsener Resultate in den anderen Disziplinen - ausgenommen die 400 Meter und das Stabhochspringen - blieb ein Minus von fast 500 Punkten. Verglichen mit dem Karrierehöhepunkt 2012.

Behrenbruch hat kürzlich seinen ehemaligen Trainer Jürgen Sammert getroffen, mit dem er freundschaftlich verbunden ist. Dessen Rat, länger und härter und nicht nur qualitativ hochwertig zu trainieren, will er überdenken. „Ich muss ein paar neue Akzente setzen und Dinge verändern“, sagt er. Der Modellathlet von der LG Eintracht Frankfurt wird sich mal wieder neu erfinden müssen, denn in den Tenor einiger Kritiker, dass er den Zenit seines Könnens überschritten habe, mag er nicht einstimmen.

Uwe Martin

 


03.07.2014