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Rivalinnen im (Hammerwurf-)Ring


Isabel Weitzel (Foto: Schaake)

Wenig Masse, dafür Klasse und Spannung bis zum Schluss – das verspricht der Hammerwurf der weiblichen U20 bei den Hessischen Jugendmeisterschaften in Gelnhausen. Die Hessische U18-Meisterin Katharina Zeisler (LG Seligenstadt) trifft auf die Süddeutsche U18-Siegerin Isabel Weitzel (ESV Jahn Treysa). Vor drei Wochen in Wetzlar trennte Zeisler (55,68 Meter) und Weitzel (55,67) gerade einmal ein Zentimeter. Dann verbesserte sich die Seligenstädterin in Niederselters auf 56,09 Meter. In Regensburg warf Isabel Weitzel mit 56,90 Metern weiter als je zuvor, gefolgt von Katharina Zeisler auf dem Silberrang (55,92). In Gelnhausen wird es nicht ganz so weit raus gehen. Denn der Hammer wiegt vier statt bisher drei Kilo.


"Das wird bestimmt lustig", freut sich Katharina Zeisler auf ihre Premiere mit dem Frauen-Hammer. Legt man die Entwicklung der 16-Jährigen in den letzten Monaten zugrunde, sollte diese Umstellung gelingen. Seit Katharina Zeisler bei HLV-Landestrainerin Regine Isele trainiert, hat sie sich um knapp 15 Meter verbessert. "Ich glaube, ich lerne schnell", sagt die Schülerin, die bis vor drei Jahren in Offenbach auch auf der Judomatte stand. Entschieden aber hat sich Zeisler für den Hammerwurfring. Dabei profitiert sie von ihren Anfängen im Mehrkampf und ihrer Schnelligkeit. 2013 sicherte sich Katharina Zeisler die Landesmeistertitel über 60 Meter Hürden (Halle U16), im Werfer-Vierkampf und mit dem Diskus (jeweils W15). Bei den Deutschen Block-Mehrkampfmeisterschaften belegte sie den neunten Platz. Seit Oktober 2013 konzentriert sie sich auf den Hammerwurf. Noch heute aber unterstützt sie die Sprintstaffel der LG Seligenstadt, zuletzt bei den Süddeutschen Meisterschaften in Regensburg als Schlussläuferin (50,69 Sekunden).

Sprinten, sagt Katharina Zeisler, könne man auch im Hammerwurfring. Dazu faszinieren sie an ihrer Disziplin die Komplexität des Bewegungsablaufs und das Spiel mit den Kräften. "Katharina verstand es auf Anhieb mit ihren schnellen Füßen aus der Rotation zu beschleunigen", erinnert sich Regine Isele an Zeislers erste Versuche mit dem Hammer im August 2012.

Ehrgeiz, Willensstärke und eine schnelle Auffassungsgabe zeichnen Katharina Zeisler aus. Bei der Jugend-DM in Wattenscheid (8. bis 10. August) soll eine neue Bestleistung her. "Wenn ich einen Wurf richtig treffe, sind sicher noch ein paar Meter mehr drin", so Zeisler zuversichtlich. In Niederselters erfolgten die letzten drei Versuche aus vier Drehungen. Und der letzte landete, auf dem Weg in Richtung 57 Meter, nur knapp außerhalb des Sektors. 2015 denkt Katharina Zeisler international: "Die Norm für die U18-WM ist ein legitimes Ziel."

Das "Gesamtpaket" muss stimmen

Für Isabel Weitzel und ihren Trainer Helmut Schneider ist das Stadion in Gelnhausen ein besonderer Ort, eine Reise in die Vergangenheit. "Dort habe ich Isabel bei den Hessischen Schülermeisterschaften vor drei Jahren zum ersten Mal werfen sehen. Ihre athletischen Grundlagen waren schon zu erkennen", erinnert sich Schneider, in den 1970er Jahren mehrmaliger Hessenmeister und einmal Vierter bei Deutschen Jugendmeisterschaften. Seitdem hat sich die Stadtallendorferin kontinuierlich entwickelt. Von 39,35 Meter (2011) über 46,59 (2012), 51,62 (2013) bis zur aktuellen Bestweite in Regensburg am letzten Wochenende (56,90). "Bei sechs gültigen Versuchen hat nur der Ausreißer nach oben gefehlt", so Schneider, der gerne motiviert, Ehrgeiz um jeden Preis jedoch ablehnt.

Isabel Weitzel, die er seit zweieinhalb Jahren betreut, beschreibt er als fair, höflich, ausgeglichen, zielstrebig und fleißig. "Was sie sich vorgenommen hat, zieht Isabel auch durch." Neben einer hohen Lernbereitschaft besitze sie auch die Fähigkeit gute von technisch unsauberen Würfen zu unterscheiden. "Ein guter Athlet wird im Laufe der Zeit immer selbstständiger", betont der 56-Jährige und ergänzt: "Die Basis der Selbstständigkeit des Athleten ist das Vertrauen zum Trainer."

Wenn Helmut Schneider seine Trainingsphilosophie beschreibt, kommt er immer wieder auf das "Gesamtpaket" zu sprechen, das Zusammenspiel von athletischen Fähigkeiten, technischen Fertigkeiten und Beweglichkeit. Ein Abstimmungsprozess, der Jahre in Anspruch nimmt. Perfekte Würfe sind selten, werden vom Athleten aber als schön und besonders leicht empfunden. Um dorthin zu kommen, trainiert Isabel Weitzel fünfmal pro Woche. Zweimal im eigenen Kraftraum, dreimal in einer Werfer-Trainingsgruppe in Treysa. Die Ziele bei den Deutschen Jugendmeisterschaften: sichere vier Drehungen in der Beschleunigungsphase und eine "60" vor dem Komma. "Isabel hat die Weite drauf. Und was noch viel wichtiger ist: sie will auch so weit werfen", sagt ihr Trainer.

Eine konkrete Weite für Gelnhausen hat sich Katharina Zeisler nicht vorgenommen. Nur was die Reihenfolge auf dem Siegerpodest angeht, hat sie klare Vorstellungen. "Ich will gewinnen. Und wenn es mit einem Zentimeter Vorsprung ist." So wie in Wetzlar.

Zu allen Teilnehmern der U20/U16-Hessenmeisterschaften


Tammo Lotz

 


11.07.2014