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Starke Sprints und Sprünge in Gelnhausen


Eintracht-Springerin Elena Kelety (Fotos: Benjamin Heller)

Am ersten Tag der Hessischen Jugendmeisterschaften (U20/U16) in Gelnhausen sind vor allem in den Sprint- und Sprungdisziplinen wertvolle Resultate erzielt worden. Mit deutschen Spitzenzeiten gewannen Lukas Sandmann (M15) und Sophia Trettin (W14) die Titel über 100 Meter. Beide starten für den Wiesbadener LV. Die zuvor völlig unbekannte Brigitte Iks vom TV Dillenburg war die schnellste Kurzsprinterin in der W15. Für zwei Topweiten im Weitsprung der gleichen Altersklasse sorgten Elena Kelety (LG Eintracht Frankfurt) und Leonie Frank (LAV Kassel).


Die für die U20-WM in Eugene (USA/22. bis 27. Juli) qualifizierten Marc Reuther aus Wiesbaden und Lisa Mayer von der LG Langgöns/Oberkleen waren flott unterwegs, konnten ihren eigenen Ansprüchen aber nicht genügen. Im Hochsprung überzeugte Robin Bastian Katzer vom TV Herborn mit seiner dritten Goldmedaille in den letzten Wochen. Andreas Bechmann im Trikot der LG Eintracht Frankfurt siegte im Hoch- und Stabhochsprung mit vielversprechenden Höhen in der M15. Hammerwerfer Konstantin Steinfurth zeigte, dass er auch den ungewohnten 6-Kilo-Hammer auf ansprechende Weiten hinausschleudern kann.


800 Meter-Läufer Marc Reuther hatte sich ganz bewusst für einen Start über 400 Meter entschieden. Er wollte "die Geschwindigkeit antesten", die bei taktisch geprägten Rennen in der rennentscheidenden Phase benötigt wird. Zudem hoffte er sich mit einer Zeit zwischen 48,00 und 48,20 Sekunden für die 4x400 Meter-Staffel ins Gespräch zu bringen. Daraus wurde nichts, denn die Uhren blieben erst nach 48,59 Sekunden stehen. Eine neue Bestzeit (die alte lag bei 48,62), die Reuther einige Rätsel aufgab. Einerseits meinte er, dass die Form für Eugene stimme und er schnelle Zeiten mitgehen könne. Andererseits fand er die Zeit "ein bisschen enttäuschend" und haderte mit dem Gegenwind auf den ersten 200 Metern und dem fehlenden Konkurrenzdruck in der Schlussphase. Jetzt geht der Blick gen Eugene. Am Montag hebt der Flieger ab. Dann folgt noch eine Trainingswoche mit einigen kurzen schnellen Läufen. "Da will ich mir das Selbstbewusstsein für die WM holen", machte Reuther deutlich. Das Ziel ist das Halbfinale. "Alles darunter wäre eine herbe Enttäuschung. Alles darüber hinaus eine Zugabe."


Lisa Mayer will in Eugene Staffel laufen

Für Lisa Mayer ist allein schon die Nominierung für Eugene als Erfolg zu werten. Nach der U18-WM-Teilnahme 2013 "aus dem Nichts" und dem unerwarteten siebten Platz über 200 Meter mag das verwundern. Doch nach zwei Muskelfaserrissen, der erste im Winter, der zweite im Mai in Pliezhausen, kam es zu einem Wettlauf der ungewollten Art – dem gegen die Zeit abseits der Tartanbahn. Bis zum 6. Juli hatte der Schützling von Trainer Rainer Finkernagel Zeit gesund und in Form zu kommen. Am 1. Juli erfolgte mit einem 100 Meter-Rennen in Kreuztal in 12,18 Sekunden die Rückkehr ins Wettkampfgeschehen. Bei der Junioren-Gala in Mannheim lief es schon besser (12,00/dazu 24,52 über 200 Meter). In Gelnhausen überquerte Lisa Mayer die Ziellinie nach 11,90 Sekunden. "Eine 11,80 wäre schön gewesen. Aber mir hat ein bisschen der Druck gefehlt", gab die Mittelhessin im Ziel zu Protokoll. Was sie damit meint: eine nicht gleichwertige Konkurrenz und die "fehlenden Wettkampfimpulse". Offizielle Wettkämpfe sind vor der WM nicht mehr möglich. So hat das Training davor Wettkampfcharakter. Es gilt für Lisa Mayer sich für die Staffel aufzudrängen. "Bisher bin ich Ersatzläuferin. Aber wer in die Staffel kommt, entscheidet sich vor Ort. Die Wechsel werden den Ausschlag geben." Immerhin kann Lisa Mayer von sich behaupten bei der Junioren-Gala in der schnellsten deutschen Staffel gelaufen zu sein. Die Staffel Deutschland 2 mit Lisa Mayer an Position zwei lief am zweiten Tag in 45,09 Sekunden schneller als das nominell erste deutsche Quartett am ersten Tag (45,28).

Für Mayers Sprintkollegen Nils Keßler vom TV Herborn blieb die Junioren-Gala in Mannheim ohne Happy End. Erst spielte er im Einzel nur eine Nebenrolle, dann verpasste die deutsche 4x100 Meter-Staffel wie in Regensburg in 40,56 Sekunden die DLV-Norm für Eugene (40,50). Platz elf in der bereinigten Weltrangliste reichte nicht aus zur Nominierung. Nils Keßler schob ein paar Tage Frust, hakte dann aber die Enttäuschung ab, denn "die Saison ist noch nicht vorbei". Ganz im Gegenteil. Bei den Jugendmeisterschaften in Wattenscheid will der Herborner eine "tiefe 10,50er Zeit" erzielen und um die Medaillen mitsprinten. Vier Tage nach Mannheim ging es mit dem spezifischen Training los. "Bis zu den Jugendmeisterschaften laufe ich alle Wettkämpfe aus dem vollen Training", kündigte Keßler an. In Gelnhausen sprang der Sieg und eine Zeit von 10,76 Sekunden dabei heraus. Danach konnte er sogar der Nichtnominierung der Staffel für Eugene etwas Positives abgewinnen. "Wenn andere gefahren wären und ich von Hause hätte zuschauen müssen, wäre es enttäuschender gewesen."

Hammerwerfer Steinfurth und Weitzel weiter in Titellaune

Ein internationales Großereignis kommt für Hammerwerfer Konstantin Steinfurth von der LG Eppstein-Hornau erst im nächsten Jahr mit der U20-EM in Frage. Doch er gibt schon 2014 mächtig Gas: Siege bei den Halleschen Werfertagen und in Fränkisch-Crumbach, den Hessischen und Süddeutschen U18-Meisterschaften, dazu in Deutschland die Nummer eins in seiner Altersklasse. In Gelnhausen ergänzte Steinfurth seine Titelsammlung und war mit 57,29 Metern der Beste in der U20, dicht gefolgt von Marco Laubach (LG Eintracht Frankfurt/56,96). Geworfen wurde mit dem 6- und nicht wie in der U18 mit dem 5-Kilo-Hammer. Das schwere Wurfgerät kannte Steinfurth bisher nur aus dem Training. "Bei meinem weitesten Wurf bin ich gut in die Drehung gekommen, habe beschleunigt und die Schnelligkeit gut in den Abwurf gebracht." Der verbesserte Abwurf ist das Ergebnis des harten Wintertrainings mit vielen Standwürfen mit schweren Gewichten. Trotz Platz eins in der aktuellen deutschen Bestenliste ist das vorrangige Ziel bei den Jugendmeisterschaften ein Podiumsplatz. "Der Hammerwurf ist so komplex, da kann man nie mit Titeln rechnen. Ein paar Unaufmerksamkeiten reichen aus und schon verliert man mehrere Meter."

Das Duell im Hammerwurf zwischen Isabel Weitzel vom ESV Jahn Treysa und Katharina Zeisler von der LG Seligenstadt entschied die Mittelhessin für sich. Ihr bester Versuch wurde mit 46,43 Meter gemessen, eine neue persönliche Bestleistung. Damit zeigte sich die aktuelle Süddeutsche Meisterin in der U18 zufrieden. "Die Würfe waren technisch einigermaßen rund. Natürlich ist der 4-Kilo-Hammer in den Drehungen schwerer zu beschleunigen", bekannte die Stadtallendorferin. In der nächsten Woche geht es auf Klassenfahrt, zum Segeln aufs Ijsselmeer. Danach holt sich Isabel Weitzel den letzten Schliff für die Deutschen Jugendmeisterschaften.


800 Meter M15: Oskar Schwarzer vor Vitali Ivanov

Katharina Zeisler schloss ihren ersten Wettkampf mit dem 4-Kilo-Hammer mit 43,66 Meter ab. "Das war ganz in Ordnung. Gut auch, dass der letzte Wurf der weiteste war", sagte die 16-Jährige. Vor den Jugendmeisterschaften wird sie noch einen Wettkampf bestreiten. Allerdings nicht im Hammerwurf. Nächste Woche läuft sie in Wetzlar in der 4x100 Meter-Staffel, wie immer am Schluss. "Wir wollen uns für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifizieren. Das ist unsere letzte Chance." Gefordert sind 50,20 Sekunden.

Hochspringer Robin Bastian Katzer vom TV Herborn hat einen Lauf. Nach seinen Siegen bei den Hessischen und Süddeutschen Meisterschaften (jeweils in der U18) machte der 17-Jährige mit seinem Erfolg in der hessischen U20-Altersklasse seinen Titel-Hattrick perfekt. Und das alles innerhalb von drei Wochen. In Gelnhausen reichten dem Schützling von Trainer Holger Kessler 1,93 Meter zum Titelgewinn. An 1,97 Meter scheiterte Katzer knapp. HLV-Landestrainerin Sophia Sagonas sprach von "Kleinigkeiten", die Robin Bastian Katzer fehlten. In Wattenscheid soll wieder wie in Wehrheim und Sinn eine "2" vor dem Komma stehen. Mit 2,00 Metern liegt der Herborner zurzeit auf Platz vier in deutschen U18-Bestenliste. In Wattenscheid will er noch ein paar Zentimeter draufpacken. Was ihn bei seinem Vorhaben bestärkt, ist der Sprung über 1,98 Meter bei den Süddeutschen in Regensburg. "Da war noch viel Platz", verriet der 17-Jährige.

Gar nichts anbrennen ließ über 1.500 Meter Lukas Abele vom SSC Hanau-Rodenbach. Er lief von Anfang an sein eigenes Rennen, passierte die 1.000 Meter-Zwischenmarke in 2:47 Minuten und konnte auf den letzten 400 Metern noch beschleunigen. Nach 4:03,98 Minuten durfte der derzeit zweitschnellste Deutsche in der U18 auf den 1.500 Metern wieder das oberste Siegerpodest betreten - wie schon vor einem Jahr in Baunatal, im Winter in der Halle (jeweils 1.500 Meter) und bei den Langstrecken-Titelkämpfen in Marburg (3.000 Meter).

U16: Sandmann, Kelety und Trettin stark, Iks überrascht

Über 100 Meter in der M15 kam es zum erwarteten Duell zwischen Lukas Sandmann (Wiesbadener LV) und dem Deutschen Blockmeister im Sprint, Nico Kühnel (SG Johannesberg). Die Bestzeit des Wiesbadeners lag bei 11,25 Sekunden. 11,28 Sekunden standen für Kühnel zu Buche. Im Finale setzten beide deutliche Ausrufezeichen. Kühnel steigerte sich auf 11,11 Sekunden, Sandmann sogar auf 11,05 Sekunden. Mit diesen Zeiten hätten beide 2013 in der deutschen Jahresbestenliste der U16 die Plätze drei (Sandmann) und fünf (Kühnel) belegt. Dabei waren die Erwartungen des Wiesbadeners gar nicht so hoch. "Ich komme erst in die schnelle Phase", sagte Lukas Sandmann und deutete auf seinen Saisonhöhepunkt, die Deutschen U16-Meisterschaften in Köln (16./17. August). Dann soll eine 10 vor dem Komma stehen.


Schnelles Finish: Lisa Oed über 800 Meter W15

Ganz die Mehrkämpferin startete Elena Kelety von der LG Eintracht Frankfurt gleich in mehreren Disziplinen. Ihren stärksten Auftritt hatte die 15-Jährige im Weitsprung, den sie mit 5,78 Metern gewann. Es spricht für die Klasse der Frankfurterin, dass sie schon zweimal weiter gesprungen ist: 5,83 Meter im Freien, 5,86 Meter in der Halle. Nur sechs Zentimeter hinter Elena Kelety holte sich Leonie Frank vom LAV Kassel Silber. Dabei steigerte sie ihre persönliche Bestleistung um beachtliche 37 Zentimeter.

Vor dem Rennen kannte sie niemand, sie tauchte in keiner Teilnehmerliste auf und dann gab sie allen über 100 Meter das Nachsehen: Brigitte Iks im Trikot des TV Dillenburg. Erst über eine Sonderstartregelung durfte die 15-Jährige aus Eichenzell bei Fulda in Gelnhausen laufen. 9,62 Sekunden über 75 Meter bei "Jugend trainiert für Olympia" waren der Türöffner. Wilfried Beschorner, Sportlehrer am Gymnasium in Fulda und früherer Trainer der Spitzen-Hindernisläuferin Gesa Krause, meisterte die bürokratischen Hürden, meldete sie bei seinem Heimatverein TV Dillenburg und dann für die Meisterschaften an. Gleich im Vorlauf ließ Brigitte Iks aufhorchen. Obwohl sie vorher "am ganzen Körper zitterte", war sie ganz cool, als es in den Startblock ging. Nach 12,20 Sekunden im Vorlauf war Brigitte Iks kein unbeschriebenes Blatt mehr. Auch im Zwischenlauf und im Finale (jeweils 12,35) behielt die Fußballerin der MSG Lütter, die nur gelegentlich die Leichtathletik-AG in der Schule besucht, die Nerven und lief die schnellsten Zeiten. Für Wilfried Beschorner hat "die Idee von Jugend trainiert für Olympia endlich gefruchtet, nämlich talentierte Schüler für die Vereine zu gewinnen". In wenigen Tagen wird Brigitte Iks ihren nächsten Einsatz in der Leichtathletik haben. Dann steigt das Hessenfinale von "Jugend trainiert für Olympia" - ausgerechnet in Fulda.

Im 800 Meter-Lauf der M15 hatte ein Mehrkämpfer den längsten Atem. Oskar Schwarzer vom TV Groß-Gerau, am letzten Wochenende bei den Deutschen Blockmehrkampfmeisterschaften in der U16 im Block Lauf auf Platz vier, drehte das Vorjahresergebnis von Baunatal um und überquerte nach 2:02,87 Minuten vor Vitali Ivanov vom SSC Hanau-Rodenbach (2:03,29) die Ziellinie. Der Groß-Gerauer setzte auf seine Spurtqualitäten. Die hatte er bei den Blockmeisterschaften mit einer Bestzeit über 100 Meter von 12,28 Sekunden unter Beweis gestellt. Dazu kamen 6:05,73 Minuten über 2000 Meter. Kein Mehrkämpfer war in Mönchengladbach schneller. "Mit diesen Vorleistungen war die Ausgangsposition nahezu optimal", kommentierte Schwarzers Trainer Dierk Feyerabend. Vitali Ivanov versuchte es mit der Flucht nach vorn. Doch Oskar Schwarzer ließ ihn nicht ziehen. Nach 400 Metern waren 63 Sekunden vergangen. Auf der Gegengerade attackierte Oskar Schwarzer, doch Vitali Ivanov, der hessische 3000 Meter-Meister, hielt dagegen. Auf der Zielgeraden startete Oskar Schwarzer seinen zweiten Angriff. Und diesmal hatte er Erfolg. Er löste sich aus dem Windschatten des Rodenbachers, dessen Widerstand gebrochen war.


W15: 300 Meter-Siegerin Charlotte Föller

Gleich zwei Goldmedaillen in der M15 durfte Andreas Bechmann von der LG Eintracht Frankfurt in Empfang nehmen. Im Hochsprung überquerte er 1,87 Meter (die Bestleistung steht sogar bei 1,92 Meter), mit der Unterstützung des Stabes 3,80 Meter. Beide Leistungen stellen erweiterte deutsche Spitze bei den 15-Jährigen dar.

Einen couragierten Auftritt über 300 Meter in der W15 legte Charlotte Föller von der SG Schlüchtern hin. Ihre 41,37 Sekunden waren noch nicht einmal persönliche Bestzeit. Die liegt seit Ende Mai bei 41,09 Sekunden. Eine Top-Ten-Platzierung in der deutschen Bestenliste am Ende des Jahres wäre mit diesen Zeiten keine Überraschung.

Wie entfesselt spurtete 800 Meter-Läuferin Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) dem Ziel entgegen. 2:20,56 Minuten bedeuteten Bestzeit in ihrem ersten Freiluftrennen über die zwei Stadionrunden. So schnell ist in diesem Jahr in Hessen noch keine W15-Schülerin gewesen. 2013 in der W14 hatte die Rodenbacherin noch Bronze in einer Zeit von 2:22,98 Minuten geholt.

Sprinter und Sprinterinnen im Trikot des Wiesbadener LV sind stets für ganz schnelle Zeiten gut. Das bestätigte Sophia Trettin in der W14. Nach 12,65 Sekunden im 100 Meter-Vorlauf benötigte sie für die klassische Sprintdistanz im Zwischen- und Endlauf jeweils 12,32 Sekunden. Nur zum Vergleich: die schnellsten 14-Jährigen in Deutschland 2013, Keshia Kwadwo vom TV Wattenscheid und Maja Höber von der LG Westerwald, waren gerade einmal eine Hundertstel schneller als die junge Nachwuchssprinterin aus der hessischen Landeshauptstadt.

Zu den Ergebnissen

Zum 2. Tag

Tammo Lotz

 


13.07.2014