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Warmlaufen für große Aufgaben


Zieleinlauf 100 Meter: (von links) Steffen Schattner (5.), Fabian Christ (3.) und Jan Näser (4.) (Fotos: Benjamin Heller)

Vereinzelte Schauer erschwerten die Bedingungen am zweiten Tag der Hessischen Jugendmeisterschaften in den Altersklassen U20 und U16 in Gelnhausen. Für die beiden U20-WM-Fahrer Fabian Christ (LG Eintracht Frankfurt) und den Darmstädter Steffen Schattner schien trotzdem die Sonne – zumindest im übertragenen Sinne. Denn sie glauben nach den letzten Trainingswochen und ihren Auftritten in der Barbarossastadt an ein positives Abschneiden in Eugene (22. bis 27. Juli).


Sprinter Simon Schütz (Wiesbadener LV) setzte ein Zeichen nach der missglückten Qualifikation für die U20-WM und zeigte, dass mit ihm trotz gesundheitlicher Probleme weiter gerechnet werden muss. Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach) kontrollierte wie schon bei seinem 1.500 Meter-Sieg auch über 800 Meter das Feld und holte sich sein zweites Gold. Zum zweiten Mal ganz oben auf das Siegerpodest kletterte zudem Charlotte Föller (SG Schlüchtern) über 300 Meter Hürden in der W15. Nico Kühnel von der SG Johannesberg drehte über 80 Meter Hürden in der M15 das Ergebnis vom Vortag über 100 Meter um und verwies Lukas Sandmann auf den Silberrang. Nach langer Wettkampfpause hat die Deutsche U20-Meisterin im Hallen-Fünfkampf, Lea Menzel vom TV Neu-Isenburg, mit einer Goldmedaille im Kugelstoßen und Platz zwei über 100 Meter Hürden ihr Comeback gefeiert.

Doppelsiege am Sonntag feierten in der W15 die Frankfurterinnen Miriam Sinning (80 Meter Hürden und Hochsprung) und Victoria Moldenhauer (Diskus und Kugel) sowie vom TuS Weilmünster der 15 Jahre alte Sebastian Arnold und Laura Siegel in der W14 (beide Kugel und Diskus). Mit ihren Erfolgen mit dem Hammer am Samstag schlossen Arnold und Siegel das Meisterschaftswochenende mit jeweils drei Goldmedaillen ab.

Die 6,73 Meter und der zweite Platz im Weitsprung von Fabian Christ, einem der zwei deutschen Vertreter im Zehnkampf bei der U20-WM, fallen einem auf den ersten Blick nicht auf. Zumal der Frankfurter im letzten Jahr mit 7,07 Metern schon deutlich weiter gesprungen ist. Trotzdem war der 18-Jährige erleichtert: "Mein Anlauf passt wieder." Das war beim entscheidenden Qualifikationszehnkampf in Bernhausen vor einem Monat noch anders. Mit 6,69 Metern konnte Fabian Christ überhaupt nicht zufrieden sein, die Geschwindigkeit nicht in Weite umsetzen. "Und ich bin ein Geschwindigkeits- und kein Kraftspringer." Mit einem um zwei Schritte längeren Anlauf scheint er dem Problem Herr geworden zu sein. "Ich bin wesentlich angenehmer auf das Brett gekommen."

Später präsentierte sich Fabian Christ auch über 200 Meter in ansprechender Form. Nach seinem Vorlaufsieg in 21,95 Sekunden verzichtete er auf den Endlauf. Wichtiger waren die guten Sprintergebnisse im Ganzen. Denn bereits am Samstag lief er die 100 Meter dreimal innerhalb von zweidreiviertel Stunden und blieb zweimal unter 11 Sekunden: 10,93 Sekunden im Vor-, 10,99 im Zwischen- und schließlich 11,07 im Endlauf, die Christ den dritten Platz einbrachten. Seine Bestleistung aus Bernhausen (10,87) sieht er damit bestätigt. Er weiß aber auch, dass er sich in der Auftaktdisziplin des Zehnkampfs immer noch stark verbessern kann. "Es ist einfacher mich im Sprint zu steigern als zum Beispiel im Kugelstoßen. Dazu bräuchte ich mehr Muskelmasse und die würde mich im Moment stören."


800 Meter: zweiter Titel für Lukas Abele

Einen Finalplatz mit der 4x400 Meter-Staffel strebt Steffen Schattner vom ASC Darmstadt an. Die starke Vorstellung des Quartetts in Mannheim in 3:07,74 Minuten und der vierte Platz in der aktuellen Weltrangliste "machen Hoffnung auf das Finale", so Schattner. Um sich an Belastungen von Vor- und Endlauf innerhalb von weniger als 26 Stunden (das diktiert der Zeitplan von Eugene) zu gewöhnen, hatte Steffen Schattner von seinem Trainer Florian Daum (er führt die Arbeit seines verstorbenen Vaters Klaus Daum weiter) ein straffes Trainingsprogramm erhalten. Am Freitag vor Gelnhausen Tempoläufe, am Samstag drei Starts über 100 Meter (11,13 Sekunden im Vor-, 11,07 im Zwischen- und 11,15 und Platz vier im Endlauf) und am Sonntag zwei über 200 Meter. Erst 22,52 Sekunden im Vorlauf, dann 22,19 im Finale und Platz zwei hinter Simon Schütz. Am wertvollsten waren die Zeiten über 100 Meter. "Ich bin dreimal unter meiner alten Bestzeit geblieben." Die hatte er mit 11,24 Sekunden vor drei Wochen bei den Hessischen Meisterschaften der Aktiven in Wetzlar aufgestellt. Auch wenn die Staffelbesetzung erst in Eugene bestimmt wird, sieht sich der Darmstädter in einer sehr guten Ausgangsposition. "Als Startläufer in Mannheim bin ich eine 47,6 gelaufen." Damit blieb er deutlich unter seiner Bestleistung in einem Einzelrennen, 48,15 Sekunden (ebenso gelaufen in Mannheim). Steffen Schattner weiß, bei wem er sich zu bedanken hat. "Die Planung von Klaus Daum für Mannheim und Eugene ist bisher perfekt aufgegangen."

Auch die Vorbereitung des Mittelstrecklers Lukas Abeles vom SSC Hanau-Rodenbach auf die Doppelbelastung bei den Deutschen Jugendmeisterschaften mit Vor- und Endlauf verläuft vielversprechend. Nach seinem Sieg am Vortag über 1.500 Meter ging Abele auch über 800 Meter an den Start. Nach einer verhaltenen ersten Runde ergriff der Schützling von Trainer Sascha Arndt die Spitze und zog spielerisch davon. Dank einer 57er-Schlussrunde kam Lukas Abele in 1:55,74 Minuten noch nah an seine Bestzeit von den Hessischen U18-Meisterschaften (1:54,87) heran. In Wattenscheid will Abele aufs Podest über 1.500 Meter laufen. In das mögliche Aufeinandertreffen mit dem derzeit Jahresschnellsten in Deutschland auf dieser Strecke, Lukas Eisele von der LG Filder, geht Abele mit einem positiven Gefühl. In allen drei Aufeinandertreffen behielt der Hesse gegenüber dem Schwaben bis jetzt die Oberhand.

Im 3.000 Meter-Lauf der U20 ging ein Äthiopier ab wie die Feuerwehr. Gutu Abdeta Odde, vor acht Monaten aus politischen Gründen nach Deutschland gekommen und in den Ergebnislisten mit dem Jahrgang 1995 geführt, hatte auf den siebeneinhalb Runden nur einen Gegner – die Uhr. Und als die im Ziel stehenblieb, waren 8:44,90 Minuten vergangen. Im Frankfurter Raum und bei Hessenmeisterschaften hat sich der von Dietmar Stenzel betreute Äthiopier im Trikot der LG Eintracht Frankfurt bereits einen Namen gemacht. So gewann er den Frankfurter Halbmarathon in 1:06:03 Stunden und war auch bei den Landestitelkämpfen im Cross und auf der Langstrecke über 5.000 Meter erfolgreich. Im Moment lernt er fleißig Deutsch und würde am liebsten in Deutschland bleiben. Einen Job kann er sich auch schon vorstellen: Feuerwehrmann. "Ja, das hat mich in Äthiopien schon immer interessiert."


Auch über die hohen Hürden erfolgreich: Christopher Nagorr

Für den frischgebackenen U18-Hessenrekordler über 110 Meter Hürden, Christopher Nagorr vom LAZ Gießen, war Gelnhausen eine Premiere. Zum ersten Mal trat er in einem Wettkampf über die 99 Zentimeter hohen A-Jugend-Hürden an. Auch die Abstände zwischen den Hürden sind in der A-Jugend etwas größer als in der U18. Einmal hätte er in der Woche vor Gelnhausen über die hohen Hürden getestet, so der Gießener. Das war genug, um im Vorlauf vorneweg und nach 14,70 Sekunden ins Ziel zu laufen. Im Finale sei er sehr gut an die erste Hürde herangekommen, erzählte der Schützling von Trainer Markus Czech. Im weiteren Verlauf des Rennens aber geriet er etwas außer Tritt und wurde in der Endphase plötzlich von Falko Neutzsch (ASC Darmstadt) attackiert. Doch im Ziel hatte Christopher Nagorr in 14,85 Sekunden gewonnen und den Südhessen um 5 Hundertstel auf Abstand gehalten.

Ereignisreich geht die Saison für Christopher Nagorr weiter. Es folgen bei den Hessischen Mehrkampfmeisterschaften sein erster Zehnkampf, dann die Jugend-DM ("Da will ich eine Medaille über die Hürden") und die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften. Als Vorgeschmack für den Zehnkampf am kommenden Wochenende lief er am ersten Tag auch erstmals die 400 Meter. "Die ersten 200 Meter gingen, aber danach war das Rennen für mich praktisch vorbei." Sichtlich gezeichnet erreichte Christopher Nagorr in 52,42 Sekunden das Ziel.

Schütz und Schulze kämpfen mit Verletzungsfolgen

"Es muss einfach weitergehen." Das sagte sich Simon Schütz, der derzeit zweitschnellste deutsche U20-Sprinter über 200 Meter (21,37 Sekunden), nachdem er vor knapp einer Woche erfahren hatte, dass keine Sprintstaffel für Eugene nominiert und er folglich auch zu Hause bleiben würde. Mit seiner persönlichen 100 Meter-Bestzeit von Weinheim, 10,59 Sekunden, hatte er die WM-Einzelnorm um sieben Hundertstel verfehlt. Diese 10,59 Sekunden gilt es jetzt zu steigern. Am besten bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Wattenscheid (8. bis 10. August). Ein erster Schritt dahin sind die 21,74 Sekunden von Gelnhausen, mit denen Schütz seine Kontrahenten klar distanzierte. Der Schützling von Trainer Georg Schmidt war der einzige, der unter 22 Sekunden blieb. In den nächsten Wochen müssen noch einige Tempoläufe folgen, um die anvisierte Bestleistung im Wattenscheider Lohrheidestadion in die Tat umsetzen zu können. Gerade die schnellen Belastungen sind es, die Simon Schütz fehlen. Immer wieder musste er, nicht nur in dieser Saison, unfreiwillig kürzer treten. So fielen vor der Junioren-Gala in Mannheim die Tempoläufe für zwei Wochen ganz aus. "Alle Probleme strahlen von den Füßen aus", erklärt Schütz. Nach einer früheren Verletzung ist die Beweglichkeit derer eingeschränkt.


Zwei Titel trotz Schrecksekunde: Miriam Sinning

Fußprobleme - Stabhochspringerin Juliane Schulze vom SSC Bad Sooden-Allendorf kann ein Lied davon singen. Ein gebrochener Fuß war es, der die Europäischen Ausscheidungswettkämpfe für die 2. Olympischen Jugendspiele in Nanjing (China/16. bis 28. August) Anfang Juni zum Vabanquespiel werden ließen. Doch mit übersprungenen 3,80 Metern ging die Rechnung auf. Dann kamen die Rückschläge. Erst der Salto Nullo bei den Hessenmeisterschaften in Wetzlar, dann lediglich 3,50 Meter bei den Süddeutschen Meisterschaften in Regensburg. Das gleiche Ergebnis auch in Gelnhausen. Davon profitierte Katharina Wegner von der LG Rodgau (Bestleistung: 3,75), der übersprungene 3,60 Meter zum Titelgewinn reichten.

Eigentlich wollte Juliane Schulze Höhen von 3,80 oder 3,90 Meter überqueren. Doch dafür fehlte die Sicherheit aus dem langen Anlauf (12 Schritte). Zuletzt hatte sie sich auf acht Schritte beschränkt. Die zum Teil schwierigen Bedingungen will der Schützling von Trainer Thomas Weise erst gar nicht als Entschuldigung anführen, denn sie weiß: "Ich kann es. Und ich hätte es auch heute schaffen können. Es liegt nur an mir, dass ich hier schlecht gesprungen bin." So steht in der laufenden Saison bisher nur ein überzeugender Wettkampf im Freien – Baku eben. Um sich aus ihrem Leistungs-Tal zu befreien, liebäugelt Juliane Schulze mit einem Start außer Wertung bei den Süddeutschen U23-Meisterschaften in Augsburg (2./3. August). Dann folgen die Deutschen Jugendmeisterschaften in Wattenscheid (8. bis 10. August), wo sie endlich hofft an die starke Hallensaison mit dem Jugendmeistertitel und der aktuellen Bestleistung von 4,05 Metern anknüpfen zu können.

U16: Kühnel glückt Revanche, Becker ganz flott über die Hürden

Über 80 Meter Hürden in der M15 stritten Lukas Sandmann vom Wiesbadener LV und der Deutsche Meister im U16 Block Sprint, Nico Kühnel von der SG Johannesberg, wieder um die Goldmedaille. Anders als am ersten Tag hatte der Johannesberger in neuer persönlicher Bestleistung von 10,95 Sekunden das bessere Ende für sich und entthronte den Titelverteidiger aus der hessischen Landeshauptstadt, der in 11,17 Sekunden den Zielstrich passierte. Bereits im Vorlauf hatte Nico Kühnel seinen vorherigen Rekord um eine Hundertstel auf 11,03 Sekunden gesteigert. Einen Grund für seinen Leistungssprung hatte Kühnel schnell gefunden. "Den guten Start. Das ist sonst meine Schwäche, da ich zu Beginn zu große Schritte mache. Aber das hat heute besser geklappt."

Auf ihrer Spezialstrecke, den 80 Meter Hürden, kam Miriam Sinning von der LG Eintracht Frankfurt noch einmal mit dem Schrecken davon. Die DM-Dritte im Blockmehrkampf (Sprint W15) lief im Vorlauf in eine Hürde. Das Andenken an ihr Missgeschick: ein geschwollenes und leicht blau gefärbtes linkes Knie. Daraufhin zeigte sich Miriam Sinning weniger impulsiv bei der Hürdenannäherung und überquerte die Hindernisse zur Sicherheit etwas höher. Eine flotte Zeit kam trotzdem dabei heraus. In 11,61 Sekunden blieb sie nur sechs Hundertstel über ihrer Bestzeit von Mönchengladbach. Auch im Hochsprung, einer weiteren Stärke der vielseitigen Schülerin, hielt das geschwollene Knie den Belastungen stand. "Vor dem ersten Sprung hab ich das Knie kurz gekühlt. Ich hab es zwar beim Absprung gemerkt, aber mehr nicht." Übersprungene 1,60 Meter im zweiten Versuch bedeuteten den nächsten Titel für den Schützling von Trainer Albert Junker. Miriam Sinnings wertvollste Leistung am ersten Tag wurde nicht mit einer Medaille belohnt. 5,31 Meter im Weitsprung bedeuteten Rang fünf. Ihre alte Bestleistung von den Deutschen Blockmeisterschaften in Mönchengladbach, 5,22 Meter, hielt somit gerade einmal eine knappe Woche.


Flotte Hürdenzeit: Lars Becker

Der Diskuswurf der W15 war eine One-Woman-Show von Victoria Moldenhauer von der LG Eintracht Frankfurt. Mit ihrer Siegesweite von 36,36 Meter aus dem fünften Versuch bestätigte sie ihre Vorleistung, die bei 36,66 Meter liegt. Nach müdem Beginn gelang es ihr schließlich mehr Schnelligkeit in ihre Würfe zu legen. Überhaupt hat sie eine Affinität für alle Würfe, vor allem den Diskuswurf und das Kugelstoßen. Die Basis für das Interesse an intensiver "Armarbeit" legte sie bei ihrer ersten Sportart, dem Schwimmen.

Nachdem sie bereits am ersten Tag den Hammer auf die Siegesweite von 39,42 Meter geschleudert hatte, erhöhte Laura Siegel vom TuS Weilmünster ihre Titelsammlung auf drei. Mit dem Diskus erzielte sie 34,33 Meter. Die 3-Kilo-Kugel beförderte sie auf 11,49 Meter. Ihr nächstes Wettkampfziel sind die Süddeutschen U16-Meisterschaften in Augsburg. Dort sollen neue Bestleistungen fallen, im Idealfall jeweils im Endkampf. Was besser laufen sollte, weiß die 14-Jährige auch schon: "Mit dem Diskus habe ich die Bewegungen zu früh abgebrochen und den Hammer zu lange gehalten." Die Folge waren insgesamt nur zwei gültige Versuche.

Über 80 Meter Hürden in der M14 verbesserte sich der Hessische Hallenmeister über 60 Meter Hürden, Lars Becker von der LG Rüsselsheim, gegenüber seiner Meldezeit um über eine halbe Sekunde und wurde in qualitativ sehr ansprechenden 11,41 Sekunden gestoppt. In der deutschen M14-Bestenliste des letzten Jahres hätte diese Zeit den fünften Platz bedeutet.

Zu den Ergebnissen

Zum 1. Tag

Tammo Lotz

 


14.07.2014