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Fabian Christ möchte in Eugene „etwas reißen“


Fabian Christ (Foto: IRIS)

Wenn man sich ansieht, wen Fabian Christ in der sogenannten ewigen hessischen Bestenliste der unter Zwanzigjährigen vor und hinter sich hat, ist sein Potenzial vielleicht am besten einzuordnen. Bester Zehnkämpfer ist Jan Felix Knobel mit 7.896 Punkten, damit wurde er im Jahr 2008 Junioren-Weltmeister. Später verbesserte sich der Architekturstudent auf 8.288 Punkte und nahm 2012 an den Olympischen Spielen teil. Als Zweiter aufgeführt ist Steffen Klink, der im Jahr 2011 mit 7.749 Punkten aufhorchen ließ, aber anschließend von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Dann kommt schon der 18-jährige Schüler im Trikot der LG Eintracht Frankfurt. Mitte Juni verbesserte sich Christ auf 7.574 Punkte und qualifizierte sich für die U20-WM in Eugene im amerikanischen Bundesstaat Oregon. Natürlich ist in der Nachwuchsklasse auch Pascal Behrenbruch vertreten. Der Europameister von 2012 (Bestleistung 8.558 Punkte) ist bei den U20-Jugendlichen mit 7.476 Punkten (2003) gelistet. Und mit Behrenbruch schließt sich der Kreis zu Christ. Denn der Youngster und der bald Dreißigjährige trainieren in Frankfurt zusammen.

„Es ist immer mehr geworden“, sagt Christ. Zunächst sei es nur das Stabhochspringen gewesen, mittlerweile absolvieren die beiden auch Läufe und andere Übungseinheiten gemeinsam. „Wir schauen, dass wir uns gegenseitig helfen“, sagt Christ. Auf die Fakten reduziert, hat jedoch nur der Nachwuchsmann von der Trainingsgemeinschaft profitiert - Behrenbruch verpasste mit kaum mehr als 8.000 Punkten unlängst die Qualifikation für die EM in Zürich. Christ jedoch startete beim Meeting in Bernhausen richtig durch und steht nun in Eugene vor der bislang größten Herausforderung seiner jungen Karriere. „Ich will etwas reißen“, sagt er. In Zahlen ausgedrückt: Der Frankfurter möchte sich um etwa 200 Punkte steigern, und wenn ihm dies gelingt, wäre er ein Kandidat für das Medaillen-Umfeld. Die U20-Weltjahresbestenliste wird angeführt von dem Tschechen Jiri Sykora (8.047 Punkte), Christ ist Neunter. Angesehen hat er sich das globale Ranking nicht, aber natürlich „davon erzählt bekommen“. Dabei kommt die Konkurrenz auch aus dem eigenen Land. Tim Nowak vom SSV Ulm hat bereits 7.802 Punkte gesammelt.

Christ, der seit vier Jahren von seinem Vater Hartmut trainiert wird, könnte in Eugene tatsächlich einen weiteren Schritt nach vorne machen. Denn beim Blick auf seine Einzelergebnisse von Bernhausen tun sich zwei, drei Ausreißer nach unten auf. Etwa 6,69 Meter im Weitsprung, schwache 12,08 Meter im Kugelstoßen und lediglich 36,84 Meter mit dem Diskus. Die Anlaufschwierigkeiten im Weitsprung seien behoben, sagt er - seine Hallen-Bestleistung steht bei 7,22 Meter. Im Kugelstoßen blieb er in Bernhausen aufgrund eines „totalen Technikfehlers“ einen Meter unter seinem Hausrekord, im Diskuswerfen gehe es grundsätzlich „mal so, mal so“. Christ ist ohnehin kein großer Freund von Kugeln, Disken und Speeren, seine Stärken liegen im Lauf- und Sprungbereich. Herausragend dabei: fünf Meter im Stabhochsprung.


Fabian Christ beim Hürdensprint (Foto: IRIS)

Vor einem Jahr, als er bei der U20-EM in Rieti (Italien) erstmals im Nationaltrikot an den Start gegangen war und Zehnter wurde, machte Christ im Call Room vor dem 100-Meter-Lauf noch gehöriges Nervenflattern zu schaffen. Er hofft, dass es in Eugene anders kommen wird. Lernen kann er auch in diesem Zusammenhang von Behrenbruch. „Pascal hat eine Gesamtlockerheit, die einem die Anspannung nimmt.“ Zudem imponiere ihm der „dauerhafte Ehrgeiz“ des zehn Jahre älteren Trainingskumpels. Andererseits muss der Oberstufenschüler schon mal passen, wenn der freie Unternehmer Behrenbruch wochentags zu ihm sagt: „Komm, lass uns in die Stadt gehen und etwas machen.“ Er müsse morgen früh aus den Federn, antwortet Christ dann. Auch deshalb konnte Behrenbruch eine verlorene Wette noch nicht einlösen.

Der Europameister hatte dem Jugend-Zehnkämpfer nicht zugetraut, dass er seine 400-Meter-Bestleistung von 48,48 Sekunden toppen kann. Dann lief Christ in Rieti 48,23 Sekunden, zuletzt in Bernhausen sogar 48,15 Sekunden. „Den Kasten Bier löst Pascal jetzt nach Eugene ein“, sagt Christ. Vorher stehen aber noch zwei harte Tage auf historischem Boden an: Im Stadion Hayward Field stellte der Amerikaner Ashton Eaton vor zwei Jahren mit 9.039 Punkten den Zehnkampf-Weltrekord auf.

Der U20-Zehnkampf beginnt am Dienstag, 22. Juli, um 10.25 Uhr Ortszeit (19.25 Uhr MESZ). Weiter geht’s am Mittwoch, 23. Juli, um 10 Uhr (19 Uhr MESZ).

Uwe Martin

 


21.07.2014