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Steffen Schattner macht in Eugene den Traum seines verstorbenen Trainers wahr


Steffen Schattner (Foto: IRIS)

Beim letzten Startschuss der U20-WM dürften auch zwei hessische Leichtathleten im Stadion Hayward Field von Oregon auf der Bahn stehen: Constantin Schmidt (TG Obertshausen) und Steffen Schattner vom ASC Darmstadt. Die deutschen 4x400-Meter-Läufer haben sich souverän für die Titelkämpfe im amerikanischen Bundesstaat qualifiziert, und den Abschluss bildet traditionell die Langstaffel. „Es war der heimliche Traum meines Vaters, dass es jemand aus der Darmstädter Sprintergruppe ins Nationaltrikot schafft“, sagt Florian Daum. Der 23 Jahre alte Student hält von Groß-Umstadt aus Kontakt zu Schattner. Noch ist es ein paar Tage hin, am nächsten Samstag finden die Vorläufe statt, kaum mehr als 24 Stunden später das Finale. „Ich bin auf dem Laufenden. Steffen fühlt sich fit wie nie.“ Daum hat die ASC-Gruppe im vergangenen November als Trainer übernommen, ist als „Übergangslösung reingerutscht“, wie er sagt. Damals ging es seinem Vater gesundheitlich sehr schlecht, am 25. April ist Klaus Daum gestorben. Seit 2007 hatte der Senior für einen rasanten Aufschwung in der Darmstädter Sprintszene gesorgt, sein Sohn nahm das Erbe an, wenngleich zeitlich befristet.

„Die Doppelbelastung ist mir auf Dauer zu viel“, sagt Florian Daum, der sich in diesem Jahr selbst als schneller Mann über 100 (10,65 Sekunden) und 200 Meter (21,56) profiliert hat. „Ich bin vom Herzen her noch Sportler. Und ob ich meine Zukunft als Trainer sehe, weiß ich noch nicht.“ Und so wird die WM-Teilnahme von Schattner für den ASC Darmstadt zugleich Anfangs- und Endpunkt einer Entwicklung auf die internationale Wettkampfebene sein.

Nach der Saison, so die aktuelle Planung, werden sich der 400-Meter-Läufer (Bestzeit 48,15 Sekunden), sein Trainer und dessen jüngerer Bruder Tobias zur LG Friedberg-Fauerbach verändern. In der Wetterau hat Trainer Volker Weber mit Hessenmeister Felix Göltl (10,42) und dem genauso schnellen Michael Pohl zwei Topsprinter in seiner Übungsgruppe, die erste Kennenlernphase hat die Friedberg-Darmstadt-Connection bereits im gemeinsamen Frühjahrs-Trainingslager hinter sich gebracht. Inklusive Schattner.


Steffen Schattner und Constantin Schmidt (Foto: IRIS)

Der Neunzehnjährige hatte im vergangenen Mai und Juni eine gesundheitlich schwere Zeit, das Eppstein-Barr-Virus bremste ihn aus. Schattner ging mit 49,4 Sekunden aus der Saison, war aber im Februar 2014 schon wieder obenauf und wurde Zweiter der deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften (48,98). Klaus Daum, sein Entdecker und Förderer, konnte die Reise nach Sindelfingen in den Glaspalst krankheitsbedingt schon nicht mehr antreten. Er verfolgte das Rennen im Livestream.

„Steffen ist ein Athlet, der viel macht. Manchmal muss man ihn bremsen“, sagt Florian Daum. Und trotz der viertschnellsten Meldezeit ist der Coach zurückhaltend mit einer WM-Staffelprognose. „Der superschnelle amerikanische Nachwuchs ist noch gar nicht gelistet. Und die traditionell flotten Briten sind noch nicht in Bestbesetzung gelaufen. Aber das Finale ist realistisch.“ Vielleicht gibt es ja eine Überraschung wie 2008, als das deutsche Nachwuchs-Quartett auf den dritten Rang lief. Damals dabei: Niklas Zender (Friedberg-Fauerbach) und Marc-John Dombrowski (LG Eintracht Frankfurt). Sechs Jahre später haben beide ihre Karrieren schon beendet.

Uwe Martin

 


23.07.2014