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Christiane Klopsch läuft um die EM-Norm: „Ich bin in der Form meines Lebens“


Christiane Klopsch (Foto: IRIS)

Im August 2013 saß Christiane Klopsch vor dem Fernseher und verfolgte die Leichtathletik-WM. Frustrierend sei es gewesen, diese Bewegtbilder zu sehen, sagt sie. Die Titelkämpfe in Moskau sind der Saisonhöhepunkt gewesen, und die 400-Meter-Hürdenläuferin von der LG Friedberg-Fauerbach war nicht dabei. Norm verpasst, die Teilnahme an der Universiade war da nur ein schwacher Trost. „Ich habe es trotzdem positiv umgesetzt und mich gefragt: Was kannst Du tun, damit es nächstes Jahr richtig kracht?“ Nach einem Gespräch mit ihrer Trainerin Sieglinde Weber wurden die Umfänge erhöht, Kraft- und Stabilisationsübungen in den Vordergrund gerückt, die Zusammenarbeit mit einer Ernährungsberaterin gesucht. Mittlerweile hat sich die Hessin auf 56,02 Sekunden verbessert, doch zur EM-Norm des deutschen Verbandes fehlen immer noch 12 Hundertstel. Und die letzte Chance hat Christiane Klopsch an diesem Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Ulm. „Ich bin total entspannt und in der Form meines Lebens“, sagt sie. „Eigentlich dürfte die Norm kein Problem sein.“

Die Norm, das ist Teil zwei ihres Plans, zunächst einmal will sie - wie schon 2011 - zum Titel laufen. Und sollte es wider Erwarten mit der A-Norm nichts werden, hat Christiane Klopsch noch zwei andere Optionen für die Reise zur EM nach Zürich. Die erste: Der DLV nominiert sie über die sogenannte „Stabilitätsnorm“ - früher B-Norm genannt - von 56,20 Sekunden und hält ihr dabei die Platzierung in der europäischen Bestenliste (Platz zwölf) zugute. Die letzte Variante wäre die 4x400-Meter-Staffel. Denn auch über die Stadionrunde ohne Hürden ist sie mit einer Bestzeit von 52,99 Sekunden deutsche Spitzenklasse. In der Staffel ist Christiane Klopsch schon bei der EM vor zwei Jahren gelaufen, auf Rang fünf; bei den Olympischen Spielen 2012 kam sie als Ersatzfrau nicht zum Einsatz. „Mit dem Einzelstart über 400 Meter Hürden würde ein Traum in Erfüllung gehen“, sagt sie. Anders formuliert: Die Staffel taugt nicht unbedingt als Trostpflaster.


Reicht es in Ulm für die EM-Norm? (Foto: IRIS)

Beim Blick auf die Karriere von Christiane Klopsch wird deutlich, wie lange eine Entwicklung auf kontinentales Niveau dauern kann. Sie war schon bei europäischen Nachwuchsmeisterschaften am Start, zweimal bei der Universiade und bei Team-Europameisterschaften. Von 57,87 Sekunden (2009) steigerte sie ihre Bestzeit auf 57,00 Sekunden (2010/„Das war ein einmaliger Ausreißer“), 56,97 Sekunden (2011) und 56,83 Sekunden (2013). „Mehr oder weniger ging es immer nur um Zehntel vorwärts.“ Einen großen Schritt nach vorne machte Christiane Klopsch erst in diesem Sommer. Und wird nun auch endlich bei größeren Sportfesten wie dem EAA-Meeting in Luzern auf die Startliste gesetzt. Ihre Konkurrenzfähigkeit stellte sie zuletzt bei der Team-EM in Braunschweig mit Platz fünf (56,38) unter Beweis. Gegen hochklassige Konkurrenz. Doch das Prädikat, schnellste Deutsche in einer Rand- und zudem DLV-Problemdisziplin zu sein, reicht beispielsweise nicht, um einen Sponsorenvertrag mit einem Sportartikelhersteller zu bekommen.

Auch in Hessen haben die 400 Meter Hürden längst an Glanz verloren, seit die Legende Harald Schmid, Edgar Itt und zuletzt Christian Duma nicht mehr aktiv sind. Und dass Lars Birger Hense (Friedberg-Fauerbach) vor sechs Jahren deutscher Meister war, weiß heute kaum noch jemand. 400 Meter Hürden sind eine hoch intensive, kräftezehrende Disziplin, die Zahl der verletzungsbedingten Ausfälle hoch. „Im Winter ist es schon eine Schinderei“, sagt Christiane Klopsch. In der kalten Jahreszeit, wenn die Grundlagen geschaffen werden. „Aber wenn ich nach einer harten Einheit im Wald müde und ausgepowert bin, macht das auch glücklich.“ Sie hätte es einfacher haben können, es bei der flachen Stadionrunde belassen können. „Doch das ist längst nicht so spannend.“ Zumal sie bereits in ihrer Schülerzeit über die kurze und lange Hürdenstrecke zu Hessentiteln gelaufen ist. „Hierfür habe ich einfach Talent.“

Womöglich sind die 400 Meter Hürden für eine junge Frau von 23 Jahren, die ihre berufliche Zukunft im Journalismus sucht, genau das richtige sportliche Experiment. Denn: „Jeder Lauf ist eine Wundertüte.“

Uwe Martin

 


25.07.2014