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Die Steinfurths - eine Werferdynastie


Konstantin Steinfurth (Foto: Benjamin Heller)

In dieser Familie aus dem Eppsteiner Stadtteil Bremthal wird geworfen und gestoßen, was das Zeug hält. Seit Generationen. Klaus Steinfurth, 63, hat im Rasenkraftsport bislang 70 deutsche Titel gesammelt, sein vier Jahre älterer Bruder Wolfgang ist mittlerweile nur noch als Funktionär tätig. Aber auch er war in jüngeren Jahren mit dem Diskus (46,44) und mit der Kugel (14,30) aktiv. Sein Sohn Ralf, 42, findet sich ebenfalls in den Bestenlisten des Bezirks Wiesbaden, etwa mit 14,33 Metern im Kugelstoßen. Eine Schulterverletzung nach einem Arbeitsunfall beendete seine Karriere. Ehefrau Yvonne erreichte unlängst bei den deutschen Seniorenmeisterschaften mit der Kugel und dem Diskus vordere Platzierungen. Und dann gibt es noch Konstantin, den jüngsten Sohn von Klaus Steinfurth. Der 17-Jährige kann am Freitagabend bei den Jugendmeisterschaften in Wattenscheid seinen ersten deutschen Titel in der Leichtathletik gewinnen - im Hammerwurf der U18.

Am 27. Juli hat der Filius das fünf Kilogramm schwere Gerät in Haßloch/Pfalz 65,74 Meter weit geschleudert und rückte damit dem deutschen Jahresbesten Dominik Maaß (LAV Neustadt/66,42) noch ein Stück näher. „Alles ist möglich, auch der Titel“, sagt Vater und Trainer Klaus Steinfurth. „Wenn der Wettkampf normal läuft, machen diese beiden den Sieg unter sich aus.“ Ein Vorteil seines Sohnes: Die vier direkten Duelle in diesem Jahr hat Konstantin Steinfurth 3:1 für sich entschieden und mit den Siegen bei den Wurfklassikern in Halle an der Saale und in Fränkisch-Crumbach auch den deutschen Junioren-Cup gewonnen. Verglichen mit seinem Konkurrenten aus Bayern ist Steinfurth Junior ein Leichtgewicht - physisch bewertet. Auf 1,85 Meter verteilen sich 76 Kilogramm. „Eigentlich ist er ein ziemlicher Hänfling“, sagt der Vater. „Dabei hat er im Vergleich zum vergangenen Jahr schon fünf Kilogramm zugelegt.“ Im Sommer 2013 flog der Hammer des Jugendlichen im Trikot der LG Eppstein/Hornau 57,47 Meter weit. Seitdem hat der Carl-von-Weinberg-Schüler (Frankfurt) acht Meter drauf gepackt.


Konstantin Steinfurth nach seinem Sieg in Halle (Foto: privat)

Der Leichtigkeit des Tuns soll jedoch mit einem speziellen Ernährungsplan abgeholfen werden. „Er muss zunehmen“, sagt sein Vater und formuliert den sportwissenschaftlichen Sachstand, dass ein Plus an Gewicht nicht schaden wird. Unbenommen weiterer technischer Verbesserungen. Mit mehr Zwischenmahlzeiten, etwa in Form von Quarkspeisen, soll Konstantin Steinfurth im Winter etwa 80 Kilogramm auf die Waage bringen. Das wären immer noch zehn Kilogramm weniger als sein Hauptkonkurrent Maaß derzeit wiegt. Interessant ist, dass die Steinfurths in Eppstein, genauer im Stadion „Am Bienroth“, ihr eigenes Ding machen. In eher unregelmäßigen Abständen führt der Weg nach Alzey zu Co-Trainer Lutz Caspers, der in jungen Jahren ein Hammerwerfer der deutschen Spitzenklasse gewesen ist (73,08 Meter). Eine Anbindung an das Frankfurter Übungszentrum in der Hahnstraße gibt es nicht. „Wir hoffen, dass dort jetzt alles in ruhigere Bahnen kommt“, sagt Klaus Steinfurth vorsichtig. Nach dem Abschied von Jan Müller und der Neubesetzung mit Regine Isele als hessische Landestrainerin Wurf.

Dass in Bremthal überhaupt eine schwergewichtige Dynastie Steinfurth entstanden ist - im Rasenkraftsport mit den Disziplinen Hammerwurf, Gewichtwerfen und Steinstoßen sowie in der Leichtathletik - hat mit dem Hessischen Fernsehen zu tun. Denn 1977 zeigte die Landesrundfunkanstalt noch bewegte Bilder außerhalb des Fußballs, und zwar von den deutschen Rasenkraftsportmeisterschaften in Kassel. „Das können wir auch“, meinte Wolfgang Steinfurth und gründete flugs bei der TSG Eppstein eine entsprechende Abteilung, die 37 Jahre später von seiner Schwiegertochter geleitet wird. Ein Vorbeikommen ist in Deutschland an der Rasenkraftsport-Hochburg im Main-Taunus-Kreis jedenfalls kaum mehr. Auch Konstantin Steinfurth hat schon mehrere nationale Titel bei den Rasenkraftsportlern geholt, nun will er auch in der Leichtathletik ganz oben stehen.

Uwe Martin

 


06.08.2014