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Jugend-DM: Acht hessische Medaillen am 1. Tag – Juliane Schulze auch Meisterin im Freien


Juliane Schulze (Fotos: Benjamin Heller)

Die Bühne am ersten Tag bei Deutschen Jugendmeisterschaften gehört traditionell den Talenten der U18-Altersklasse. Zwei von ihnen trumpften besonders auf. Alina Reh vom TV Erbach (Baden-Württemberg) über 3.000 Meter und der thüringische Speerwerfer Tom Meier vom LC Jena erzielten neue nationale Richtmarken in ihren Disziplinen. Meier hat eine prominente Mutter und Trainerin: Petra Felke. 1988 warf die DDR-Athletin den "alten Speer" auf die mehr als erstaunliche Weltrekordweite von glatten 80 Metern. Ihr Sohn konzentriert sich erst seit zwei Jahren auf den Speerwurf, spielte davor Fußball. Erst im Mai unterzog er sich einer Knieoperation. In Wattenscheid war er wieder topfit, ließ das 700 Gramm schwere Wurfgerät auf 76,80 Meter fliegen und löschte nach neun Jahren den Wetzlarer David Klaus (74,88) aus der deutschen U18-Rekordliste.

Eine noch viel ältere Bestmarke übertrumpfte Alina Reh. Für ihren Start-Ziel-Sieg über die siebeneinhalb Runden benötigte sie nur 9:05,15 Minuten. Damit war Reh knapp zwei Sekunden schneller als Elvira Hofmann vom TV Bad Mergentheim vor 36 Jahren (9:07,4). Als derzeit Dritte in der aktuellen U18-Weltrangliste darf Alina Reh erhobenen Hauptes zu den 2. Olympischen Jugendspielen in Nanjing (China/16. bis 28. August) reisen.

Apropos prominente Eltern. Beim Nachnamen der U18-Siegerin über 100 Meter Hürden, Nancy Beinlich vom 1. LAV Rostock, spitzen so manche Fußballfans die Ohren. Ihr Vater Stefan Beinlich lief fünfmal im deutschen Nationaltrikot auf und ist mittlerweile Geschäftsführer des 1. LAV Rostock, in dem seine drei Töchter Nancy, Nora und Kira bereits seit Jahren aktiv sind. In Wattenscheid ging Nancy als Jahresschnellste in den Hürdensprint und wurde ihrer Rolle gerecht. In 13,58 Sekunden lief sie nach Platz vier vor heimischem Publikum im Vorjahr nun zu ihrem ersten nationalen Titel. Auch ihre Schwester Nora hegt nach der zweitschnellsten Vorlaufzeit über 400 Meter Hürden hinter der enteilten Hessin und Jahresbesten Eileen Demes (TV Neu-Isenburg) Medaillenchancen.


Silber im Hammerwurf: Isabell Weitzel (Foto: Schaake)

Mit acht Podestplatzierungen (1/4/3) erlebte der hessische Nachwuchs einen starken Auftakt. Nach einigen Rückschlägen ließ Stabhochspringerin Juliane Schulze (SSC Bad Sooden-Allendorf) kurz vor der Abreise nach Nanjing einen Aufwärtstrend erkennen und belohnte sich in dem wegen Regens abgebrochenen Wettkampfs mit der Goldmedaille. Die mit den zweitbesten Vorleistungen aller Teilnehmer angetretenen Konstantin Steinfurth (LG Eppstein-Hornau/TSG Eppstein), Isabell Weitzel (ESV Jahn Treysa/beide Hammerwurf) und Sprinterin Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen/100 Meter) holten ebenso Silber wie Weitspringer Matthis-Leon Wilhelm (TSV Frankenberg), der erst im letzten Durchgang abgefangen wurde.

Mit Bronzemedaillen ausgezeichnet wurden Sabbona Abdulkadir (LG Eder), Sarah Kistner (MTV Kronberg/beide 3.000 Meter) sowie der Hochspringer Robin Bastian Katzer (TV Herborn).

Juliane Schulze hat Gold im Stabhochsprung gewonnen – und das, obwohl der Wettkampf eigentlich noch gar nicht zu Ende war. Die 3,70 Meter hatte neben der Hessin nur Tamara Schaßberger von der LG Neckar-Enz gemeistert, ebenfalls im ersten Versuch. Alle anderen Kontrahentinnen beendeten den Wettkampf auch wegen der schwierigen Wetterverhältnisse früher als erwartet, was besonders für Luisa Schaar (TSV Bayer Leverkusen) galt, die nicht an ihre Vorleistung von 3,90 Metern herankam und mit gemeisterten 3,60 Metern Dritte wurde. Just in den Moment, nachdem Schulze und Schaßberger die 3,70 Meter überflogen hatten, kam erst der Platzregen, gefolgt von einer 45minütige Unterbrechung. Danach war die Anlage mit Wasserpfützen übersät. Nachdem sich die 3,70 Meter für alle Mitstreiterinnen von Schaßberger und Schulze als zu hoch erwiesen hatte, wurde entschieden, den Wettkampf endgültig abzubrechen. Mit dem Ergebnis, dass das obere Siegerpodest gleich von zwei Springerinnen besetzt wurde. Tamara Schaßberger uind Juliane Schulze hatten für die Höhen ab 3,50 Metern jeweils nur einen Anlauf benötigt. Dazu meinte Juliane Schulze: "Die Höhe ist natürlich nicht so gut. Aber eigentlich wollte ich hier vor allem nochmal einen Wettkampf machen vor Nanjing." Heißt übersetzt: Sie wollte Selbstvertrauen tanken und wieder etwas Sicherheit gewinnen. Die war Schulze nach ihrer erfolgreichen Qualifikation für die Olympischen Jugendspiele Anfang Juni abhanden gekommen. Erst produzierte sie bei den Hessischen Meisterschaften in Wetzlar einen "Salto Nullo". Bei den Süddeutschen U18- und Hessischen Jugendmeisterschaften kam sie nicht über 3,50 Meter hinaus. Den Schwung des zweiten deutschen Jugendmeistertitels nach dem in der Halle in Sindelfingen sollte der Schützling von Trainer Thomas Weise mit auf ihre Reise nach China nehmen. Am 12. August gehen die 2. Olympischen Jugendspiele los.


Regen im Wattenscheider Lohrheidestadion

Auch der Hammerwurf der weiblichen Jugend U18 wurde vom Regen beeinträchtigt. Das aber machte Isabell Weitzel vom ESV Jahn Treysa nichts aus. Sie hatte bereits in ihrem ersten Versuch, als es noch schwül und trocken war, den 3-Kilo-Hammer auf 54,10 Meter hinausgeschleudert und einigen ihrer Kontrahentinnen "bereits den Zahn gezogen", meinte Weitzels Trainer Helmut Schneider. Einzig die große Favoritin Michelle Döpke (Leichlinger Turnverein) zeigte sich unbeeindruckt und siegte mit 62,09 Metern souverän. Es war die viertbeste Weite ihrer Karriere. Der weiteste Wurf gelang ihr mit 62,98 Metern auf ihrer Heimatanlage in Leichlingen.

Auch Isabell Weitzel hat in dieser Saison schon weiter geworfen als in Wattenscheid. So ragen ihre 56,90 Meter bei den Süddeutschen U18-Meisterschaften in Regensburg heraus. Aber auf dem Nebenplatz des Lohrheidestadions stand die Weite nicht in Vordergrund. Bei Meisterschaften zählen Platzierungen. Die 54,10 Meter aus dem ersten Versuch gaben der 17-Jährigen die Stabilität, die ihr in den Wochen nach den Hessischen Jugendmeisterschaften etwas abhanden gekommen war. Rechtzeitig zur DM kehrte die technische Sicherheit zurück. Isabell Weitzel beließ es bei drei statt vier Drehungen. Ein Wurf um 53 Meter im letzten Training ließ den Aufwärtstrend erahnen. Und im Regen und im Gefühl der sicheren Silbermedaille erzielte sie ihre Tagesbestweite im sechsten Durchgang von 55,00 Metern. "Das war nicht ganz optimal, aber ich habe bereits beim Abwurf gemerkt, dass ich den Wurf gut getroffen habe." Selbst der Regen schränkte sie in ihrem Tatendrang nicht ein. Ganz im Gegenteil. "Ein bisschen Regen war sogar gut für den stumpfen Ring. Dann kann man schneller drehen." Auch als die Niederschläge stärker wurden, ließ sich Isabell Weitzel nicht aus der Ruhe bringen. "Einigen mag der Regen Angst machen. Mir nicht. Ich weiß, dass ich technisch nichts verändern muss." Gute Wettkampferinnerungen im Regen hat sie auch. So warf sie bei den Halleschen Werfertagen trotz Nässe Bestleistung.


Silber im Hammerwurf: Konstantin Steinfurth

Bis zum letzten Durchgang auf Titelkurs mit dem Hammer befand sich Konstantin Steinfurth. Mit 63,36 Meter aus dem zweiten Versuch setzte er sich an die Spitze. Die Führung baute er in seinem dritten Versuch noch aus (64,42). Der Jahresbeste Dominik Maaß (66,42) vom LAV Neustadt aus Bayern lag nach den ersten drei Durchgängen nur auf dem dritten Rang (61,80). Erst mit seinem fünften Wurf verkürzte Maaß den Rückstand und war nach 63,27 Metern Zweiter. Auf den Geschmack gekommen, ließ der Bayer den Hammer in seinem letzten Wurf auf 64,83 Meter fliegen – Führungswechsel. Konstantin Steinfurth war erst einmal geschockt. "Ich habe gespürt, wie mein Puls angestiegen ist. Das musste ich erst einmal verarbeiten. Mich wieder ganz auf mich zu konzentrieren war schwierig." Es war eine neue Erfahrung, dass Dominik Maaß, den er aufgrund seiner Fairness sehr schätzt, im letzten Versuch an ihm vorbeizieht. "Bei den Winterwurfmeisterschaften hat er mich im fünften Durchgang überholt." Noch aber hatte Konstantin Steinfurth die Möglichkeit im allerletzten Wurf des Wettbewerbs zu kontern.

Die Drehungen, die Technik, die Geschwindigkeit – bis zum Abwurf stimmte alles. Dann aber konnte er die linke Hand nicht richtig vom Wurfgerät lösen, der Hammer blieb etwas hängen und landete außerhalb des Sektors. Ungültig. Ohne dieses Malheur wäre eine Weite um 63 oder 64 Meter möglich gewesen. So musste sich Konstantin Steinfurth mit Silber zufriedengeben. "Im letzten Durchgang abgefangen zu werden ist etwas ärgerlich. Aber mit den Weiten konnte ich zufrieden sein, zumal ich beim Abwurf nie optimal in die Streckung gekommen bin." Woran es gelegen hat, konnte er noch nicht sagen. "Vielleicht habe ich in den letzten Einheiten zu oft mit dem 6-Kilo-Hammer geworfen. Danach kamen mir die fünf Kilo sehr leicht vor und ich habe mich wohl zu schnell gedreht." Alles in allem würde sich Konstantin Steinfurth für den Wettkampf die Schulnote "3+" geben. "Die Weite war in Ordnung. Die Serie relativ konstant. Nur beim Abwurf hat es heute gehapert." Jetzt geht es erst einmal für eine Woche zum Entspannen an die Nordsee. Er hofft, dass die Pause seinem lädierten knie zugutekommt. "Wahrscheinlich wollte ich in letzter Zeit im Krafttraining einfach zu viel." Wenn das Knie nach dem Urlaub bei Belastungen wieder gereizt reagieren sollte, wird Konstantin Steinfurth ärztliche Hilfe aufsuchen.


100 Meter-Siegerehrung mit Lisa Mayer (2. v.l.) und Siegerin Gina Lückenkemper (4. v.l.)

Einen nicht ganz so glücklichen Eindruck machte Weitspringer Matthis-Leon Wilhelm. Dabei hatte auch der Frankenberger im U18-Wettbewerb die Silbermedaille um den Hals hängen. Mit 7,37 Metern angereist, hatte er in den ersten vier Versuchen massive Anlaufprobleme. "Ich habe kein einziges Mal das Brett getroffen und immer mindestens 20 Zentimeter verschenkt. Das war zermürbend", so der Schützling von Trainer Heinz Vollmar. Im Zwischenklassement rangierte er mit 6,94 Metern hinter dem Mehrkämpfer und Mitfavoriten Manuel Eitel (SSV Ulm; 7,07) auf Rang zwei. Dann aber nahte Hilfe für den Hessen in Person von Markus Oerter (HLV-Trainer Landeskader Weit- und Dreisprung) und DLV-Trainerin Elke Bartschat (Weitsprung Männer, C-Kader). Im Verbund mit Heimtrainer Heinz Vollmar motivierten sie den Frankenberger bei seinem Anlauf "voll durchzuziehen". Davor sei er nicht wie sonst "auf Geschwindigkeit gekommen", gab Wilhelm zu. Vor allem die Unterstützung von Elke Bartschat gab ihm einen Schub. "Sie hat mir gesagt, dass ich effektiv am weitesten von allen springe, nur eben zu weit vor dem Brett abspringe." Prompt traf er den "Balken" im fünften Versuch und ging mit 7,11 Metern in Führung. Ganz zufrieden war Matthis-Leon Wilhelm trotzdem nicht. "Der Sprung hat sich nicht wie ein 7,30 Meter-Sprung angefühlt." Von dieser Kategorie hat er in dieser Saison bereits zwei Sprünge in seiner Statistik stehen. Neben dem Siegessprung auf 7,37 Meter bei den Süddeutschen Meisterschaften noch 7,32 Meter bei einem Sportfest in Herborn. Im sechsten Durchgang in Wattenscheid gelang dem Nordhessen ein weiterer 7-Meter-Sprung (7,02). Danach konnte er nur noch warten und hoffen. Hoffen darauf, dass ihn Manuel Eitel im letzten Sprung der Konkurrenz nicht mehr übertreffen würde. Vergebens. Bereits nach der Landung war klar, dass Eitels Satz weit hinausging. Gültig war er auch noch und dann war es offiziell: Mit 7,37 Meter sprang der Ulmer nicht nur zu Gold, sondern auch zu einer neuen Bestleistung. In der U18-Jahresbestenliste schloss der Ulmer zu Matthis-Leon Wilhelm auf. In Wattenscheid war aber nur für Manuel Eitel Platz auf dem obersten Podest. Matthis-Leon Wilhelm fasste den Wettkamp so zusammen. "Es war ein Auf und Ab. Aber insgesamt kann ich mit der Saison zufrieden sein." Seine Freiluft-Bestleistung aus dem letzten Jahr lag bei 6,98 Meter. In der Halle steigerte er sich auf 7,23 Meter und verpasste die Qualifikation für den Europäischen Vorentscheid für die Olympischen Jugendspiele nur um sieben Zentimeter. In dieser Saison folgen noch ein paar kleine Wettkämpfe, wahrscheinlich im Hochsprung (Bestleistungen: 1,92/Freiluft, 1,96/Halle) oder über 100 oder 200 Meter.


Silber im Weitsprung: Matthis-Leon Wilhelm

Wie erwartet setzte sich der Jahresschnellste Lukas Eisele (LAZ Filder) über 3.000 Meter durch. Erst auf den letzten 500 Metern zog er das Tempo an und dank einer Schlussrunde in 59 Sekunden lief er in 8:46,93 Minuten ganz souverän zu Gold. Lange Zeit an Position zwei hielt sich Sabbona Abdulkadir von der LG Eder. In der Schlussrunde aber kamen seine Verfolger immer näher. Auf der Zielgeraden war es dann passiert. Dan Bürger von der LG Lüneburg Stadt und Land überholte den Hessen. Kampflos wollte sich der Schützling von Trainer Knut Holzapfel aber nicht mit Bronze abfinden. Er kam noch einmal auf, kämpfte, konnte in 8:49,24 Minuten den Niedersachsen (8:49,10) aber nicht mehr ganz abfangen.

Im Schatten des Perforce-Ritts von Alina Reh liefen auch drei Hessinnen zu neuen Bestzeiten über 3.000 Meter in der U18. Allen voran Sarah Kistner vom MTV Kronberg, die in 9:51,41 Minuten als Dritte aufs Podest lief und den Silberrang, der von Josefine Meyer-Ranke (LG Nordheide/9:50,42) eingenommen wurde, nur knapp verpasste. Bereits bei den Hessischen Langstreckenmeisterschaften im Mai hatte die Kronbergerin eine Zeit von unter 10 Minuten nur knapp verpasst (10:01,69). Anfang Juli in Pfungstadt holte sie das in 9:55,31 Minuten nach. Als Achte verbesserte sich Lisa Tertsch vom ASC Darmstadt auf 10:11,60 Minuten (davor 10:17,94). Ein noch größerer Sprung gelang Antonia Schermuly vom LC Mengerskirchen. Angetreten mit einer Zeit von 10:34,51 Minuten, mit der sie sich auf Rang 17 der Meldeliste wiederfand, steigerte sie sich als Elfte auf 10:20,79 Minuten.

Angetreten als viertbester Hochspringer mit einer Leistung 2,00 Metern (gesprungen in Wehrheim und in Sinn) gelang Robin Bastian Katzer vom TV Herborn mit gemeisterten 1,98 Meter der Sprung auf das Treppchen. Nach seiner im ersten Versuch übersprungenen Anfangshöhe von 1,85 Meter brauchte der Schützling von Trainer Holger Keßler für 1,90 und 1,94 jeweils zwei Versuche. Entscheidend für Bronze war, dass sich Katzer bei 1,98 Meter schadlos hielt, während sein höhengleicher Kontrahent Alexander Haidu (TG Nürtingen) zweimal anlaufen musste und deshalb Vierter wurde.

Weitere Top Acht-Platzierungen verzeichneten Hammerwerferin Katharina Zeisler (LG Seligenstadt/52,38 Meter) als Vierte in der U18, der 100 Meter-Sprinter Nils Keßler (TV Herborn/10,81/10,68 im Zwischenlauf) als Fünfter in der U20, seine Disziplinkollegin Lea Seyffert (LSG Goldener Grund Selters/Ts.) als Siebte über 100 Meter in der der U20 (12,17/12,08 im Zwischenlauf) sowie Jessica Suschlik (TV Reisen) ebenfalls als Siebte über 100 Meter Hürden in der U18 (14,13).

Zu den Ergebnissen

Zum 2. Tag

Zum 3. Tag


Tammo Lotz

 


09.08.2014