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Olympische Jugendspiele: Allzeit gut beschirmt


Eileen Demes ist in Nanjing am Start (Foto: Benjamin Heller)

Es ist ein Großereignis, das der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist - die Olympischen Jugendspiele in Nanjing (China), die am Samstag, 16. August, beginnen und am 28. August enden. Dabei sind die Zahlen beeindruckend: Am Start sind etwa 3.600 Sportlerinnen und Sportler in 28 Sportarten und 222 Wettbewerben, nominiert haben mehr als 200 Nationale Olympische Komitees. Die deutsche Jugend-Olympiamannschaft umfasst 83 Teilnehmer, und eine von ihnen ist Eileen Demes vom TV Neu-Isenburg. Leichtathletin, 16 Jahre alt, 400-Meter-Hürdenläuferin. Seit vielen Monaten, genauer seit knapp einem Jahr, hat die Gymnasiastin dem großen sportlichen Ziel Nanjing vieles, beinahe alles untergeordnet und den Start gemeinsam mit ihrem Trainer Robert Schieferer äußerst akribisch vorbereitet. „Es soll schließlich nicht an Kleinigkeiten scheitern“, sagt Schieferer. Die Jugendspiele der Fünfzehn- bis Achtzehnjährigen in der Fünfeinhalb-Millionen-Metropole im Osten von China ist zugleich der Startschuss für ein ambitioniertes Projekt des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): Der Online-Sportsender splink.tv wird unter dem Namen Sportdeutschland.TV (www.sportdeutschland.tv) neu aufgestellt und feiert mit der Übertragung aus China seine Premiere.

„Wir nehmen den vielfachen Ruf nach mehr Breite und Abwechslung in der Sportberichterstattung auf“, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Die Übertragung beginnt mit der Eröffnungsfeier am Samstag um 14 Uhr (MESZ). Dann ist es in China 20 Uhr Ortszeit. Für Eileen Demes sind die Olympischen Jugendspiele die dritte internationale Großveranstaltung binnen eines Jahres. Vor zwölf Monaten war sie Vierte der U18-Weltmeisterschaften in Donetsk (Ukraine) in 58,92 Sekunden, Anfang Juni qualifizierte sich die junge Hessin als Siegerin der Youth Olympic Trials in Baku (Aserbaidschan) für Nanjing. Ihre Zeit vor zehn Wochen: 58,93 Sekunden. Nur eine Zwischenstation, so merkwürdig dies klingen mag, war unlängst der Gewinn der deutschen U18-Meisterschaft in 59,89 Sekunden. Eileen Demes ist mit der drittbesten Vorleistung nach China geflogen, schneller waren bislang nur die Italienerin Ilaria Verderio (58,53) und Michaela Peskova (Slowakei/58,70). Ihr Traum von einer Medaille ist deshalb durchaus realistisch. „Ich hoffe auf richtige Konkurrenz und eine neue Bestzeit.“

Neben Feintuning im Trainings- und Wettkampfaufbau musste das Duo Demes/Schieferer einige Nebengeräusche in Betracht ziehen und entsprechende Fragen beantworten. Wie sind die klimatischen Bedingungen in Nanjing? Wie ist eine Kontaktaufnahme zwischen Deutschland und China möglich? Was sollte vor Ort nicht gegessen werden? Nach und nach suchte Schieferer nach Antworten. Nur ein kurzes Störmanöver war dabei die Mitteilung der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada), in der vor mit Clenbuterol belasteten Nahrungsmitteln in Mexiko und China gewarnt wurde. Der Wirkstoff gegen Asthma, in der Leichtathletik zuerst bekannt geworden durch den Dopingfall Katrin Krabbe 1992, wird in China offensichtlich missbräuchlich als Wachstumsbeschleuniger in der Viehzucht eingesetzt. Mittlerweile liegt eine leichte Entwarnung vor. „Im olympischen Dorf soll ausschließlich Fleisch aus kontrolliertem Anbau verwendet werden. Die Chinesen wollen sich als perfekte Gastgeber präsentieren“, sagt Schieferer.

Und dennoch, es bleiben Einschränkungen. Eileen Demes soll ausschließlich gekochte Speisen zu sich nehmen, aus hygienischen Gründen keinen Salat und keine Rohkost, zudem bei Einkäufen in der Stadt nur Wasser in eingeschweißten Flaschen erwerben und schon gar kein kühles Nass aus dem Hahn verwenden. Was im Übrigen auch für das Zähneputzen gilt. Das „Drehbuch für die Abläufe vor Ort“ (Schieferer) ist geschrieben, und auch der erste Handy-Kontakt mittels der aus Deutschland importierten Sim-Karte war erfolgreich. Schieferer: „Sie klang so nahe, als wäre ich vor Ort.“ Die Betten seien etwas hart, berichtete Eileen Demes. Und das Essen, naja, wie erwartet nicht ganz so toll. Als Begrüßungspräsent gab es übrigens einen Regenschirm. Positiv betrachtet könnte man sagen: Allzeit gut beschirmt.

Uwe Martin

 


15.08.2014