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Zickenkrieg der starken Frauen


Kathrin Klaas (Foto: Benjamin Heller)

Betty Heidler stand in den Stadionkatakomben von Zürich ein paar Meter hinter Kathrin Klaas. Die Weltrekordlerin von der LG Eintracht Frankfurt stellte sich nicht zu ihrer Vereinskollegin und langjährigen Trainingspartnerin, wie es sonst üblich ist, wenn die Athleten nach dem Wettkampf von den Journalisten befragt werden. Auf die Frage nach ihrem Verhältnis zu Heidler sagte denn auch Klaas: „Sie nimmt mich nicht wahr, schon seit zwei Jahren nicht.“ Da war die deutsche Meisterin gerade Vierte der Leichtathletik-EM geworden, einen Platz vor ihrer großen Rivalin. Seit dem Freitagabend ist die Hackordnung bei den deutschen Hammerwerferinnen auf den Kopf gestellt. Und den Begriff Clubkameradinnen kann man bei diesem Duo getrost streichen.

Jahrelang trainierten die beiden zusammen unter der Regie von Bundestrainer Michael Deyhle in Frankfurt. Jahrelang besiegte die gebürtige Berlinerin Heidler die gebürtige Hessin Klaas ohne Mühe, wurde 2007 in Osaka Weltmeisterin, 2009 und 2011 WM-Zweite, 2010 Europameisterin und 2012 Olympia-Dritte. Klaas warf in der Weltklasse mit, hat aber bis heute nie eine Medaille gewonnen: Im Letzigrund-Stadion von Zürich lag die Polizistin am Freitagabend bis zum letzten Durchgang mit 72,67 Metern auf dem Bronze-Rang, ehe die Polin Joanna Fiodorow mit 73,67 noch an ihr vorbeizog. Vierte wie vor zwei Jahren in Helsinki - Klaas trug es mit Fassung und tröstete sich mit einem vielsagenden Satz: „Ich bin die beste Deutsche, damit hat vorher auch keiner gerechnet.“


Betty Heidler (Foto: Benjamin Heller)

Betty Heidler, die seit 2011 mit 79,42 Metern den Weltrekord hält, enttäuschte hingegen - wie schon öfter in dieser Saison. 72,39 Meter und Rang fünf. Die neue und alte Europameisterin Anita Wlodarczyk aus Polen warf den Hammer auf 78,76 Meter und ließ Heidler gar um den Bestand ihres Weltrekords fürchten. Ob sich die Rangordnung zwischen ihr und Klaas endgültig verändert hat, wurde Heidler nach dem Wettkampf gefragt. „Das ist mir ziemlich scheißegal. Viele machen ein Thema darum, ich nicht“, entgegnete diese genervt.

In Zürich bezwang Klaas Heidler nun schon zum vierten Mal in diesem Jahr. Bereits bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm hatte die Hessin verhindert, dass Heidler ihren zehnten Titel hintereinander gewann. Dass Heidler ihr zum nationalen Titel nicht gratuliert habe, bestätigte die EM-Vierte am Freitagabend erneut: „Das wird auch nicht passieren.“

Quelle: hr-online.de

 


18.08.2014