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Eine große Geste, die in Erinnerung bleibt


Claudia Rath (Foto: Benjamin Heller)

Ohne Medaillen, aber nicht ohne Applaus kehrten die neun hessischen Athletinnen und Athleten von der Europameisterschaft in Zürich zurück. Den meisten heimste die Siebenkämpferin Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) für ihren vierten Platz und ihre persönliche Bestleistung von 6.395 Punkten ein. Großen Verdienst daran hatte ihre Trainingskollegin und gute Freundin Claudia Rath.


Claudia Rath hatte schon bessere Wettkämpfe gezeigt als den im Letzigrund-Stadion. Der erste Tag im Siebenkampf verlief durchwachsen mit 13,54 Sekunden über die 100 Meter Hürden, passablen 1,79 Meter im Hochsprung, ordentlichen 12,88 Meter im Kugelstoßen und 24,43 Sekunden über 200 Meter. Das kann Claudia Rath aus Langendernbach – sie startet wie Carolin Schäfer für die LG Eintracht Frankfurt – alles besser. "Ich komme überhaupt nicht in den Wettkampf", kommentierte sie zu später Stunde im verregneten Letzigrund-Stadion in Zürich – einer der Kultstätte der Leichtathletik schlechthin.

Der Weitsprung, ihre Paradedisziplin, sollte am nächsten Vormittag endlich zur Sternstunde werden. Wurde es aber nicht: Mit 6,32 Metern lag Claudia Rath ganze 34 Zentimeter unter ihrer persönlichen Bestleistung. Ihre Teamgefährtin Carolin Schäfer führte zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend die Gesamtwertung an. Ausgerechnet beim Speerwerfen, das die 28-Jährige eigentlich so gar nicht mag, platzte der Knoten. Mit 43,45 Metern verbesserte sie ihre Bestleistung um nicht weniger als 3,15 Meter. Endlich sah man Claudia Rath auch einmal lächeln.

Vor der letzten Disziplin, dem 800 Meter-Lauf, hielten Claudia Rath, Carolin Schäfer und ihr Trainer Jürgen Sammert Rat. Claudia Rath, eine überragende 800 Meter-Läuferin (Bestzeit 2:06,43 Minuten), sollte sich in den Dienst Carolin Schäfers stellen, diese zu einer neuen Bestzeit ziehen und somit die Minimalchance auf eine Medaille nutzen. Das tat Claudia Rath bravourös. Sie hätte den Lauf wahrscheinlich gewonnen, drosselte aber ihr eigenes Tempo, verhalf Carolin Schäfer zu einer neuen Bestmarke (2:17,39) und lief in einer für sie indiskutablen Zeit (2:16,43) ins Ziel. Für eine Medaille reichte es bei Carolin Schäfer dennoch nicht.

"Ich bin Claudia unendlich dankbar", sagte Carolin Schäfer später. "Das war so eine große Geste von Claudia, das werde ich ihr nie vergessen." Claudia Rath sah das ganz locker: "Ich hätte mich höchstens um einen Platz in der Gesamtwertung verbessern können, und das auch nur, wenn ich sehr schnell gewesen wäre."

Claudia Raths Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft - es war der hessische Moment schlechthin bei den Europameisterschaften in Zürich.


Quelle: Frankfurter Neue Presse, 18. August 2014.

 


21.08.2014