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Generation Zehnkampf


Max Wannemacher beim Thorpe Cup in Marburg (Foto: Schaake)

Hinter den beiden Frankfurter Top-Zehnkämpfern liegt ein desaströses Jahr. Pascal Behrenbruch ist sportlich tief gefallen, vom Europameister 2012 auf zuletzt 8.055 Punkte, was nicht einmal reichte, um sich für die EM in Zürich zu qualifizieren. Jan Felix Knobel brach die Saison bereits im Frühjahr ab, nachdem sich beide Achillessehnen hartnäckig entzündet hatten. Mittlerweile ist der 8.288-Punkte-Mann wieder aktiv - mit Aqua-Jogging, Athletiktraining und auf dem Ergometer. Betreut von Reha-Coach Ralph Färber am Olympiastützpunkt Hessen in Frankfurt. Doch was kommt hinter Behrenbruch und Knobel, bei den Aktiven und im Nachwuchsbereich? Die Antwort ist für den hessischen Mehrkampf-Landestrainer Philipp Schlesinger recht einfach: durchaus Erstaunliches. Denn im zurückliegenden Sommer haben sich einige Zehnkämpfer hervorragend entwickelt.

So hat sich von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt Max Wannemacher (LG Eintracht Frankfurt) Ende Juli beim Thorpe Cup in Marburg auf 7.574 Punkte verbessert. Womit er seinen persönlichen Rekord aus dem Jahr 2012 (6.935) um sensationelle 639 Punkte steigerte. Hinter Wannemacher liegt eine Verletzung, die seinen Coach Schlesinger vor fünfzehn Monaten im ersten Moment ziemlich sprachlos zurückgelassen hat. Wannemacher hatte sich beim Speerwurftraining, genauer beim lockeren Zurückgehen in Richtung Abwurf, die im Rasen steckende Lanze beinahe komplett durch den Ellbogen gebohrt. Eine Unachtsamkeit mit weitreichenden Folgen: Der heute 23-Jährige musste operiert werden, absolvierte zwei Wochen später dennoch das Meeting in Bernhausen, warf den Speer mit seinem einzigen Versuch auf 49,04 Meter und verzichtete nur auf den Stabhochsprung. Deshalb standen 2013 nur 6.259 Punkte in den Bestenlisten. „Der Ellbogen schmerzt Max immer noch“, sagt Schlesinger. Aber das Comeback ist längst gelungen.


Dennis Hutterer (Foto: Heller)

Talente, Talente, Talente lautet das Motto in der Nachwuchsklasse U20. „In dieser Altersklasse haben wir eine unglaubliche Ballung an Qualität“, sagt Schlesinger. Fabian Christ, Trainings- und Vereinspartner von Behrenbruch, war bei der U20-WM in Eugene auf dem Weg in Richtung 7.750 Punkte, als ihn eine Ellbogenverletzung beim Speerwerfen abrupt stoppte. Mit 7.574 Punkten ist der Aufsteiger 2014 dennoch die Nummer zwei in Deutschland. Nächstes Jahr in der Juniorenklasse sind die Kugel und der Diskus aber schwerer, Schlesinger ist deshalb zurückhaltend mit einer Prognose, sagt nur: „Fabian ist unglaublich sprint- und sprungveranlagt. Er sollte sein hohes Niveau halten.“ Dass ein 19-jähriger Zehnkämpfer, wie Christ in Eugene, die 400 Meter in 47,67 Sekunden absolviert, ist in der nationalen Historie ziemlich einmalig.

Und dann gibt es noch Dennis Hutterer (ASC Darmstadt), der sich nach einem extremen Wachstumsschub auf 7.388 Punkte verbesserte und bei der U20-DM Zweiter wurde. Hutterer gehört wie Daniel Sturma (LG Eintracht Frankfurt/7.345 Punkte) dem jüngeren Jahrgang 1996 an, ist also auch 2015 noch in der Jugendklasse startberechtigt. Christ, Hutterer, Sturma - drei große Hoffnungen, drei verschiedene Betreuer. Christ wird von seinem Vater trainiert, Hutterer von Stephen Wirth, Sturma von Jörg Huppers. Und es stellt sich natürlich die Frage, wann der nächste Hesse die 8.000-Punkte-Marke durchbricht. „Oh“, antwortet der Landestrainer. „Bitte erwarten sie darauf von mir keine Antwort.


Steffen Klink (Foto: IRIS)

Schlesinger hat bis Januar versucht, mit Steffen Klink (TSV Kirberg) den jahrelang hoffnungsvollsten hessischen Nachwuchs-Zehnkämpfer in genau diese Region zu bringen. Mittlerweile wird der Student von Jürgen Sammert trainiert. Vor fünf Jahren war Klink Dritter der U18-WM, 2011Sechster der U20-EM, registriert wurden 7.749 Punkte. Der 8.000er-Gipfel schien zum Greifen nahe, dann reihte sich Verletzung an Verletzung. Klink wurde am Sprungfuß operiert, seine Oberschenkelmuskulatur war beinahe permanent lädiert, das letzte Zehnkampf-Ergebnis sind 7.123 Punkte (Mai 2013). Einst träumte Klink von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, derzeit würde ihm eine gute Antwort auf die Frage „Wie geht es weiter?“ schon reichen.

Der Zehnkampf ist und bleibt eine Wundertüte. Mal schießt ein Talent wie Sturma „durch die Decke“ (Schlesinger), mal gibt es Abstürze wie bei Behrenbruch, mal dramatische Verletzungssorgen wie bei Knobel und Klink. Was weitergedacht zur Folge hat, dass nicht unbedingt das größte Talent den Sprung nach ganz oben schafft.

Uwe Martin

 


03.09.2014