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Sanhaji und Schenk sichern sich Marathon-Titel – Nina Stöcker schnellste Hessin


Jamal Sanhaji (Foto: Schaake)

Der Marokkaner Jamal Sanhaji von den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg und Karin Schenk im Trikot von Spiridon Frankfurt heißen die neuen Hessischen Meister im Marathonlauf. Der Marburger, der seit knapp vier Jahren in Deutschland lebt, verbesserte sich beim 33. BMW Frankfurt Marathon gegenüber seinem dritten Platz im Vorjahr um knapp vier Minuten auf 2:29:21 Stunden und siegte bei nahezu optimalen Bedingungen (13 Grad, bedeckter Himmel, kaum Wind) ungefährdet vor Karsten Fischer (SSC Hanau-Rodenbach/2:37:18) und Henrik Apel (ASC Marathon Friedberg/2:38:14).


Spannender verlief das Frauenrennen. Als Nachfolgerin ihrer Vereinskameradin Tinka Uphoff lief Karin Schenk in 2:57:59 Stunden als Erste ins Ziel. Damit gewann die Rechtsanwältin aus Mainz die Sonderwertung "Marathon Manager" (hlv.de berichtet) und nimmt als Belohnung im nächsten Jahr am Mauritius-Marathon teil. Mit nur fünf Sekunden Rückstand sicherte sich Astrid Staubach von der LG Vogelsberg in 2:58:04 Stunden Silber. Beide Läuferinnen gehören der Altersklasse W40 an. Den dritten Rang belegte Sigrid Grygosch (Software AG Team DSW Darmstadt/3:03:15).

Die schnellste Hessin aber war eine andere. Nina Stöcker von der LG Eintracht Frankfurt trotzte im Vorfeld ihres dritten Marathons erheblichen gesundheitlichen Problemen und lief nach 2:40:25 Stunden über den roten Teppich in der Frankfurter Festhalle ins Ziel, hatte aber nicht für die Landesmeisterschaften gemeldet. Mit dieser Zeit belegte die 22-Jährige, die von der Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig betreut wird, im Gesamtfeld den 14. Rang. Ihre Bestzeit hatte die gebürtige Erndtebrückerin bei ihrem Debüt vor einem Jahr in Berlin (2:37:46) aufgestellt.

Die Akzente in der Anfangsphase aus hessischer Sicht setzte Titelverteidiger Oliver Hoffmann vom TSV Kirchhain. Bei fünf Kilometern ging er in 16:31 Minuten durch. Nach zehn Kilometern flossen 33:37 Minuten in die Statistik ein. Er lag zu diesem Zeitpunkt auf Kurs einer Endzeit von 2:21:48 Stunden, was einer deutlichen Bestzeit gleichgekommen wäre. Seine bis heute schnellstes Rennen hatte Oliver Hoffmann vor zwei Jahren in München mit 2:23:59 Stunden abgeschlossen. Doch kurz nach der 15 Kilometer-Marke, die Hoffmann in 50:28 Minuten passierte, holten ihn die letzten drei alles andere als optimal verlaufenen Trainingswochen ein.


Oliver Hoffmann (links; Foto: Schaake)

Während seines sechswöchigen Trainingslagers im kenianischen Hochland im Camp des deutschen Trainers Dieter Hogen hatte sich Hoffmann eine Oberschenkelverletzung zugezogen. Es folgte viel Alternativtraining auf dem Rad und dem Crosstrainer. Erst sechs Tage vor dem Frankfurter Rennen schnürte er wieder die Laufschuhe. Zu wenig Zeit, um seine Beinmuskulatur wieder ausreichend an die Laufbelastungen zu gewöhnen. "Dann war es besser nach 17 Kilometern auszusteigen." Zumal er in vier Wochen bei einem Marathon in China als Tempomacher laufen wird. Und diesen lohnenswerten Einsatz wollte Oliver Hoffmann nicht gefährden.

Etwas konservativer, aber für seine Verhältnisse immer noch risikofreudig gestaltete Jamal Sanhaji sein Rennen. 16:56 Minuten (5 Kilometer), 34:05 Minuten (10 Kilometer), 50:55 Minuten (15 Kilometer) und 1:11:56 Stunden (Halbmarathon) lauteten seine Zwischenzeiten. Es lief auf eine Endzeit von knapp unter 2:24 Stunden hinaus. Doch Sanhajis Trainingsprotokoll relativierte diese Prognose. Es fehlten die marathonspezifischen langen Dauerläufe. Einheiten über 90 Minuten bis zwei Stunden reichen dafür nicht aus. Sein längster Dauerlauf ging über 31 Kilometer. Dazu kam ein unverschuldeter Fauxpas bei den Hessischen Halbmarathon-Meisterschaften zwei Wochen vor Frankfurt, als Jamal Sanhaji von Streckenposten viel zu früh in Richtung Ziel geleitet wurde. Alternativ lief er eine Woche vor Frankfurt einen Halbmarathon im Fahrtspiel-Rhythmus und Belastungen von 10 x drei Minuten inklusive längerem Ein- und Auslaufen. Knapp 30 Kilometer trug der Marokkaner ins Trainingstagebuch ein. Mehr war auch aufgrund der Belastungen, die das Arbeiten in einer Molkerei mit sich bringt, nicht möglich.

Da er auf der zweiten Streckenhälfte sowieso Zeit verlieren würde, sprach sich sein Trainer Helmut Schaake für eine offensive Taktik aus. Und wie prophezeit konnte Jamal Sanhaji das Anfangstempo nicht halten. Lief er die ersten 5 Kilometer-Abschnitte knapp unter 17 Minuten, ließ er ab Kilometer 25 kontinuierlich nach (17:42 Minuten, 18:23, 19:08). Trotzdem war Sanhaji überzeugt, dass er mit dieser Herangehensweise ins Ziel kommen würde. Und mit seiner Einschätzung sollte er Recht behalten.

Hingegen trat Marco Schwab vom PSV Grün-Weiß Kassel ohne zählbares Ergebnis die Heimreise in den Schwalm-Eder-Kreis an. Oberschenkelprobleme hatten den 41-Jährigen, der eine Bestzeit von 2:25:49 Stunden aus dem Jahr 2011 aufweist, kurz nach Kilometer 30 zur Aufgabe gezwungen. Bis zur Halbzeit des Rennens hatte er Jamal Sanhaji nach Zwischenzeiten von 34:10 Minuten (10 Kilometer) und 1:12:43 Stunden stets in Sichtweite behalten. Kurz vor seinem Ausstieg betrug Schwabs Rückstand auf den Marburger jedoch schon über zwei Minuten.


Nina Stöcker (ganz links) mit Katharina Heinig, Nico Sonnenberg und Gesa-Felicitas Krause (v.l.n.r.; Foto: Dirk Wagner)

Bis vor einer Woche stand hinter dem Start von Nina Stöcker noch ein mehr oder weniger großes Fragezeichen. Aufgrund von Stoffwechselproblemen ist das Leistungsvermögen der 22-Jährigen starken Schwankungen unterworfen. "Heute ist es so und morgen so", verdeutlichte Katrin Dörre-Heinig und führte weiter aus, dass ihrem Schützling verschiedene "körpereigene Substanzen" fehlen. Die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchungen stehen noch aus.

In Frankfurt hatte Nina Stöcker einen recht guten Tag erwischt. Nach 18:17 Minuten an der Fünf-Kilometer-Marke und 36:59 Minuten nach 10 Kilometern war eine neue Bestzeit ebenso noch möglich wie nach 1:18:14 Stunden für den ersten Halbmarathon-Abschnitt. Dann ging Vereinskameradin und Trainingspartnerin Gesa-Felicitas Krause aus dem Rennen. Bis zu Kilometer 30 (1:52:12 Stunden) blieb EM-Teilnehmerin Katharina Heinig an Nina Stöckers Seite und signalisierte bereits, dass die 22-Jährige zu kämpfen habe. Jetzt war Nico Sonnenberg, Nina Stöckers dritter Pacemaker, als Motivator und Unterstützer gefragt. Er muss die richtigen Worte und Gesten gefunden haben, denn obwohl Nina Stöcker auf der zweiten Streckenhälfte (1:22:11 Stunden) knapp drei Minuten einbüßte, überholte sie im Endspurt noch die Norwegerin Marthe Katrine Myhre (2:40:29 Stunden) und distanzierte sie um vier Sekunden.

In Anbetracht der gesundheitlichen Schwierigkeiten sei die Leistung Nina Stöckers "unheimlich hoch einzuschätzen", so Katrin Dörre-Heinig. Dass sie das Rennen "durchgedrückt" habe, sei besonders für die Psyche wichtig gewesen. Darauf angesprochen, was man von einer gesunden Nina Stöcker in Zukunft erwarten könne, hielt sich Katrin Dörre-Heinig bedeckt. "Aber in Frankfurt hätte sie schon in den Bereich zwischen 2:35 und 2:36 laufen können."

Zu den Ergebnissen


Tammo Lotz

 


27.10.2014