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Jan Felix Knobel: Von Eintracht Frankfurt nach Königstein


Jan Felix Knobel (Foto: Benjamin Heller)

Der vor einem Jahr gegründete Königsteiner Leichtathletik Verein (KLV) hat einen prominenten Neuzugang: Zehnkämpfer Jan Felix Knobel wechselt von der LG Eintracht Frankfurt in den Taunus. Der 25-jährige Architekturstudent aus Friedrichsdorf hatte im Jahr 2008 die U20-WM gewonnen, seine Bestleistung von 8.288 Punkten erzielte Knobel drei Jahre später, 2011 wurde er auch WM-Achter. 2012 nahm der Hesse an den Olympischen Spielen teil. Auf die zurückliegende WM-Saison musste Knobel aufgrund von hartnäckigen Entzündungen an beiden Achillessehnen verzichten. Verbunden mit dem Neustart ist auch ein Wechsel zum hessischen Landestrainer Philipp Schlesinger. „In Königstein wurde in kürzester Zeit eine beeindruckende Struktur aufgebaut“, sagt Knobel. „Und dieser Konstellation fühle ich mich verbunden.“ Der Zehnkämpfer hat sich bei der Frankfurter Eintracht, für die er seit 2005 startberechtigt war, verabschiedet. „Die Abteilung hat mich immer gut unterstützt. Ich habe Ilse Bechthold und Wolfram Tröger viel zu verdanken.“ Die Planungen von Knobel in Königstein gehen über einen Zweijahreszeitraum, also bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

Der Vereinswechsel, sagt Knobel, sei der letzte Schritt in seinem neuen Gesamtpaket. „Für mich überwiegt der Gedanke an ein Umfeld, in dem ich mich wohlfühle.“ Nur so seien Topleistungen möglich. Der Königsteiner LV um die Sportliche Leiterin Judith Wagemans wirbt mit einem Konzept LA plus, das „Sportlern und Trainern ein sportwissenschaftliches und medizinisches Kompetenzteam zur Seite stellt“, wie es in einer Presseinformation heißt. Das Ärzteteam setzt sich zusammen aus Traumatologen, Radiologen, Internisten, Gynäkologen und Sportpsychologen. Zudem wird teilweise eine finanzielle Förderung gewährt, die sich in einer handelsüblichen Größenordnung bewegt.

Knobel hat bereits davon gehört, dass in der hessischen Leichtathletikszene bisweilen utopische Vorstellungen über die Finanzkraft seines neuen Klubs kursieren. Deshalb sagt er ganz offen: „Der KLV ist für mich keine finanzielle Verbesserung.“ Viel wichtiger für seine Entscheidung sei ein „stabiles Umfeld“ gewesen. Die Achillessehnen von Knobel sind wieder schmerzfrei, bis Mitte Februar 2015 möchte er bei „100 Prozent Belastbarkeit“ angelangt sein. „Alles ist darauf abgestimmt, dass die alten Probleme nicht wieder auftreten.“ Ein erster Härtetest in diesem Kontext ist das dreieinhalbwöchige Trainingslager in Südafrika, das am 13. November beginnt.


Maryse Luzolo (Foto: Iris Hensel)

Unmittelbar vor Knobel war bereits Melanie Zecha mit zwölf Mitgliedern ihrer Trainingsgruppe vom TSV Bonames nach Königstein gewechselt. „Ich freue mich darauf, mit einem Team ein Konzept pro Leistungssport zu entwickeln“, sagt die C-Trainerin. „Es ist ein Neuanfang für mich und den Verein.“ Der auch zur Folge hat, dass der TSV Bonames aus dem Verbund LG Eintracht Frankfurt austreten wird. Elena Kelety und Marshella Foreshaw (Mehrkampf) sowie Alina Kunz (Sprint) sind die bislang bekanntesten Namen in der Übungsgruppe von Melanie Zecha. Doch im Raum steht auch ein Trikottausch bei Maryse Luzolo. Die 19-jährige Weitspringerin wurde im Sommer Dritte der U20-WM und ist mit einer persönlichen Bestleistung von 6,47 Metern eines der hoffnungsvollsten deutschen Talente. Betreut wird sie vom hessischen Kadertrainer Markus Oerter (Technik) und von Melanie Zecha (allgemeine Kraft/Sprint).

In Frankfurt bleiben und sich der Eintracht anschließen oder nach Königstein wechseln? Maryse Luzolo hat sich noch nicht entschieden, dies wird wohl nächste Woche der Fall sein. „Es ist bei ihr eine emotionale Bauchentscheidung“, sagt Melanie Zecha. Weitsprung-Bundestrainer Ulrich Knapp sei als unabhängige Person eingebunden in den Entscheidungsprozess. Sollte sich die Weitspringerin pro KLV entscheiden, würde dies eine Zäsur für die Leichtathletik bei Eintracht Frankfurt bedeuten: Dass ein international erfolgreiches Talent nicht zum Verbleiben bewogen werden kann, gab es in der jüngeren Geschichte noch nie.

Uwe Martin

 


06.11.2014