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Lauf-Original Helmut Jesberg wird 80


Ein Ass im Gelände: Helmut Jesberg (Fotos: Schaake)

Eine Lauflegende der 1970er Jahre wird heute (9. Dezember) 80 Jahre alt: Helmut Jesberg aus Wetter im Kreis Marburg-Biedenkopf. "Hems", wie ihn seine Freunde nennen, hat viele Gesichter. Er war Lehrer und Leistungssportler und ist immer noch Naturschützer. Vor 40 Jahren gehörte er zu den besten deutschen Langstreckenläufern und hält mit 29:20,8 Minuten noch immer die deutsche Bestzeit der Altersklasse M40 über 10.000 Meter.


Helmut Jesberg studierte in Darmstadt Biologie, Chemie und Sport. Das Gebiet rund um das Hochschulstadion in Darmstadts Wäldern ("Rund um den Dachsberg") wurde zu seinem bevorzugten Trainingsareal. Später unterrichtete Jesberg in Marburg und lernte mit einer großen Gruppe gleichgesinnter "Laufverrückter" den Burgwald mit seiner ganzen Schönheit kennen und lieben.

Im Trikot des ASC Darmstadt gehörte er mit 39 Jahren als Spätberufener zur deutschen Spitzenklasse im Crosslauf. Bei der Cross-DM 1973 belegte er einen sensationellen 5. Platz und sicherte sich zusammen mit Sieger Lutz Philipp und Reinhold Leibold (7.) mit 13 Punkten vor dem LC Bonn den Titel im Team. Nicht nur durch sein markantes Heulen und Fauchen zermürbte er seine Konkurrenz, sondern mehr noch durch seine ungeheuerliche Kampf- und Willenskraft. Entweder im Netzhemd, das er auch bei minus 10 Grad trug, oder mit einem Wildschwein auf dem T-Shirt war er gefürchtet.

Neben zahlreichen Hessenmeisterschaften holte er fünf Deutsche Meisterschaften (Cross und Marathon) in der Mannschaft mit den ruhmreichen ASC-Langstrecklern. Dazu stand er noch dreimal bei Deutschen Seniorenmeisterschaften auf dem Siegertreppchen, startete im Nationaltrikot bei Länderkämpfen (2) und kam auch bei internationalen Starts wie beim Silvesterlauf in Sao Paulo (Brasilien) auf einen ansprechenden 14. Platz. Am höchsten zu werten aber sind seine 29:20,8 Minuten, die er als 41-Jähriger am 1. Mai 1975 in Frankfurt über 10.000 Meter lief.

Drei Anmerkungen: 2014 sind in Hessen nur zwei Läufer schneller gewesen als Helmut Jesberg 1975 (Nico Sonnenberg 29,02,44 und Jens Nehrkampf 29:16,77). In Deutschland würde der Wetteraner mit seiner damaligen Zeit in der aktuellen Jahresbestenliste auf Platz 14 stehen. 1975 fand er sich noch auf Rang 22 wieder. "So verkehrt können wir damals im Wald mit viel Spaß nicht trainiert haben. Wir waren eine große Gruppe, haben uns gegenseitig motiviert und konnten alle die 5.000 Meter unter 15 Minuten und die Marathonstrecke unter 2:30 Stunden laufen. Mit Fahrtspiel nach Gefühl haben wir damals trainiert, ohne Pulsmesser und Laktatwertmessung. Wir haben hart trainiert, aber nie ohne den Blick auf die schönen Seiten der Natur zu verlieren. Und wir hatten alle das Ziel die anderen im Wettkampf zu schlagen."


Der ehemalige Marathon-Bundestrainer Winfried Aufenanger (links), Helmut Jesberg und Ansager Arthur Schmidt beim Marburger Stadtlauf

Das Ergebnis waren Bestzeiten, die sich noch heute sehen lassen können: 8:23,4 Minuten (3.000 Meter/1965), 14:13,8 (5.000/1973) und 2:22:17 Stunden (Marathon/1976). Eine Infektion im Kniegelenk setzte den leistungssportlichen Ambitionen Helmut Jesbergs 1982 allerdings ein jähes Ende. Sein behandelnder Arzt: der äußerst umstrittene und in Freiburg praktizierende Professor Dr. Armin Klümper. Seitdem ist Helmut Jesberg auf Gehhilfen angewiesen.

Mehr als ein halbes Leben hat sich Helmut Jesberg bereits für den Naturschutz im Burgwald engagiert. Er gehört zu den Mitbegründern der Arbeitsgemeinschaft "Rettet den Burgwald" und fungierte über 20 Jahre lang als ihr Vorsitzender. Er machte auf die seltene Pflanzen- und Tierwelt im Burgwald aufmerksam, kämpfte gegen Zerstörungen der Natur durch den geplanten Bundesautobahnbau A 4 und gegen die Bedrohung der Austrocknung durch unkontrollierte Wasserentnahme. Frei nach dem Motto der Aktionsgemeinschaft in den 1970er Jahren stand auf Autoaufklebern "Hattu Burgwald, muttu drauf aufpassen". Für sein unermüdliches Engagement wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Neben dem Laufen ist Helmut Jesberg stets vielen Interessen nachgegangen. Fuhr er früher leidenschaftlich gern Ski, zieht es ihn heute noch immer regelmäßig die Berge. Im Habachtal (Österreich) sammelt er seltene Steine. Daneben hält sich Jesberg mit täglichem Schwimmen oder in seinem Hausgarten fit. "Ich habe heute noch weniger Zeit als früher, ich arbeite bis spät in die Nacht", so Jesberg.

Auf die Frage, wo er sein bestes Rennen gelaufen ist, kommt die schnelle Antwort: beim Crosslauf am Teufelsberg in Berlin als Dritter hinter Laufgrößen wie dem Olympia-Dritten von 1968 über 1.500 Meter, Bodo Tümmler, und Peter Kubicki. Und natürlich die 10.000 Meter in Frankfurt 1975.

Unvergesslich für seine damaligen Mitläufer und den ASC Darmstadt bleiben die Trainingslager im Burgwald mit bis zu vier Trainingseinheiten am Tag über jeweils 45 Minuten. Wenn einer Durst hatte, wurden diverse Quellen angelaufen. Davon gibt es über 20. Aber auch für andere Durstlöscher hatte "Hems" in den entsprechenden Depots schon Wochen vorher gesorgt. An seiner Lieblingsquelle ist Helmut Jesberg seit wenigen Tagen eine Bank gewidmet. Ein idealer Ort für Helmut Jesberg, um den Blick über "seinen" Burgwald wandern zu lassen.

Helmut Schaake

 


09.12.2014