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Hochsprung-Senior mit internationaler Perspektive


Martin Günther ist wieder auf dem Weg nach oben (Foto: Benjamin Heller)

Es war keine Sensation und kein Paukenschlag. Aber zumindest mal ein großes Ausrufezeichen. Wie es ohnehin nur wenige gab bei den hessischen Meisterschaften in der Hanauer August-Schärttner-Halle. Martin Günther von der LG Eintracht Frankfurt sorgte mit 2,23 Meter im Hochsprung für die beste Leistung der Titelkämpfe. An 2,26 Meter, der Norm für die Hallen-EM in Prag vom 6. bis 8. März, scheiterte Günther knapp. Der 28 Jahre alte Senior unter Deutschlands besten Hochspringern hätte durchaus zufrieden sein können mit seinem Einstand in die WM-Saison 2015. 2,23 Meter - so gut ist er noch nie gewesen im ersten Wettkampf eines neuen Jahres. 2010 war er über 2,22 Meter gefloppt und wenige Wochen später über 2,30 Meter, diese Höhe bedeutet noch immer persönliche Bestleistung. Alles bestens also? Nicht ganz. „Nicht schlecht für den Anfang“, meinte Günther. Aber: „Ich muss mir noch so vieles erarbeiten.“

Der Frankfurter war im vergangenen Jahr deutscher Hallen- und Freiluftmeister, mit sich und seinen Leistungen aber nur bedingt zufrieden. Denn auch ihm war es nicht gelungen, den deutschen Männer-Hochsprung von seiner Bedeutungslosigkeit im globalen Kontext zu befreien. Das Fachportal leichtathletik.de hatte in seiner Jahresbilanz 2014 von einer „Durststrecke“ geschrieben. Günther war in diesem Kontext der Beste unter etlichen Verletzten und Rekonvaleszenten, aber eben auch für keine internationale Meisterschaft qualifiziert. Im Winter war er 2,28 Meter gesprungen, im Sommer nach einer ausgeheilten Virusinfektion 2,25 Meter. Seinen Ansprüchen genügte dies nicht. Die Weltklasse beginnt eben erst bei 2,30 Meter, und genau dort möchte er wieder hin. „Ich war nicht so locker, wie ich es mir gewünscht hätte“, sagte Günther. Die nächsten internationalen Ziele - der Länderkampf gegen Schottland, Großbritannien und Frankreich in Glasgow (24. Januar) sowie die Hallen-EM scheinen jedoch durchaus erreichbar. Als erster Konkurrent drängte sich in der Frühphase der Hallensaison Mateusz Przybylko aus Leverkusen (ebenfalls 2,23 Meter) auf.

Günther nahm in Hanau wie immer einen langen Anlauf. Ausgangspunkt war die Reling, die den Innenraum begrenzt, es folgten Schritte über die Rundbahn, den Stabhochsprunganlauf und die Sprintbahnen. Im Gesamten keine einfachen Bedingungen. Er zeigte sich dynamisch, technisch verbessert im Absprung und bei der Lattenüberquerung. „Es ist vieles besser geworden, aber ich bin noch nicht dort, wo ich hin möchte.“ Günther arbeitet in diesem Winter wieder intensiver mit dem hessischen Landes-Mehrkampftrainer Philipp Schlesinger zusammen, fliegt nicht mehr so oft nach Birmingham zur Übungsgruppe um Erfolgscoach Fuzz Ahmed. Und er lebt weiter seinen Traum, irgendwann einmal 2,36 Meter zu überqueren. Ein hohes Ziel, das nach dem Achillessehnenanriss im Februar 2011 schon völlig außer Reichweite schien.

Jetzt ist er wieder im Aufwind, ähnlich wie vor fünf Jahren, als er bei der Hallen-WM das Finale erreichte. Günther hat einen langen Anlauf und einen langem Atem. Was die kurz- und mittelfristige Perspektive betrifft, meinte er lediglich: „Der deutsche Hochsprung ist eine Wundertüte.“

Uwe Martin

 


12.01.2015