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Sportbegeisterte Höhenjägerin


Freude bei Mona Gottschämmer nach den 1,77 Meter in Hanau (Fotos: Benjamin Heller)

Es waren die Hochspringer, die bei den Hessischen Hallenmeisterschaften am letzten Wochenende in Hanau die wertvollsten Leistungen zeigten. Der Deutsche Hallen- und Freiluftmeister Martin Günther überfloppte 2,23 Meter und startete so gut wie noch nie in ein neues Jahr. In der U18-Konkurrenz steigerte sich Mona Gottschämmer vom TV Neu-Isenburg auf 1,77 Meter. Ein Zentimeter höher als im Dezember in Stadtallendorf. Nur zwei U18-Athletinnen waren im vergangenen Winter in Deutschland besser. Auch bei den Hessischen Jugendhallenmeisterschaften der Altersklassen U20 und U16 im Sport- und Freizeitzentrum Kalbach lohnt sich der Blick auf die Hochsprunganlage. Mona Gottschämmer fasst ihren nächsten Hessentitel ins Auge.

Bei Martin Günthers Wettkampf in Hanau schaute Mona Gottschämmer besonders aufmerksam zu. "Er hat sich minutenlang vorbereitet und konzentriert. Als er gesprungen ist, war es ganz still. Das war beeindruckend." Auch die 16-Jährige war vor ihren Versuchen in sich gegangen, hatte mit geschlossenen Augen jedes Körperteil von den Zehenspitzen bis zum Kopf in Gedanken durchwandert, sich auf ihre Technik konzentriert, ruhig geatmet – und dann losgelaufen. Als die Latte bei 1,77 Meter im dritten Anlauf endlich liegenblieb, empfand sie "pures Glücksgefühl". Dabei lief beim Anlauf im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht alles rund. Mehrmals musste der Schützling von Wolfgang Brandt seine Sprünge abbrechen. "Der Abstand stimmte nicht. Ich habe mich nicht wohlgefühlt." Doch irgendwann hatte sie den Dreh raus.

Mona Gottschämmers sportliche Anfänge liegen im Turnen. In gemischten Wettkämpfen kam der Kontakt zur Leichtathletik zustande. Das Interesse am Turnen ließ nach, das für die Leichtathletik blieb. "Der Sprint lag mir, der Weitsprung auch. Hürden fand ich toll. Und im Hochsprung lief es auch gut", erinnert sie sich. Nach drei Jahren spielerischem Mehrkampftraining wurde es 2012 ambitionierter. Ende des Jahres, Mona Gottschämmer war 14, übersprang sie in Stadtallendorf 1,68 Meter – so hoch wie noch keine Schülerin zuvor in der Herrenwaldhalle. 2013 gewann sie den U16-Hessentitel unter dem Dach und steigerte sich im Freien auf 1,71 Meter, ein Jahr später während eines sechsmonatigen USA-Aufenthalts in Kansas auf 1,73 Meter. Am letzten Wochenende dann die 1,77 Meter in Hanau. Und jetzt? "Ich habe die 1,80 Meter im Hinterkopf", verrät Mona Gottschämmer. "Wenn ich mich anstrenge, kann ich das schaffen." Dann wäre Mona Gottschämmer eine Kandidatin für die U18-Weltmeisterschften in Cali (Kolumbien/15. bis 19. Juli). Die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderte Vorleistung liegt bei 1,78 Meter.


Mona Gottschämmer: 2015 an die 1,80 Meter ranspringen

Gardemaß und starker Absprung

Irgendwann einmal das schwarz-rot-goldene Trikot überzustreifen, das ist das Ziel von Mona Gottschämmer. Um dieses Ziel zu erreichen, trainiert die 16 Jahre alte Höhenjägerin aus Dreieich fleißig. Viermal in der Woche Hochsprung, aufgeteilt auf zwei Einheiten bei ihrem 76 Jahre alten Heimtrainer Wolfgang Brandt in Neu-Isenburg und zwei Einheiten mit den hessischen Landeskadertrainern Günter Eisinger und Sophia Sagonas in Frankfurt. Dazu noch viermal leichtathletisches Grundlagentraining bei Dominic Ullrich an der Carl-von-Weinberg-Schule, dreimal davon ab 7:45 Uhr vor dem Unterricht.

Das viele Training empfindet Mona Gottschämmer nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung und Ausdruck ihrer Persönlichkeit. "Ich war schon immer sportlich aktiv. Es gibt keine Sportart, die ich nicht mag." In ihrer Freizeit spielt sie gern Basketball. Eine Woche vor Hanau ging es zum Skifahren und Snowboarden ins Pitztal (Österreich). Und sie läuft gern. Vor kurzem, an einem Sonntagmorgen mit viel Sonnenschein, sogar länger als geplant. "Da kamen so um die 15 Kilometer zusammen." Ihre Trainer haben das nicht so gern gesehen, sagten, das würde sie langsam machen. Mona Gottschämmer gibt zu, dass sie im Anlauf nicht die Schnellste sei, der Absprung aber zu ihren Stärken gehöre. Ein Vorbild habe sie nicht. Aber die Sprünge von Blanka Vlasic, der Weltmeisterin von 2007 und 2009, schaut sie sich gern auf Video an. Zu der 1,93 Meter großen Kroatin schaut Mona Gottschämmer auf. Dabei besitzt die junge Hessin mit 1,80 Meter Körpergröße selbst bereits Gardemaß und wundert sich: "In meiner Familie sind wir eher klein."

Am Sonntagmorgen in Frankfurt wird Mona Gottschämmer wieder auffallen. Wegen ihrer Größe. Und ihres Sprungvermögens. Von ihren Kontrahentinnen ist nur die knapp zwei Jahre ältere Rachel Staffa (LG Eintracht Frankfurt/1,74 Meter), eine Trainingspartnerin und gute Freundin, bereits höher als 1,70 Meter gesprungen. Den Anlaufproblemen von Hanau glaubt Mona Gottschämmer Herr geworden zu sein. "Im Training bin ich um einen Fuß zurückgegangen. Jetzt sollte es passen."

Zu allen Teilnehmern der Hessischen Hallenmeisterschaften U20/U16

Tammo Lotz

 


16.01.2015