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Für den Lauf-Senior Gerhard Schroeder ist auch mit 81 Jahren noch nicht Schluss


Gerhard Schroeder (Foto: privat)

So richtig glauben konnte man es ja nicht, als Ende Dezember verkündet wurde, dass Gerhard Schroeder beim Frankfurter Silvesterlauf seinen letzten Wettkampf hinter sich bringen würde. Dabei machte der Ort seines geplanten Abschieds durchaus Sinn: 1979 hatte Schroeder die Silvesterlauf-Premiere organisiert, nachdem er achtzehn Monate zuvor gemeinsam mit achtzehn Personen den Laufklub Spiridon Frankfurt gegründet hatte. Doch der Senior erschien nicht am 28. Dezember 2014 - es lag zu viel Eis und Schnee im Stadtwald. Das Risiko erschien dem 81 Jahre alten Läufer zu hoch. Und dann die Überraschung beim Blick in die Ergebnisliste des Rüsselsheimer Lindenseelaufs am 17. Januar: 5 Kilometer, 89. Platz, Gerhard Schroeder, Spiridon Frankfurt, 40:08 Minuten. „Ich habe beschlossen, weitere Wettkämpfe zu absolvieren“, sagt er fröhlich. Ja, natürlich, die Arthrose dritten Grades in beiden Kniegelenken sei nicht wegzudiskutieren. „Eigentlich müsste ich jeden Tag schreien vor Schmerzen.“ Aber das Gegenteil sei der Fall. „Mir tut nichts weh.“ Schroeder, ein Pionier der Laufbewegung im Rhein-Main-Gebiet, ist also wieder am Start.

Das Gespräch mit ihm dauert etwa eine halbe Stunde. In dieser Zeit forciert er die Formulierungen „alt und lahm“, „steif und lahm“ und „alter, lahmer Esel“. Schroeder kokettiert ein wenig mit seiner außergewöhnlichen Fitness. Denn in Wirklichkeit ist er im Training weiterhin mit Uhr unterwegs, die Laufzeit spielt eine gewichtige Rolle. Bei seinen beinahe täglichen 7-, 8-Kilometerrunden im Stadtwald sowie gelegentlich auf der Bahn, wo er 3.000- und 5.000 Meter-Läufe hinter sich bringt. „Eigentlich ist die Zeit ja egal“, sagt er. Andererseits kann er es nicht lassen. Mitte Februar ist ein Wettkampf in Groß-Gerau geplant, während seines dreiwöchigen Sommerurlaubs in Ostfriesland (August/September) hat Schroeder vier Wettkämpfe terminiert. „Und manchmal träume ich sogar von einem Halbmarathon.“ Ob es dazu kommen wird? Er weiß es nicht. Aber wenn, dann im Ruhrgebiet, unweit der Schalke-Arena. „Wettkämpfe sind die Fettaugen auf der mageren Suppe eines M80-Läufers“, meint er blumig. Und schiebt seine insgesamt absolvierten Laufkilometer im Jahr 2014 nach: 1.900. Im Schnitt also 36 pro Woche.


Gerhard Schroeder beim Hamburg-Marathon Mitte der 90er Jahre (Foto: privat)

Schroeder war einer derjenigen, die den Volks- und Straßenlauf in Frankfurt salonfähig gemacht haben. Dabei war der gebürtige Hamburger und gelernte Bankkaufmann noch Mitte der 70er Jahre ein Couch-Potato. Bis zu einer Taunuswanderung über 30 Kilometer als Initialzündung. Eine Nacht später kam er wieder und joggte 10 Kilometer. Übergewichtig, in Jeans und Straßenschuhen. Bereits acht Monate später lief er im Frankfurter Stadtwald seinen ersten Marathon (4:20 Stunden). Seine Bestzeit datiert aus dem Jahr 1981 (2:54:35), sein letzter Wettkampf über die klassische Distanz aus dem April 2004 (4:26:21 Stunden in Hamburg). Nach diesem 73. Marathon als ambitionierter Hobbyläufer war Schluss mit den 42 Kilometern.

Der Altmeister hat Spiridon Frankfurt groß gemacht, heute zählt der Klub 953 Mitglieder. Schroeder inspirierte zwei Läufergenerationen, organisierte Lauftreffs und stellte neben dem Silvesterlauf auch den Frankfurter Halbmarathon auf die Beine. Vorsitzender von Spiridon Frankfurt war er von 1978 bis 2003, seit 2008 ist er Ehrenpräsident. In seinen späten Jahren musste Schroeder zwei Knieoperationen (1994, 2004) und eine Prostatakrebs-Operation (2006) über sich ergehen lassen. Die Lust am Sport, am Laufen hat er nie verloren. „Drei Tage nach der Prostataoperation habe ich auf dem Klinikflur mit Walking begonnen.“ Dass er sich im hohen Alter bisweilen überwinden muss, daraus macht Schroeder kein Geheimnis. „Aber ich kann nicht anders. Ich bin laufsüchtig.“ Und wenn im Freien aufgrund des Wetters nichts geht, steht ihm ein Hometrainer zur Verfügung. Draufsetzen, losradeln und dabei Fußball im Fernsehen schauen - auch das ist Gerhard Schroeder. „Es muss sich niemand Sorgen machen“, sagt er. „Im Augenblick habe ich ein erstaunlich gutes Gefühl.“

Uwe Martin

 


27.01.2015