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"Werde ständiger Ansprechpartner für Trainer und Athleten sein" - Transparenz und Kommunikation das A und O


Der neue Leistungssport-Referent: Carsten Ebert (Foto: Lotz)

Die sportlichen Wurzeln von Carsten Ebert, dem Leistungssport-Referenten im Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV), liegen im Fußball. Auf Amateurniveau schaffte es der heute 35-Jährige bis in die Landesliga Hessen. Nach 25 Jahren musste er 2009 seine Ambitionen aufgrund einer schweren Verletzung beenden. Sein Magisterstudium der Sportwissenschaften in Frankfurt mit den Nebenfächern Sportmedizin und Psychologie schloss Ebert 2006 ab. Nach einem halben Jahr als Jugendtrainer in Fußballcamps in Deutschland und der Schweiz wechselte Ebert vom Sportplatz an den Schreibtisch und wurde verantwortlicher Redakteur bei den Magazinen "SportPraxis" und "Der Übungsleiter" im Limpert Verlag. Berufsbegleitend nahm Ebert 2010 in Bayreuth ein Fernstudium in Sportmanagement auf und schloss es zwei Jahre später mit dem Master of Business Administration (MBA) ab.

In diese Zeit fällt der Wechsel zum HLV, wo Ebert als Referent für den Breitensport anfing. Zunächst als halbe, seit 2013 als volle Stelle. Im April 2014 kam der neu geschaffene Marketing-Bereich dazu. Zum 1. November 2014 hat Carsten Ebert die Position des Referenten Leistungssport übernommen. Im Gespräch mit hlv.de beschreibt der A-Lizenz-Fitnesstrainer sein neues Aufgabengebiet und äußert sich zu seinen Zielen und Wünschen.

Wie interpretieren Sie Ihre Aufgaben als Referent Leistungssport?
Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den hauptamtlichen und HLV-Kadertrainern sowie dem Vizepräsidenten Leistungssport Markus Czech. Die Trainer treten mit ihren Vorschlägen an mich heran, teilen mir ihre Idealvorstellungen mit, ich bereite diese auf und informiere Markus Czech darüber. Mit dem Blick auf das Budget, das jedem Kadertrainer pro Jahr zusteht, müssen oft Kompromisse gefunden werden.

Ich möchte den Trainern Rückhalt geben und sie bei den organisatorischen Aufgaben entlasten. Die Trainer sollen sich vorwiegend der Betreuung der Athleten widmen können und ihnen zu einer nachhaltigen Karriere verhelfen. Ich will die Trainer dabei unterstützen, dass ihre Ziele, die im Disziplinen-Entwicklungskonzept für jeden Olympiazyklus festgelegt sind, sichtbarer, greifbarer und messbarer werden. Ich bin gerade dabei, diese Entwicklungskonzepte durchzugehen und zu evaluieren.

Wie wollen Sie sich in diese Abläufe einbringen?
Ich biete Transparenz und Kommunikation. Daher möchte ich mit allen Landes- und Kadertrainern regelmäßig und auf möglichst kurzem Wege in Kontakt treten. Ich denke, dass die unterschiedlichen Disziplinblöcke Synergien nutzen können, vor allem in Bezug darauf, wie man als Trainer Sportler führen kann.

Eine erste gemeinsame Bestandsaufnahme zusammen mit Markus Czech ist für Ende Januar geplant. Danach stelle ich mir Einzelgespräche mit den Trainern alle zwei Monate vor, in denen wir uns über die Umsetzung der einzelnen Zielplanungen austauschen werden.

Welche Ziele werden mit dem Projekt "Trainer ins Land" verfolgt?
Die Landestrainer sollen ihr Wissen weitergeben und den Vereinstrainern Hilfestellung leisten. Voraussetzung dafür sind Fortbildungen, Schulungen und genaue Terminabsprachen. Das Projekt "Trainer ins Land" bietet den Heimtrainern die Möglichkeit, die Landestrainer sowie deren Philosophie und Ziele kennenzulernen. Durch den Dialog mit den Heimtrainern können die Landestrainer u.a. herausfinden, wo wir als Verband die Vereine besser unterstützen müssen. Die Aufgabe "junge Athleten zu fördern" verbindet die Heimtrainer und die Landestrainer. Bei der Entwicklung von Athleten spielen die Kommunikation und der Respekt zwischen Heimtrainer und Landestrainer eine nicht unwichtige Rolle – hier kann das Projekt "Trainer ins Land" helfen, dass die betreffenden Personen auch in dieselbe Richtung laufen.


Vizepräsident Leistungssport Markus Czech (Foto: privat)

Was wollen Sie Athleten und Trainern vermitteln?
Ich werde ein ständiger Ansprechpartner für Trainer und Athleten sein und ihre Anliegen stets ernst nehmen. Wenn ein junger Athlet zum Beispiel ein Problem bei seinem Kadertrainer nicht ansprechen will, dann bin ich neben Markus Czech sein Ansprechpartner. In solchen Situationen soll der jeweilige Trainer aber auch stets informiert werden. Damit wären wir beim Thema Transparenz...

...die sie wie folgt beschreiben würden?
Es ist eigentlich nicht schwer transparent zu sein. Sobald ich informiere und keine Informationen zurückhalte, bin ich schon transparent. Transparenz ist wichtig nach innen wie nach außen.

Die Trainer sollen wissen, was meine Aufgaben sind und wann ich sie wahrnehme. Alle Trainer sollen erfahren, welche Möglichkeiten sie in ihrer Tätigkeit haben und wie sich die Erfolge ihrer Athleten auswirken. Die Ausgangslage soll für alle Trainer gleich sein.

Die Trainer sollen zusammenarbeiten und sich nicht als Konkurrenten sehen. Ich habe den Eindruck, das funktioniert schon ganz gut. Ich glaube aber auch, dass das noch ausgebaut werden kann. Auch in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Leistungs- und Breitensport sehe ich noch Verbesserungspotenzial.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Leistungssport und Breitensport?
Beide Bereiche können nur funktionieren, wenn sie sich transparent präsentieren. Der Leistungssport ist nicht denkbar ohne den Breitensport und umgekehrt genauso. Mir haben Leute zum Aufstieg in den Leistungssport gratuliert. Das sehe ich nicht so. Für mich sind das zwei verschiedene Positionen auf einer Ebene, ohne hierarchische Gliederung.

Der Leistungs- und der Breitensport haben beide das gleiche Ziel: dem Nachwuchs zum Erfolg zu verhelfen. Im Leistungssport wird allerdings mehr personen- und im Breitensport mehr projektbezogen gearbeitet.

Die Arbeit beginnt bei der Sichtung in Schulen und Vereinen und geht im Optimalfall bis zu einer Medaille bei einem internationalen Großereignis im Aktivenbereich. Man darf nicht vergessen: Alle Leistungssportler haben einmal im Breitensport angefangen. Es wird niemand als Leistungssportler geboren.

Könnten Sie zum Abschluss noch etwas näher auf die Unterschiede zwischen Leistungssport und Breitensport eingehen.
Im Breitensport arbeitet man mit Leuten zusammen, für die der Sport ein Hobby ist. Im Leistungssport habe ich es mit Trainern zu tun, für die der Sport ihre Profession ist. Da steckt ein ganz anderer Druck dahinter. Das erfordert eine andere Herangehensweise. Auch die Altersstruktur unterscheidet sich. Breitensportler sind größtenteils Senioren. Leistungssportler sind meistens Jugendliche und junge Erwachsene. Kommunikation und Transparenz sind aber in beiden Bereichen das A und O.

(Das Gespräch führte Tammo Lotz)

 


30.01.2015