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Weit reisen und weit springen


Im Anflug: Nathalie Buschung (Fotos: Iris Hensel)

Erst Reykjavik, nun Neubrandenburg. Die in Frankfurt lebende Weitspringerin Nathalie Buschung vom Königsteiner Leichtathletikverein ist in den letzten Wochen weit gereist, um weit zu springen. Im Januar vertrat sie bei den "Reykjavik Games" in Island die deutschen Farben und verbesserte sich im Vergleich zum letzten Jahr um einen Zentimeter auf 6,18 Meter. Auch die 47. Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Neubrandenburg erforderten eine mehrstündige Anreise. Das Ergebnis: Insgesamt drei weitere Verbesserungen mit der Krönung im sechsten und letzten Versuch: 6,36 Meter. Da konnte sich die nach dem Vorkampf führende Abigail Adjei (SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken) noch so strecken – ihre 6,33 Meter zum Abschluss reichten nicht aus, um Nathalie Buschung den Sieg streitig zu machen.


Mit dieser Basis sieht sich die 18-Jährige auf dem richtigen Weg zu den U20-Europameisterschaften im schwedischen Eskilstuna (16. bis 19. Juli). Dass sie das Potenzial für die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderten 6,20 Meter besitzt, hat sie im Jahnsportforum in Neubrandenburg mehrfach bewiesen.

Der Wettkampf hätte kaum besser beginnen können. Auf 6,20 Meter im ersten folgten 6,21 Meter im zweiten Versuch. Zwei Bestleistungen – Herz, was willst du mehr? Dachte sich auch Natalie Buschung. "Eigentlich hätte der Wettkampf da zu Ende sein können."

Da hatte Nathalie Buschung die Rechnung ohne die starke Abigail Adjei gemacht. Auch die Mehrkämpferin Celina Leffler (SSC Koblenz-Karthause) mit einer Bestleistung von 6,32 Metern (2014) galt es im Auge zu behalten. Und irgendwie hatte Nathalie Buschung, die U18-WM-Siebte im Weitsprung von 2013, geahnt, dass der Weg zum Sieg keine Vergnügungsfahrt werden würde. Prompt antwortete die Saarländerin. Erst 6,25 Meter im dritten Durchgang. "Etwas Besseres hätte gar nicht passieren können. Dieser Zweikampf hat das letzte Quäntchen Energie bei Nathalie freigesetzt", stellte ihr Trainer Markus Oerter fest. Der fünfte Sprung von Abigail Adjei ging sogar noch einen Zentimeter weiter, auf 6,26 Meter.


Dreimal Bestleistung

Natalie Buschung fehlte zunächst eine adäquate Antwort. Im fünften Durchgang glaubte sie sie gefunden zu haben. "Ich habe gleich gemerkt, dass der Sprung weit hinausging." Auch Oerter bestätigte diesen Eindruck. Die Weite aber wird für immer ein Fragezeichen bleiben, denn der Sprung wurde von den Kampfrichtern ungültig gegeben. Übergetreten. Knapp zwar, Schätzungen von Trainer und Athletin beliefen sich auf einen Zentimeter, aber übergetreten ist übergetreten.

Nathalie Buschung hakte die Enttäuschung ab. Sie schöpfte Kraft und wusste, "dass da noch was geht." Sie sagte sich, "das ist mein Tag, also nutze ihn." Um knapp fünf Zentimeter verlegte sie ihren Anlauf nach hinten. Dann ging es los, sie nahm Fahrt auf, traf das Brett und flog wieder weit hinaus. Mit dem Unterschied, dass der Sprung dieses Mal gültig war. 6,36 Meter wurden angezeigt. Eine Weite, die die Athletin mehr überraschte als ihren Trainer. "Dass Nathalie über 6,30 Meter springen würde, hatte ich erwartet. Sie springt sehr stabil und hat ihren Anlauf im Griff. Da war ich mir sicher, dass sie den letzten Sprung gültig machen wird." Und nicht nur das.


2014 Platz drei im Hochsprung, jetzt der sieg im Weitsprung

Der Wettkampf auf Island war der Türöffner zu mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. Sicherheit und Selbstvertrauen, das in der wegen einer Verletzung verkürzten letzten Saison etwas abhanden gekommen war. Das Saisonziel, die Teilnahme an der U20-WM in Eugene (USA), fiel für Nathalie Buschung aus. Da kamen die international besetzten "Reykjavik Games" wie gerufen. Seit dem erfolgreichen Auftritt auf der Vulkaninsel sitzt der Anlauf. Eine große Weite war weniger eine Frage des Ob denn des Wann. Die letzten zwei Trainingseinheiten vor Neubrandenburg, 5er-Sprungläufe und das Umsetzen mit Kniebeugen im Kraftraum, bestätigten diesen Eindruck.

Nach Platz drei im Hoch- und Platz vier im Weitsprung vor einem Jahr in Sindelfingen nun also der Titel im Weitsprung. Bleibt die Frage, welche Disziplin Nathalie Buschung in Zukunft bevorzugt oder ob sie zweigleisig fährt. Die Antwort fällt eindeutig aus: "Der Fokus liegt auf dem Weitsprung. Hochsprung lief nur nebenbei und hat meine Knochenhaut seitlich des Schienbeins belastet." Da kommt es sehr gelegen, dass ihr neuer Verein in Königstein eine umfangreiche physiotherapeutische Betreuung anbietet. Einmal in der Woche geht es für Nathalie Buschung zum Stabilisationstraining und zur Eigenmassage in den Hochtaunuskreis.

Die nächste Reise ist bereits terminiert. Wie ihr Disziplinkollege Gianluca Puglisi (LG Eintracht Frankfurt), der am ersten Tag der Meisterschaften zum Titel gesprungen war, ist Natalie Buschung für den U20-Länderkampf zwischen Frankreich, Italien und Deutschland am 28. Februar im französischen Lyon vorgeschlagen worden. Weite Reise, weite Sprünge, nächster Teil?

Zu den Ergebnissen

Tammo Lotz

 


16.02.2015