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Gekontert. Gezittert. (Silber) Gewonnen


Katharina Zeisler (Fotos: Iris Hensel)

Katharina Zeislers Stimme war rauh, die Nachwirkungen einer Erkältung im Körper noch spürbar, der Hammerwurfring stumpf, das Einwerfen bescheiden. Die Voraussetzungen für die 16 Jahre alte Nachwuchshoffnung der LG Seligenstadt hätten wirklich besser sein können. "Meine Stärken, die schnelle Drehungen und die Dynamik im Abwurf konnte ich nicht wie gewohnt einsetzen", so der Schützling von HLV-Kadertrainerin Regine Isele. Doch dann trotzte Katharina Zeisler den Widrigkeiten und gewann Silber – ihr erstes Edelmetall bei deutschen Jugendmeisterschaften. Im letzten Sommer im Wattenscheider Regen war ihr Bronze im letzten Durchgang noch entglitten.


In Neubrandenburg wurde Lia Heise (Einbecker SV/Bestweite 2014: 63,62 Meter) ihrer Favoritenrolle im zweiten Versuch gerecht, als sie den 3-Kilo-Hammer auf 59,05 Meter fliegen ließ. Katharina Zeisler folgte dahinter und wusste: "So weit kann ich heute wohl kaum werfen. Aber den zweiten Platz will ich halten. Komme, was wolle!" Bis auf eine kurze Unterbrechung im dritten Durchgang ging der Plan von Katharina Zeisler auf. Nachdem Kira Benkmann (SV Preußen Berlin) mit 53,91 Metern die Seligenstädterin um 14 Zentimeter übertroffen hatte, folgte der Konter der jungen Hessin mit 55,52 Metern auf dem Fuße. Die alte Reihenfolge war wiederhergestellt.

In der Schlussrunde musste die hessische U18-Winterwurfmeisterin noch einmal bangen. Kira Benkmanns Wurfgerät flog weit. Über 55 Meter. Katharina Zeisler befürchtete schon ein Dejà-vu. In Wattenscheid lag sie bis zum abschließenden sechsten Versuch auf Bronzekurs. Dann schob sich Julia König aus Sachsen noch an der Hessin vorbei. Statt Bronze gab es nur Blech. Doch in Neubrandenburg folgte auf das Zittern ein glückliches Ende. 55,22 Meter waren für Kira Benkmann dreißig Zentimeter zu kurz, um Katharina Zeisler die Silbermedaille zu entreißen. So gewann die Hessin neben ihrer ersten DM-Medaille in der Jugend auch die Erkenntnis, dass nicht alles perfekt laufen muss, um erfolgreich zu sein.


Flotte Silber-Staffel der LG Eintracht Frankfurt: (von rechts) Jan Näser, Daniel Sturma, Weitsprung-Sieger Gianluca Puglisi, Niklas Wenzel und Ersatzläufer Kevin Kranz

Im Vergleich zum letzten Sommer hat Katharina Zeisler ihr Niveau gesteigert und kommt mit widrigen Umständen besser zurecht. In Wattenscheid war der Ring rutschig, der Hammer flog auf 52,38 Meter. In Neubrandenburg war der Wurfkreis stumpf und langsam. Trotzdem flog das Wurfgerät über drei Meter weiter. Eine verbesserte Wurftechnik und mehr Trainingswürfe macht Katharina Zeisler für die Steigerung verantwortlich. "Aber technisch gibt es immer noch was zu verbessern." Das ewige und fast von vornherein zum Scheitern verurteilte Streben nach dem perfekten Wurf – man findet kaum einen Hammerwerfer, der nicht fasziniert ist von diesem geradezu unmöglichen Unterfangen.

In der Sommersaison wird sich Katharina Zeisler mit 55er-Weiten kaum zufriedengeben. Bei einem Testwettkampf Ende Januar in Frankfurt warf sie bereits 59,76 Meter. Sie hat sich vorgenommen die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderten 63,50 Meter, die zur Qualifikation für die U18-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali (15. bis 19. Juli) berechtigen, anzugreifen. "Dann muss aber wirklich nahezu alles zusammenkommen", prognostiziert Katharina Zeisler. Sollte ihr der Sprung nach Cali gelingen, wäre auch der aktuelle hessische U18-Rekord Geschichte. Der liegt bei 61,80 Meter, gehört Susanne Keil und jährt sich am 8. Juli bereits zum 20. Mal. Frei nach Herbert Grönemeyer könnte man sagen: Es wird Zeit, dass sich was dreht.

Weitere Hessen am zweiten Wettkampftag auf den Plätzen 2-8:
2. Platz, 1.500 Meter: Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach) 3:57,35 Minuten
2. Platz, 4x200 Meter (MJ): LG Eintracht Frankfurt (Jan Näser, Daniel Sturma, Gianluca Puglisi, Niklas Wenzel) 1:28,16 Minuten
3. Platz, Dreisprung: Daniel Christoph Gescheidle (SKV Nauheim) 14,70 Meter
4. Platz, Hammerwurf (U20): Konstantin Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim) 57,08 Meter
5. Platz, Hammerwurf (U20): Sophie Gounoué (LG Eintracht Frankfurt) 48,37 Meter
5. Platz, 800 Meter: Tilman Garthe (LG Eder) 1:53,43 Minuten
6. Platz, 3.000 Meter: Yannik Gerland (SSC Bad Sooden-Allendorf) 8:54,33 Minuten
7. Platz, 4x200 Meter (WJ): Königsteiner Leichtathletikverein (Maureen Zimmer, Alina Kunz, Elena Kelety, Marie Koller) 1:41,86 Minuten
7. Platz, Hammerwurf (U18): Anika Jürß (TG Unterliederbach) 48,16 Meter
8. Platz, Hammerwurf (U20): Isabel Weitzel (ESV Jahn Treysa) 45,82 Meter.

Zu den Ergebnissen

Tammo Lotz

 


16.02.2015