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Gianluca Puglisi: Neues Level dank neuer Kooperation


Gianluca Puglisi (Fotos: Iris Hensel)

Die hessischen Springer am ersten Tag der 47. Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften und ihre ersten Versuche: einfach erfolgreich. Während Hochspringerin Mona Gottschämmer (TV Neu-Isenburg) alle Höhen bis 1,78 Meter im ersten Versuch überwand und Silber gewann, setzte Weitspringer Gianluca Puglisi von der LG Eintracht Frankfurt noch einen drauf. Im ersten Durchgang egalisierte er gleich seine Bestleistung von 7,30 Metern, übernahm die Führung – und behielt sie bis zum Ende. In seinen letzten zwei Sprüngen ließ der 18-Jährige noch zwei Bestleistungen folgen: 7,34 Meter im fünften und 7,39 Meter im letzten Sprung der gesamten Konkurrenz. "Ich bin sprachlos. Das hätte ich nicht für möglich gehalten", so der gebürtige Offenbacher, der mit all seinen fünf gültigen Sprüngen die 7-Meter-Marke übertraf.


Gianluca Puglisi hat sich in den letzten drei Jahren sportlich und mental enorm verbessert. Das letzte Mosaiksteinchen in der Entwicklung Puglisis ist der Projektversuch zwischen dem LAZ Gießen und der LG Eintracht Frankfurt, der seit dieser Hallensaison läuft. Diese Entwicklung war vor drei Jahren noch nicht abzusehen. Mit einer Bestleistung von 5,85 Metern kam Gianluca Puglisi in die Trainingsgruppe von Jörg Huppers. Der Trainer zeigte sich nach den ersten Eindrücken skeptisch, was vor allem an der Körpergröße seines neuen Schützlings lag. "Gianluca war sehr klein. Ich habe nicht an seine Perspektive geglaubt." Albert Junker, Puglisis Schülertrainer, war zuversichtlicher: "Warte ab. Der Gianluca kommt noch."

Und tatsächlich. Gianluca Puglisi begann wie ein zartes Pflänzchen zu gedeihen, wurde 2013 mit 6,69 Metern süddeutscher Jugend-Hallenmeister und nachträglich in den Hessenkader berufen. Im darauffolgenden Sommer kam die Entwicklung etwas ins Stocken. Gianluca Puglisi schenkte Wettkämpfe nach nicht zufriedenstellenden ersten Versuchen schnell ab, begann zu zweifeln, flog aus dem Hessenkader. Dazu machten ihm Wachstumsprobleme zu schaffen. "In dieser Phase hat ihn die Trainingsgruppe aufgefangen. In vielen Gesprächen habe ich ihn ermutigt dranzubleiben und zu kämpfen", erinnert sich Huppers.

Er muss die richtigen Worte gefunden haben. In der Hallensaison 2014 steigerte sich Gianluca Puglisi zunächst auf 6,91 Meter, im Freien dann im Rahmen des MTG-Sprintmeetings in Mannheim auf 6,93 Meter. Was wichtig war: die 6,93 Meter gelangen ihm im letzten Versuch. Ein "anderes Denken", wie es Jörg Huppers beschreibt, hatte bei Gianluca Puglisi eingesetzt.


Tipps beherzigt: Gianluca Puglisi

Seit dieser Wintersaison befeuert externer Input in Person von Markus Czech den Trainingsalltag. Als mehrfacher Schülermeister und Trainer der ehemaligen deutschen Weitsprung-Meisterin und WM-Teilnehmerin Beatrice Marscheck verfügt der Vizepräsident Leistungssport im Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) über einen großen Erfahrungsschatz. Gianluca Puglisi erreichte er schnell mit seiner Art und seinen Tipps. "Er kann sehr gut erklären. Jetzt weiß ich zum Beispiel, dass die Arme eine sehr wichtige Rolle im Weitsprung spielen", so Puglisi, dessen älterer Bruder einst in der Fußball-Jugend von Mainz 05 gegen den Ball trat. In der Flugphase reißt Puglisi seine Arme nach oben, kurz vor der Landung lässt er sie unter dem Körper nach hinten schnellen. "Damit kann man, wenn es klappt, einige Zentimeter rausholen."

Die Ergebnisse sprechen für sich. Nach dem ersten 7-Meter-Sprung bei den hessischen Hallenmeisterschaften Anfang Januar folgte eine Woche später der Sprung auf 7,30 Meter und der Landestitel in der Altersklasse U20. "Gianluca hat ein neues Level erreicht. Die Trainingsinhalte müssen gar nicht mal so neu sein. Manchmal bedeutet schon eine andere Wortwahl Fortschritt", erklärt Jörg Huppers. Mit 7,15 Metern und dem siebten Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften bestätigte Puglisi eine Woche vor der Jugend-DM sein neues Niveau. "Da die sieben Meter für mich immer noch ziemlich neues Gebiet sind, wäre ich heute auch schon mit 7,15 Metern zufrieden gewesen", so Puglisi.

Schon im ersten Versuch ging es 15 Zentimeter weiter. Gianluca Puglisi nutzte die Effekte der schnellen und harten Bahn im Jahnsportforum. "Für den Anlauf bin ich um über eineinhalb Meter zurückgegangen, sonst hätte ich übergetreten. Das rhythmische Klatschen der Zuschauer hat mich zusätzlich beschleunigt. Da musste ich nochmals korrigieren." Das Geheimnis seiner Bestweite im sechsten und letzten Sprung war noch ein anderes. "Ich hab einfach den Kopf ausgeschaltet und bin gesprungen. Es konnte ja nichts mehr schiefgehen. Ich hatte Gold ja bereits sicher."

Weitere Hessen am ersten Wettkampftag auf den Plätzen 4-8:
4. Platz, 60 Meter Hürden: Daniel Sturma (LG Eintracht Frankfurt) 7,99 Sekunden
6. Platz, 60 Meter Hürden: Jessica Suschlik (TV Reisen) 8,82 Sekunden
7. Platz, Stabhochsprung: Juliane Schulze (SSC Bad Sooden-Allendorf) 3,70 Meter
8. Platz, Speerwurf (U20): Sara Lisa Zorn (SSC Hanau-Rodenbach) 36,39 Meter

Zu den Ergebnissen

Tammo Lotz

 


17.02.2015