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Vor der Hallen-DM: Gesa Krause in Rekordform


Gesa Krause bei der DM 2014 (Foto: Benjamin Heller)

Gesa Krause befindet sich im Angriffsmodus. Seit ein paar Wochen schon. Sie hat das Gefühl, dass in ihrer Karriere etwas passieren muss - und passieren wird. Es war ja tatsächlich ein kometenhafter Aufstieg, den die junge Hessin aus Dillenburg seit 2011 auf die Bahn gezaubert hat: U20-Europameisterin (2011), WM-Neunte (2011), EM-Vierte und Olympia-Achte (2012), U23-Europameisterin und U-23-Europarekord (9:23,52 Minuten) sowie nochmals WM-Neunte (2013), EM-Fünfte (2014). Hier gehört zunächst einmal ein Punkt hin - schließlich ist die die 3.000-Meter-Hindernisläuferin von der LG Eintracht Frankfurt erst 22 Jahre alt. „Es waren Bilderbuch-Jahre mit einer solchen Euphorie“, sagt sie über den Zeitraum 2010 bis 2012. Und danach? Die Leichtigkeit sei ein wenig verloren gegangen, sagt sie und spricht von „ein paar Kleinigkeiten“, die nicht gepasst hätten. Auch deshalb wird ihr persönlicher Rekord im nächsten Sommer drei Jahre alt. „Das nervt. Es wird Zeit für eine neue Bestzeit“, sagt Gesa Krause. In ein paar Monaten, im WM-Sommer 2015. Aktuell stehen am Wochenende die deutschen Hallenmeisterschaften an: In der Karlsruher Messehalle möchte sie erstmals in ihrer Karriere nationale Meisterin bei den Aktiven werden.

Hinter Gesa Krause liegen zwei Höhentrainingslager in Kenia, sie hat über 3.000 Meter bereits die Norm für die Hallen-EM in Prag unterboten (9:00,25 Minuten), am Mittwochabend lief sie in Athlone (Irland) über 1.500 Meter eine weitere persönliche Hallenbestzeit: 4:12,46 Minuten. „Ich weiß, dass ich in einer guten Verfassung bin und schaue nach vorne. Hoffentlich wird das DM-Rennen nicht zu langsam.“ Startschuss über 3.000 Meter ist am Sonntag um 14:40 Uhr, und die wohl härteste Konkurrenz ist bekannt: Titelverteidigerin Maren Kock, Corinna Harrer (beide LG Regensburg) und die noch jüngere Alina Reh (TSV Erbach), Deutschlands Jugend-Leichtathletin des Jahres 2014. 17 Jahre jung. Es sollte keine klassische Spurtentscheidung werden, sagt Gesa Krause, „da reichen mir 100 Meter nicht aus“. Anderseits „bin ich im Sprint nicht so schlecht“.

Ihr Blick geht auch schon über Karlsruhe hinaus nach Prag zur Europameisterschaft (6. bis 8. März). Den Vorlauf überstehen und im Finale ihr Bestes geben, so lautet das Ziel für den Höhepunkt der Hallensaison. Anschließend stehen zwei weitere Höhentrainingslager an: in Kenia und in Flagstaff (Arizona). Im Sommer möchte sie dann endlich umsetzen, was sie bereits 2014 in den Beinen hatte: neue persönliche Rekorde. „Mein Selbstvertrauen ist wieder da, und ich hoffe, dass es so weitergeht.“

Zumal sie vor drei Wochen von einer ganz anderen positiven Botschaft überrascht wurde: Nach ihrer Dopingsperre dürfte der Russin Julija Saripowa das Olympiagold 2012 aberkannt werden und Gesa Krause von Platz acht auf sieben vorrücken. „Es ist eine Aufwertung meiner Leistung“, sagt sie. „Aber in meinem Kopf bin ich immer noch Achte, und die Öffentlichkeit dürfte von der Korrektur auch kaum etwas mitbekommen.“ Auf Facebook stellte sie noch eine andere Frage: „Wie muss es nur der Zweitplatzierten von London, der Tunesierin Habiba Ghribi gehen, die nun auf einmal Olympiasiegerin ist. Diesen Moment kann ihr niemand mehr zurückgeben.“ Sie hoffe, schreibt Gesa Krause, dass „der Kampf gegen Doping weiterhin besteht“. Ein weiterer Nebeneffekt der mittlerweile beinahe unendlichen russischen Doping-Saga: Gesa Krause dürfte aufgrund der Sperre für Saripowa rückwirkend auch bei der WM 2011 (Daegu/Südkorea) einen Rang aufrücken: von neun auf acht.

Zu allen hessischen Teilnehmern der 62. Deutschen Hallenmeisterschaften

Uwe Martin

 


20.02.2015