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Xenia Achkinadze: Neuer Trainer, neue Perspektive


Es geht aufwärts: Xenia Achkinadze (Fotos: Benjamin Heller)

Xenia Achkinadze ist wieder da. Dabei war die 26 Jahre alte Weitspringerin vom Wiesbadener LV nie wirklich weg. Nur kam in den letzten eineinhalb Jahren aus verschiedenen Gründen ihr wahres Leistungspotenzial kaum zum Vorschein. Ein unglücklicher Trainerwechsel, Verletzungen, ärgerliche Versäumnisse – eigentlich konnte es für die gebürtige Russin nach dem letzten Sommer nur aufwärts gehen. Und es ging aufwärts. Über den Weitsprung-Bundestrainer Ulrich Knapp kam der Kontakt zu Peter Rouhi zustande. Und der frühere Acht-Meter-Springer hat an den richtigen Schrauben gedreht.


Mit verbessertem Anlauf und Absprung ist Xenia Achkinadze bei den 62. Deutschen Hallenmeisterschaften hinter Sosthene Moguenara (Wattenscheid/6,68 Meter) auf den Silberrang gesprungen. Noch besser: mit 6,55 Metern gelang der Hessin eine Punktlandung auf den vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderten Normwert für die Hallen-Europameisterschaften in Prag (Tschechien/6. bis 8. März). Dort winkt der Polizeikommissarin an der Seite der national Jahresbesten Sosthene Moguenara (6,86) und Melanie Bauschke (Berlin/6,61) die erste Teilnahme an einer bedeutenden internationalen Meisterschaft im DLV-Trikot.

Nein, an die deutschen Meisterschaften im letzten Sommer in Ulm denkt Xenia Achkinadze gar nicht gerne zurück. Beim Warmmachen erfuhr sie, dass sie ohne einen Sprung die Heimreise antreten würde. Sie wurde nicht ordnungsgemäß zum Wettkampf angemeldet. Der absolute Tiefpunkt war erreicht – und Zeit für einen Neuanfang.


Xenia Achkinadze mit ihrem Trainer Peter Rouhi

Emotional aufgewühlt rief sie noch am selben Abend bei Weitsprung-Bundestrainer Ulrich Knapp an. Xenia Achkinadze war auf der Suche nach einem neuen Trainer. Bei Harry Letzelter, zu dem sie erst im Oktober 2013 gewechselt war und der in Mainz die Topsprinterinnen Monika Hirsch und Marion Wagner trainiert hatte, lief "nicht alles optimal". Es dauerte nicht lange und Knapp erinnerte sich an Peter Rouhi. Der Wiesbadener Trainer, der 1988 im Trikot von Eintracht Frankfurt mit einer Bestleistung von exakt 8 Metern nur knapp einen Start bei den Olympischen Spiele verpasst hatte, hospitierte ein Jahr zuvor bei dem Saarländer.

Rouhi erkannte in der Zusammenarbeit mit Xenia Achkinadze schnell "eine glückliche Fügung". Der Ehrgeiz, das Streben nach dem perfekten Sprung - "Wir lagen von Anfang an auf einer Wellenlänge", so die Wiesbadenerin, die im Alter von elf Jahren zusammen mit ihrer Mutter nach Deutschland kam und hinzufügt: "Es ist, als würde er mich schon viel länger kennen. Dabei arbeiten wir erst seit letztem August zusammen." Im Anlauf und Absprung sah Rouhi das größte Verbesserungspotenzial. "Weit springen kann man nur, wenn man schnell und technisch sauber sprintet und die Geschwindigkeit auch in den Sprung mitnimmt", so der selbstständige Finanzberater.

Dass Xenia Achkinadze schnell ist und weit springen kann, ist schon lange bekannt. 2008 verpasste sie U20-WM-Bronze nur um acht Zentimeter. 2013 erzielte sie beachtliche 6,66 Meter, mit etwas zu viel Rückwind sogar 6,69 Meter. Ein Jahr zuvor in der Halle sprang die Hessin, die über den ESV Jahn Treysa (bis 2006), die LG Eintracht Frankfurt (2007 bis 2011) und den SC Gelnhausen (2012 bis 2014) zum Wiesbadener LV kam, in der Karlsruher Europahalle mit 6,56 Metern zum deutschen Meistertitel. Im Vergleich dazu schloss sie das Jahr 2014, geplagt von Verletzungen, mit unauffälligen 6,44 Metern ab. Die nationale Konkurrenz um Malaika Mihambo (Kurpfalz/6,90), Lena Malkus (Münster/6,88) und Sosthene Moguenara (6,82) enteilte stattdessen etwas.


Erfolgspflaster Karlsruhe: DM-Gold 2012, DM-Silber 2015

Um diesen Rückstand aufzuholen, hat sich bei Xenia Achkinadze zuletzt einiges getan. Stabil im Oberkörper, das Gewicht nach vorn verlagert, druckvolles Fußaufsetzen und aktiver Absprung – für Kenner der Weitsprungszene ist Xenia Achkinadze kaum wiederzuerkennen. "Man sagt mir, du läufst jetzt ganz anders", sagt die Universiade-Teilnehmerin von 2013. Und schneller als je zuvor. Über 60 Meter steigerte sie sich Anfang Januar auf 7,59 Sekunden.

Noch aber läuft nicht alles rund. So brachte Xenia Achkinadze in Karlsruhe nur zwei gültige Versuche in die Grube. "Ja, an meiner Anlaufstabilität muss ich noch etwas feilen. Am Brett kann ich mich noch verbessern. Wir stehen erst am Anfang." Peter Rouhi beunruhigt das nicht. "Man kann einen Athleten nicht im Nu total umkrempeln", ergänzt aber: "Xenia kann Anweisungen sehr schnell verinnerlichen und umsetzen. Man sieht, dass sie was draufhat."

Was Xenia Achkinadze bei der Hallen-EM wohl draufhaben wird? Zunächst einmal heißt es den Gang rausnehmen, vorsichtig sein, eine Erkältung voll auskurieren. Dann sollen noch ein paar konzentrierte und anspruchsvolle Einheiten in der neuen "coolen Trainingsgruppe" mit lauter Nachwuchsathleten folgen. Und dann? "Ich freue mich auf Prag und die starke Konkurrenz. Das ist pures Adrenalin und treibt mich an." Xenia Achkinadzes Ziele? "Weit springen. Am liebsten Bestleistung."

Tammo Lotz

 


23.02.2015