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Wer ist eigentlich … der Trainer von Weitspringerin Xenia Achkinadze?


Peter Rouhi und Xenia Achkinadze (Foto: Benjamin Heller)

Weitspringerin Xenia Achkinadze hat sich für die Hallen-EM in Prag qualifiziert - nach einem Jahr 2014, das geprägt war von sportlichem Stillstand (6,44 Meter) und einem Tiefpunkt bei den deutschen Meisterschaften, als ihre Stellplatzkarte nicht abgegeben wurde. Die 26-Jährige wechselte den Verein (vom SC Gelnhausen zum Wiesbadener LV) und von Trainer Harry Letzelter zu Peter Rouhi. Seitdem geht es aufwärts.


Der Trainer Rouhi war in der Szene vor einem halben Jahr nur Insidern bekannt, das hat sich jetzt geändert. Rouhi, 48 Jahre alt, war in jungen Jahren selbst ein erfolgreicher Weitspringer. Zur Leichtathletik kam er über den Schulsport und die Bundesjugendspiele. Sein Vater war in Wiesbaden als Arzt tätig, und einer seiner Patienten, Alfred Fraund, gab schließlich den Rat, den Sohn beim Traditionsverein Eintracht Wiesbaden anzumelden. „Ich habe bis zum Alter von 17 Jahren Mehrkampf trainiert, konnte aber leider nicht besonders gut Speerwerfen.“

Es folgte die Spezialisierung auf den Sprint sowie den Weitsprung - und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Rouhi wurde Dritter der deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften, Zweiter im Freien (7,42 Meter), seine persönliche Bestleistung von 8,00 Metern sprang er 1988 in Koblenz im Trikot von Eintracht Frankfurt. Für die Olympischen Spiele in Seoul reichte dies nicht, was auch daran lag, dass damals drei weitere Westdeutsche noch besser waren. Letztlich nominierte der DLV überhaupt keinen Weitspringer für Seoul.

Etwas mehr als ein Jahr später war die vom Heppenheimer Trainerguru Hansjörg Holzamer geprägte Karriere vorbei. Mit 23 Jahren. Nach einer Sprunggelenkverletzung, die monatelang falsch therapiert wurde (auch mit dauerhafter Cortison-Medikamentierung) und der abschließenden Empfehlung seines behandelnden Arztes „Wenn Sie noch drei, vier Jahre Leistungssport betreiben, kann ich Ihnen nicht garantieren, dass sie mit 35 schmerzfrei gehen können.“ Es war ein radikaler Einschnitt im Leben von Rouhi.

Er stürzte sich ins Studium, Betriebswirtschaftslehre in Mannheim mit den Schwerpunkten Finanzwesen, Börsen, Versicherungen; eine Bank-Ausbildung hatte er schon hinter sich. Nach dem Studium (ab 1994) machte Rouhi bis 2008 bei der Dresdner Bank Karriere im Investment-Banking, im Rahmen der Übernahme durch die Commerzbank, während der Finanzkrise, stieg er aus. „Ich musste mich neu sortieren, habe ein neunmonatiges Sabbatical eingelegt.“


Peter Rouhi (Foto: privat)

Als Quereinsteiger entdeckte der mittlerweile selbstständige Finanzberater und Vater zweier Söhne die Leichtathletik neu. Zunächst knapp zwei Jahre als Übungsleiter bei Eintracht Wiesbaden, zunächst betreute er Schülergruppen. Dann wechselte er, nach einem Gespräch mit dem Trainer Georg Schmidt, in der hessischen Landeshauptstadt die Seiten und schloss sich dem Wiesbadener Leichtathletik-Verein (WLV) an. „Ich bin über meine Kinder zurückgekommen zur Leichtathletik“, sagt Rouhi. Seine Jungs betreiben mittlerweile andere Sportarten - er ist geblieben. Innerhalb von zwei Jahren machte er die Trainerscheine C, B und A, hospitierte bei Weitsprung-Bundestrainer Ulrich Knapp in Saarbrücken, bildete sich weiter mit Fachliteratur und ließ sich inspirieren von unzähligen Videos und Fachvorträgen. Rouhi absolvierte Mehrkampftraining mit U16-Jugendlichen, später auch Sprint- und Sprungtraining in der U18/U20. „Ich bin mit den Athleten gewachsen“, sagte er. Und: „Alles, was ich trainiere, ist sehr amerikanisch geprägt.“

Als Beispiel nennt er den mittlerweile verstorbenen kanadischen Coach Charlie Francis, der im Zuge der Dopingaffäre um Ben Johnson (1988) in die Schlagzeilen geriet und beruflich aus der Bahn geworfen wurde sowie Dan Pfaff, dessen Mentor Tom Tellez als Coach und Entdecker von Carl Lewis bekannt geworden ist. Die Optimierung der Lauf- und Sprinttechnik nimmt wie seinerzeit bei Holzamer auch bei Rouhi breiten Raum im Training ein, und genau davon hat Xenia Achkinadze bislang außerordentlich profitiert. Mit 6,55 Metern landete sie bei der Hallen-DM punktgenau auf der EM-Norm für Prag und nur einen Zentimeter hinter ihrer persönlichen Bestleistung.

„Die Zusammenarbeit passt extrem gut“, meint ihr Trainer. Und sagt abschließend einen Satz, der wohl symptomatisch ist für die Situation vieler Trainer in der deutschen Spitzenleichtathletik. „Eigentlich ist es ein Full-Time-Job, der wie im Ehrenamt bezahlt wird.“

Uwe Martin

 


05.03.2015