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Hessisches Doppel bei der Cross-DM am Mikrophon: Artur Schmidt und Chantal Buschung


Frankfurt Marathon: Artur Schmidt interviewt Kamghe Gaba (Foto: Veranstalter)

Wer hat ihn noch nicht gehört? Schließlich genießt der Song seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1984 breitflächigen Kultstatus: „Die Hesse komme“. So in etwa stellt sich die Sachlage auch am Samstag bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften im oberbayerischen Markt Indersdorf bei München dar. Denn moderieren wird der Hesse Artur Schmidt - der 68-Jährige mit der prägnanten Stimme hat als Moderator von unzähligen Laufevents in Deutschland gleichfalls einen Ruf wie Donnerhall. Als Unterstützung bringt Schmidt sogar weibliche Verstärkung aus Hessen mit: Chantal Buschung vom Königsteiner Leichtathletikverein. Die 22-Jährige hat vor knapp zwei Jahren die Freude am Moderieren entdeckt - und steht ihrem routinierten Mentor in Sachen Eifer nicht nach. Und noch etwas verbindet das Moderatoren-Duo - der Dreisprung. Schmidt war in den 1960er Jahren einmal aufs Podest bei deutschen Jugendmeisterschaften gesprungen, die ehemalige Turnerin hat sich mit Hop, Step und Jump bereits drei Hessentitel gesichert.

Über den Moderator Artur Schmidt ist in den vergangenen 25 Jahren schon einiges geschrieben worden. Natürlich ist Schmidt ein absoluter Insider am Mikrophon, vielleicht schon eine Legende, aber diese Beschreibung findet er übertrieben. „Fachmann mit Leidenschaft gefällt mir am besten“, sagt Schmidt. Mehr als 20 deutsche Meisterschaften hat er bereits moderiert, angesagt, man kann es nennen, wie man will. „Diese Tätigkeit lässt in mir ungeahnte Kräfte aufkommen und macht mir riesigen Spaß“, sagt er. Um sich im Nachsatz bei seiner Frau Anne zu bedanken, die seine Leidenschaft teilt, ihm Rückhalt gibt und ihn bisweilen bremst, „wenn ich zu verrückt“ werde.

Schmidt hat schon einige deutsche Cross- und Straßenlaufmeisterschaften moderiert, aber auch internationale Events wie den Frankfurt-Marathon. Erstmals 1994, mittlerweile gehört der Senior beim ältesten deutschen City-Marathon zum Stammpersonal. Er war schon bei der Premiere 1981 dabei - seinerzeit als Helfer, seine Tochter ist gelaufen.

Gelebte Leichtathletik-Geschichte

Mit der Leichtathletik ist Schmidt seit fast 60 Jahren „liiert“. Als Jugendlicher erreichte er 1963 im Trikot des TSV Schwaben Augsburg den dritten Platz bei deutschen Meisterschaften im Dreisprung (13,75 Meter), später war er Trainer und Veranstalter - Moderator ist er noch immer. Jährlich bei etwa 30 Wettkämpfen. Im Laufmagazin Spiridon, das der zweimalige Marathon-Olympiateilnehmer Manfred Steffny (1968, 1972) herausgibt, hat Schmidt eine Kolumne („Artur blickt zurück“). Die jüngste Retrospektive mit seinen Anekdoten geht zurück in die Jahre 1951, 1969, 1980, 1985, 1989 und 1995.

Zum oberbayerischen Markt Indersdorf hat Schmidt eine besondere Beziehung: Mit seiner jungen Familie hat der heute 68-Jährige einst in der Nähe gewohnt und in den vergangenen zehn Jahren für die Sportgemeinschaft Indersdorf um den Klubvorsitzenden Michael Rauch etliche Laufveranstaltungen moderiert. Dass es bei der Cross-DM am 7. März zu einem hessischen Moderations-Doppel kommt, ist auch dem Einsatz von Rauch zu verdanken.


Chantal Buschung (Foto: privat)

Zufälliges Zusammentreffen

Und dem Zufall. Bei den hessischen Staffelmeisterschaften in Wehrheim im letzten Juni moderierten Chantal Buschung und Artur Schmidt erstmals Seite an Seite – ungeplant wohlgemerkt. Der Herborner wollte eigentlich nur seinen Enkel über 3x800 Meter anfeuern. Dann bot er seine Unterstützung bei den Sieger-Interviews an. „Ich kannte ihn zuerst gar nicht, aber es war offensichtlich, dass er nicht zum ersten Mal moderiert“, erinnert sich Chantal Buschung. Sie machte ihre Sache so gut, dass der erste „offizielle“ gemeinsame Einsatz beim Herborner Sportfest nicht lange auf sich warten ließ. Im November kam von Schmidt schließlich das Angebot ihn in Markt Indersdorf zu unterstützen. „Da sagt man natürlich nicht Nein“, so die Hessin vor ihrem bisher bedeutendsten Auftritt.

Angefangen hat alles natürlich viel kleiner, mit der Moderation einer Tombala auf einem Ortsfest. „Alle waren total begeistert“, erinnert sich Chantal Buschung, die damals 15 war. Mehr kam dann erst einmal nicht und es verging einige Zeit. Bis es im April 2013 auf der HLV-Homepage hieß: Sprecher gesucht! Einfach mal reinschnuppern, dachte sich die Heringerin. Der Workshop hat ihr so gut gefallen, dass sie danach richtig durchstartete. Hessenmeisterschaften, Kreismeisterschaften, Vereinssportfeste. Knapp 50 Einsätze als Sprecherin bei Leichtathletikveranstaltungen sind mittlerweile wohl schon zusammengekommen, schätzt sie. „Und jedes Mal lerne ich dazu“, sagt die süddeutsche W15-Meisterin Weitsprung von 2007 (5,52 Meter). „Vor dem ersten Satz kribbelt es wie bei einem Wettkampf. Danach legt sich die Nervosität. Und vieles kann man sowieso nicht planen.“

Chaos-Meisterschaften als „Sprung ins kalte Wasser“

Wie bei den hessischen Jugendmeisterschaften 2013 in Baunatal. Regen, Sturm, Chaos, Abbruch. „Das war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser. Keiner wusste, wie es weitergeht.“ Die Athleten waren sauer, die Kampfrichter im Stress und die Sprecher Sven Eichel (Vellmar) und Chantal Buschung mittendrin. „Wir haben informiert, Hoffnung verbreitet und viel improvisiert“, erinnert sich die ehemalige Sprinterin mit Bestzeiten von 12,23 Sekunden (100 Meter) und 25,05 Sekunden (200 Meter/beide 2010). Geholfen haben zum Beispiel Lieder mit „Regen“ und „Rain“ im Titel, schnell zusammengesucht bei Youtube.

Chantal Buschung mag die Herausforderungen, die jede Moderation mit sich bringt. Die Stimmung einer Veranstaltung auffangen, die Athleten emotional abholen - „Moderieren lernt man nur durch moderieren.“ Die Vorbereitungen gehen mittlerweile schneller. Chantal Buschung legt Schwerpunkte, konzentriert sich auf die Hauptakteure („Mit zu vielen Informationen würde ich in den Zeitplan eingreifen“) und weiß den Vorteil zu schätzen selbst noch aktiv zu sein. „Da kenne ich die meisten.“

Mit einem „Sprung über eine Klippe“ vergleicht Chantal Buschung das Thema Humor beim Ansagen. Ganz wichtig: er muss zur Veranstaltung passen, darf nicht gekünstelt wirken oder verletzend sein. „Ich entwickle allmählich ein Gefühl, wann ich bestimmte Ereignisse humoristisch aufgreifen kann.“ Sehr gut eignen sich Schnapszahlen bei Zeiten und Weiten. Dass die Reaktionen gespalten ausfallen können, darüber ist sich die Dreispringerin („Springen ist ein Ausdruck der Freude“) bewusst. „Die einen finden es toll, die anderen total daneben.“


2014: Hochschul-Hallen-Vizemeisterin mit 12,56 Metern (Foto: Philipp Pohle)

Sportliche Familie

Der Weg zur Leichtathletik war für Chantal Buschung praktisch vorgezeichnet. Ihr Vater Markus wurde 1983 im Trikot des TV Niederselters deutscher Jugendmeister im Hammerwurf. Seine größten Weiten: 64,22 Meter mit dem Männer-Hammer (1984) und 66,20 Meter mit dem 6-Kilo-Gerät (U20/1983). Ihre Mutter Kerstin, geborene Scheid, startete für die LG Kirberg-Niederbrechen, sprintete die 100 Meter in 12,0 Sekunden (1981), die 200 Meter in 25,47 Sekunden (1983) und landete nach 5,83 Metern (1984) in der Weitsprunggrube. Chantal Buschungs Schwester Nathalie wurde kürzlich deutsche Jugend-Hallenmeisterin im Weitsprung (6,36), belegte bei der U18-WM 2013 in derselben Disziplin Rang sieben (6,09) und ist in ihrer zweiten Disziplin, dem Hochsprung, 2014 zu Bronze bei den deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften gesprungen (1,77).

Nach mehreren Verletzungen - manche schlimmer, manche weniger – fand Chantal Buschung vor zwei Jahren den Weg zum Dreisprung. Dabei hatte sie ihre leistungssportlichen Ambitionen schon zurückgefahren. Doch als sie ihre Schwester Nathalie zum Kadertraining begleitete, lief das Vorspringen bei HLV-Trainer Markus Oerter unerwartet gut. Und nach zwei Monaten Probetraining sprang sie bereits über 12 Meter. „Der Dreisprung hat mir eine neue Perspektive gegeben.“ Chantal Buschung schätzt das abwechslungsreiche Training („Für viele Sprünge fehlt mir im Training das nötige Adrenalin“). Verletzungen nach ihrem Disziplin-Wechsel: Fehlanzeige. Wie sehr sie sich mittlerweile mit dem Dreisprung identifiziert, davon zeugt ein Tattoo auf ihrem linken Unterarm: hop.step.jump.fly.

Allgemeine Informationen zur Cross-DM

Zu den hessischen Teilnehmern

Uwe Martin / Tammo Lotz

 


06.03.2015