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Fate Tola - eine Äthiopierin aus Gelnhausen


Fate Tola (Foto: Victah Sailer)

Es war eine glückliche Fügung, die den Organisatoren des Frankfurter Halbmarathons am Weltfrauentag zuteil geworden ist: Fate Tola, 27 Jahre alt, in den Marathon-Bestenlisten mit einem persönlichen Rekord von international bemerkenswerten 2:25:14 Stunden (2012 in Berlin) gelistet, stand an der Startlinie und gewann das Rennen letztlich in 1:13:40 Stunden. Diese Zeit bedeutete neuen Streckenrekord, und schneller als die Äthiopierin waren nur zwei Männer. Spiridon Frankfurt um den Vorsitzenden Thomas Rautenberg veranstalten den Frühjahrsklassiker vornehmlich für Hobby- und Freizeitläufer aus dem Rhein-Main-Gebiet, es gibt keine Startgelder und auch die Sieg- sowie Platzierungsprämien sind vergleichsweise überschaubar. Und nun stand plötzlich eine Weltklasseathletin im Fokus, die bereits den Paderborner Osterlauf gewonnen hat (2010), bei der Halbmarathon-WM 2010 als Siebte ins Ziel kam und zweimal beim Wien-Marathon erfolgreich war (2011, 2012). Wie passt das zusammen?

Fate Tola wohnt seit einigen Jahren in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis), sie ist verheiratet mit dem mittlerweile zurückgetretenen Langstreckenläufer Musa Roba-Kinkal, vor dreizehn Monaten ist sie Mutter einer Tochter geworden. Und obgleich es zwei Wettkampfnotizen gibt - Mai 2014 in Osnabrück (10.000 Meter in 38:41,49 Minuten), Ende Juli 2014 von der City-Nacht in Berlin (35:36 Minuten) -, so war doch erst das Halbmarathonrennen ihr ernsthaftes Comeback nach der Babypause. Fate Tola, die einst das Trikot des SC Gelnhausen trug und derzeit für die LG Braunschweig startet, quält sich für ihre Rückkehr in die Weltklasse. Und dies seit Dezember mit einer Trainerin, die im benachbarten Freigericht wohnt und kürzlich offiziell vom Leistungssport verabschiedet wurde: die 42-jährige deutsche Marathon-Rekordhalterin Irina Mikitenko.


Fate Tola beim Frankfurt-Marathon 2011 (Foto: Victah Sailer)

„Marathonläuferinnen kann man nicht festhalten“, sagt die zweimalige London-Gewinnerin. Sie habe nicht wirklich zugeraten zu dem Frankfurter Rennen über 21,1 Kilometer, doch Fate Tola wollte unbedingt. Um ihre Form zu testen und um wieder mal die Wettkampfatmosphäre zu spüren. „Es war ein besserer Trainingslauf“, sagt die Äthiopierin, deren Einbürgerungsverfahren sich in der Schlussphase befindet. Und am 12. April werde sie beim Wien-Marathon wieder die klassische Distanz von 42,195 Kilometern unter ihre Füße nehmen. Auch bei diesem Vorhaben war ihre Trainerin eher skeptisch, aber die Ostafrikanerin ließ sich nicht abhalten. Aus sportlichen, wohl auch aus finanziellen Gründen und getragen von der Erinnerung an ihre beiden Siege in der österreichischen Landeshauptstadt. Nun steht eine Zielzeit von 2:30 Stunden im Raum.

Fate Tola kann nur laufend Geld verdienen, denn offensichtlich erhält sie von ihrem deutschen Klub LG Braunschweig keine Aufwandsentschädigung. „Wenn man als Marathonläuferin Mutter wird, ist es schwer“, meint Irina Mikitenko vielsagend. Für den Lebensunterhalt der Familie sorgt derzeit ihr zwei Jahre jüngerer Ehemann, er hat bei dem Berufsbekleidungsunternehmen Engelbert Strauss einen Job. Auch Roba-Kinkal ist gebürtiger Äthiopier, nach seiner Flucht vor der autoritären Staatsmacht kam er 2005 nach Frankfurt und später nach Gelnhausen. Er wurde adoptiert, galt in der Jugend- und Juniorenklasse als überragendes Lauftalent. Doch viele Verletzungen führten zum vorzeitigen Karriereende, sein letzter Erfolg war der dritte Platz bei der U23-EM über 10.000 Meter (2011). Verbunden war Roba-Kinkal zumeist Alexander Mikitenko als Trainer, der Ehemann von Irina Mikitenko betreute auch Fate Tola vor ihrer Babypause. Nur eine Episode war das innerfamiliäre Coaching Roba-Kinkal/Fate Tola. “Sie hat sich gemeldet und mich gefragt, ob ich es machen würde”, sagt Irina Mikitenko. Und wenn sie davon spricht, „alles von Neuem aufzubauen“, scheint der Leistungsstand vor drei Monaten nicht unbedingt überragend gewesen zu sein.

Gehen die Pläne von Fate Tola auf, wird sie im Herbst ein weiteres Marathonrennen absolvieren. „Auf jeden Fall in Deutschland und vielleicht schon als Deutsche“, sagt Irina Mikitenko. Und noch eines möchte die Neu-Trainerin auf den Weg bringen. „Es ist sinnvoll, dass Fate wieder für einen hessischen Verein startet.“

Uwe Martin

 


11.03.2015