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20. Werfer-Cup: Olympiasieger Robert Harting am Sonntag als Gast in Wiesbaden


Peter Schulte mit Lars Riedel, Ilke Wyludda, Jürgen Schult und Franka Dietzsch (Foto: privat)

Das Jubiläum steht bevor und Peter Schulte macht das, was er fast immer gemacht hat: fast alles. In den vergangenen Wochen sind Pressemitteilungen verschickt worden, darunter steht sein Name; er kümmert sich um die Logistik der Athleten, um die Werbebanden in der Wurf-Arena, hält Kontakt zu den Trainern, auch an den zwei fahrbaren Tribünen legt er Hand an. Und zuhause steht das Telefon nicht still. In der Summe nennt sich der Job dann Meeting-Direktor, was in der ehrenamtlichen Leichtathletik zumeist eine Umschreibung ist für „Mädchen für alles“. Es gibt natürlich weitere (wichtige) Helfer beim 20. Geburtstag des Werfer-Cups an diesem Sonntag in Wiesbaden, etwa Markus Ott, den Sportlichen Leiter. Aber ohne den 68-jährigen Schulte würde nichts gehen. Gar nichts.

Abgefunden in all den Jahren hat er sich mit den finanziellen Zwängen. Die Veranstaltung in Wiesbaden muss mit einem Etat von 17.000 Euro auskommen, den - an Wettbewerben umfangreicheren - Werfertagen in Halle an der Saale eine Woche später steht ein sechsstelliges Budget zur Verfügung. In Wiesbaden kommen 10.000 Euro von der Stadt (Schulte: „Damit weiß ich, was ich habe“), Lotto Hessen ist nennenswert engagiert, auch die Wiesbadener Volksbank; ferner das hessische Innenministerium und die Fraport AG mit kleineren Beträgen. Doch der Meeting-Direktor ist mittlerweile entspannt, Expansionspläne gibt es keine mehr, er hat sich damit abgefunden, mit einem schmalen Etat zurechtzukommen. Früher hat Schulte noch Anfragen an Unternehmen versendet, von denen er dachte, sie seien potentielle Sponsoren. Und sich bei negativem Feedback aufgeregt. „Jetzt möchte ich mir keine Absagen mehr einhandeln“, sagt er.


In Wiesbaden werden derzeit die Tribünen aufgebaut (Foto: privat)

Die Weltklasseveranstaltung - auf dem Programm stehen Diskuswerfen und Kugelstoßen - funktioniert trotzdem. Weil Schulte in der Szene bestens vernetzt und den Trainern freundschaftlich verbunden ist. Und die schweren Jungs und wurfkräftigen Frauen hochkarätig besetzte Startgelegenheiten wie in Wiesbaden brauchen. Die Nachwuchsklassen inklusive. „Ich mache den Werfer-Cup für die Athleten“, sagt Schulte. In der Leichtathletik aktiv ist er seit 52 Jahren, zunächst als Athlet, dann als Trainer (auch von seiner Frau Ute), seit 20 Jahren als Meeting-Direktor. „Ich plane von Jahr zu Jahr. Aber vielleicht sollte man mit 70 aufhören, schließlich leiden auch die Familie und die Gesundheit.“ Schulte hat sechs Enkelkinder. 2016 möchte er auf jeden Fall noch zur Verfügung stehen - doch wie geht es anschließend weiter? „Wer hat schon einen so langen Atem?“ fragt er zurück und gibt keine Antwort.

Auch ohne die Teilnahme von Robert Harting - der sechsmalige Wiesbaden-Gewinner (2009 bis 2014) und Diskus-Olympiasieger befindet sich nach seinem Kreuzbandriss im Aufbautraining, lautet das Motto wieder Weltklasse. Bei den Männern repräsentiert von Martin Wierig, Daniel Jasinski, Markus Münch und sowie dem Australier Ben Harradine. Bei den Frauen steigen die Olympiafünfte Nadine Müller, Julia Fischer, Anna Rüh sowie Vorjahressiegerin und Ex-Weltmeisterin Dani Samuels (Australien) in den Ring. Und wie gewagt ist die spezielle Prämienofferte von Lotto Hessen, jeweils 1.000 Euro für einen 70-Meter-Wurf bei den Männern und Frauen? Selbst der Dominator Harting, er wird am Sonntag als Gast vor Ort sein, hat diese Weite in Wiesbaden nie erreicht. Aber Dani Samuels im vergangenen Jahr. Mehrere Augenzeigen berichten glaubhaft, wie die Scheibe mehrmals weiter als 70 Meter gesegelt ist. Dummerweise nur im Vor-Ort-Training.

Uwe Martin

 


06.05.2015