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„Eine Medaille in Wetzlar ist Pflicht“


Siegerehrung bei der U20-WM 2014 (Fotos: IRIS)

Die 20-jährige Maryse Luzolo ist eines der hoffnungsvollsten deutschen Weitsprung-Talente - und das Werbegesicht der deutschen U23-Meisterschaften, die am Wochenende 13./14. Juni in Wetzlar stattfinden. Maryse Luzolo, Tochter kongolesischer Eltern, besucht die Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt am Main und startet an diesem Samstag, 30. Mai, bei der Kurpfalz-Gala im Weinheimer Sepp-Herberger-Stadion. Im vergangenen Jahr gewann sie die nationalen U20-Meisterschaften (Halle, Freiluft) und wurde Dritte der U20-Weltmeisterschaften. 2013 war sie Vierte der U20-EM, 2011 ebenfalls Vierte der U18-WM. Ihre Bestleistungen: 6,47 Meter (Halle/2013) und 6,45 Meter (Freiluft/2013). hlv.de sprach mit der jungen Athletin vom Königsteiner LV über motivierende Unterstützung von Mehrkämpferinnen, Abiturstress, sportliche Ziele und ihr neues Umfeld.

Sie haben die Hallensaison bewusst ausgelassen - wie waren denn die zurückliegenden Monate ohne einen einzigen Wettkampf?

Sehr ungewöhnlich, da ich total viel Zeit hatte, die aber keine Freizeit war. Weil ich fast nur zuhause am Schreibtisch saß und gelernt habe. Der Lebensrhythmus war komplett anders. Ich war es ja gewohnt, an den Wochenenden immer unterwegs zu sein. Manchmal war ich ein bisschen traurig, andererseits hat sich meine Abwesenheit von der Weitsprunggrube natürlich gelohnt, weil ich viel für mein Abitur tun konnte.

Mit welchem Ergebnis?

Ich habe bestanden, das ist das Wichtigste. Da ist mir schon ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich eine eher durchschnittliche Schülerin bin. Vor dem Leistungskurs Sport hatte ich keine Sorgen, in Biologie bin ich ein wenig ängstlich gewesen, habe es aber gut hinter mich gebracht. Manchmal hatte ich ein bisschen Panik, weil ich dachte: Was mache ich, wenn ich das Abi nicht schaffe? Ich bin einfach nur froh und erleichtert und muss nur noch meine mündliche Prüfung absolvieren. Im Sommer beginnt dann eine berufliche Orientierungsphase. Vielleicht ist die Sportfördergruppe der hessischen Polizei eine Option.

Im April sind Sie im Trainingslager in Südafrika gewesen. Wie waren diese drei Wochen?


Maryse Luzolo und ihre Lieblingsdisziplin

Ich habe gemeinsam mit den Weltklasse-Siebenkämpferinnen Claudia Rath und Carolin Schäfer trainiert. Die beiden stehen schon harte Programme durch. Da habe ich einiges mitgenommen, auch dass ich mich zusammenreißen muss, wenn ich müde werde. „Du willst doch etwas erreichen, dann musst du etwas dafür tun“, haben Claudia und Caro zu mir gesagt. Sie haben mich immer wieder daran erinnert, wo ich hin möchte.

Wo soll es denn dieses Jahr hingehen?

Es wäre ziemlich cool, bei der U23-EM und bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg dabei zu sein. Was bedeutet, dass ich meine persönliche Freiluft-Bestleistung von 6,45 Meter einstellen bzw. verbessern muss. Es wäre natürlich gut, wenn ich nach erbrachter Norm noch ein paar Zentimeter draufpacken könnte. Mein konkretes Ziel sind 6,50 Meter.

Claudia Rath ist eine exzellente Weitspringerin. Konnten Sie von ihr etwas lernen?

Es ist grundsätzlich gut, mit jemandem zu trainieren, der besser ist. Und ich springe ja lange nicht perfekt, deshalb konnte sie mir schon einige Tipps geben. So ist mein letzter Schritt vor dem Absprung eher etwas zu lang und reingestellt, wie wir sagen. Claudia kommt mit dem Bein schnell und ziemlich perfekt unter den Körper. Das habe ich mir gut angeschaut und versucht, es umzusetzen.

Das klingt recht zurückhaltend.

Ich kann mich derzeit nicht gut einschätzen, weil ich in den vergangenen Monaten durch das Abitur und auch krankheitsbedingt nicht ganz so viel trainieren konnte. Aber das Selbstbewusstsein kommt mit den Wettkämpfen. Da bin ich sicher.

Ist die Eingewöhnungsphase bei ihrem neuen Klub Königsteiner LV und den Trainern Jürgen Sammert und Markus Oerter abgeschlossen?

Markus kenne ich ja schon länger, und auch mit Jürgen klappt es gut. Es ist aber schon ein großer Unterschied, weil ich zu meiner ehemaligen Trainerin Melanie Zecha eine ganz lange und enge Beziehung hatte. Melanie ist mir als persönliche Ratgeberin glücklicherweise erhalten geblieben.


Im Flug zu Silber bei der U23-DM 2014

Was haben Sie bei der U23-DM in Wetzlar für Ziele?

Das ist ein wichtiger Normwettkampf für mich, weil sich dort entscheidet, wer zur U23-EM nach Estland mitgenommen wird. Bei drei deutschen Startplätzen ist eine Medaille in Wetzlar deshalb Pflicht. Die Weitsprunganlage im Wetzlarer Stadion kenne ich noch nicht, ich bin dort bislang nur 100 Meter gelaufen.

Zwei ihrer Konkurrentinnen, Lena Malkus und Malaika Mihambo, haben bereits 6,94 bzw. 6,90 Meter erreicht.

Diese Weiten motivieren, machen mir aber zugleich ein bisschen Angst, weil ich mich automatisch vergleiche. Dieses Niveau ist extrem hoch. Dafür lasse ich mir bei einem langfristigen Aufbau noch Zeit. Ich hoffe, dass ich irgendwann so weit springe, vielleicht bei Olympischen Spielen 6,80 Meter, 6,90 Meter oder sieben Meter. Das muss aber noch nicht in Rio oder 2020 sein. Zunächst muss ich meine beste Sprintgeschwindigkeit auch endlich im Anlauf erreichen und mit einer verbesserten Technik in Weite umsetzen.

Hürdenlaufen und Dreisprung sind aktuell keine Optionen?

Nein, denn vor den Hürden habe ich immer noch viel zu viel Respekt. Dafür bin ich derzeit nicht bereit. Und Dreisprung? Nein. Das ist auch kein Thema. Auch wenn ich es im Wintertraining ein paar Mal probiert habe.

Tragen Sie die Brille eigentlich nur außerhalb des Stadions?

Und im Training. In den Wettkämpfen benutze ich Kontaktlinsen. Früher ist mir die Brille häufig in den Sand gefallen, dann bin ich im Alter von 15, 16 Jahren zum Optiker gegangen und habe mir Linsen besorgt. Anfangs war es eine schwierige Umstellung, weil ich ständig nach der Brille gegriffen habe, obwohl ich sie gar nicht auf hatte. Ich fühle mich mit Brille viel wohler und habe sie immer als Ersatz dabei.

(Das Gespräch führte Uwe Martin)

 


29.05.2015