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Wetzlar als Sprungbrett – in viele Richtungen


Dieter Baumann, hier beim Frankfurt Marathon 2007, lief 1986 in Wetzlar zum deutschen Juniorentitel über 1.500 Meter (Foto: Frankfurt Marathon)

Viele Gesichter und viele Geschichten: 985 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 266 Vereinen haben sich bei der U23-DM in Wetzlar angekündigt – mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen: U20-EM, U23-EM, WM in Peking (alle 2015) und die Olympischen Spiele 2016. Für viele erfüllt sich derweil allein mit dem Dabeisein ein Karrieretraum.


Heute Wetzlar, morgen Rio – das Motto der Meisterschaften ist gewagt, etwas provokant, aber keineswegs utopisch. Denn der Sprung von den Deutschen Junioren-/U23-Meisterschaften auf das Siegerpodest bei Olympischen Spielen ist möglich. Siehe Dieter Baumann, der vor 29 Jahren in Wetzlar über 1.500 Meter (3:48,16 Minuten) siegte. Es folgten über 5.000 Meter erst Olympiasilber (1988), vier Jahre später sogar Gold und dann noch bei Europameisterschaften ein Titel (1994/5.000) und zwei zweite Plätze jeweils über 10.000 Meter (1998/2002).


Eine internationale Karriere nach dem Titel bei den Junioren 2003 startete auch Hammerwerferin Betty Heidler, die ein Jahr später ziemlich überraschend Olympiavierte wurde. Insgesamt gewann Heidler vier deutsche U23-Titel (2002 bis 2005). Auch die 400-Meter-Hürdenlegende Harald Schmid aus Gelnhausen, mittlerweile 57 Jahre alt, gewann 1976 diesen Titel; seine einmalige Karriere nahm zu dieser Zeit bereits Fahrt auf. International nicht ganz so präsent war Schmids Vereinskollege Edgar Itt (Jahrgang 1967). Nach zwei Juniorentiteln 1986 und 1987 folgten noch Olympiabronze 1988 und der zweite Platz bei der EM 1990, jeweils mit der 4x400 Meter-Staffel. Etwas Einmaliges gelang dem Frankfurter Peter Blank im Jahr 1983: Nämlich zwei Titel in nicht gerade artverwandten Disziplinen zu gewinnen. In Sindelfingen holte sich das Multitalent zunächst den Titel im Hochsprung (2,23 Meter), tags darauf auch den mit dem Speer (77,88). Mit einer Bestleistung von 88,70 Metern (2001) ist der heute 53-jährige Blank Dritter der ewigen deutschen Bestenliste.

Olympische Perspektiven bis 2024

Wer könnte sich in Wetzlar für die Olympischen Spiele empfehlen? Ganz sicher die Weitspringerin Lena Malkus (SC Preußen Münster/6,94 Meter), 2010 bereits Jugend-Olympiasiegerin, und die ebenso hochveranlagte Malaika Mihambo (LG Kurpfalz/6,90/2014). Die Sprinterinnen Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) und Alexandra Burghardt (MTG Mannheim) könnten 2020, dann finden die Olympischen Spiele in Tokio statt, noch stärker sein als nächstes Jahr in Rio. Die Perspektive Olympische Spiele 2024 gilt derweil für das Covergirl der Meisterschaften, die Weitspringerin Maryse Luzolo (Königsteiner LV), ebenso wie für die Jugend-Sprinterinnen Gina Lückenkemper (LAZ Soest), Chantal Butzek (LC Paderborn) und die Hessin Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen). Kapitale Fortschritte machte zuletzt auch Weitspringer Fabian Heinle (LAV Stadtwerke Tübingen/8,25). Und die Speerwerfer Johannes Vetter (Saar 05 Saarbrücken/85,40) und Julian Weber (USC Mainz/81,15) machen Hoffnung auf einen hochwertigen Wettkampf, in dem es für Weber noch um die WM-Norm (82,50) für Peking geht.

Shanice Craft: Erst New York, dann Wetzlar

Eine ebenso legitime Kandidatin für Rio 2016 ist Diskus-Spezialistin Shanice Craft (MTG Mannheim), wie Lena Malkus 2010 Jugend-Olympiasiegerin. Sie startet an diesem Wochenende nach einem Muskelfaserriss im Winter verspätet in die Freiluftsaison – mit zwei Wettkämpfen auf zwei Kontinenten. Am Samstag zunächst beim Diamond League-Meeting in New York mit dem Diskus, am Sonntag dann im Kugelstoßen in Wetzlar. Ein strammes Programm! Somit steht fest: Nach dem Doppeltitel 2014 in Wesel wird die Mannheimerin in Wetzlar nur ihren Vorjahressieg im Kugelstoßen verteidigen – mit dem wohl längsten Anreiseweg aller Teilnehmer im Gepäck.

Tammo Lotz / Uwe Martin

 


11.06.2015