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U23-DM: Constantin Schmidt in der Favoritenrolle


Constantin Schmidt und Aleksi Rösler (Foto: IRIS)

Um die Wertigkeit einzuordnen, müssen zunächst einmal Statistiken herhalten. Etwa die sogenannte ewige hessische U20-Bestenliste, die Auflistung der Schnellsten unter Zwanzigjährigen. Darin finden sich Edgar Itt (TV Gelnhausen/45,72 Sekunden/1986), Niklas Zender (TSV Friedberg-Fauerbach/46,18/2008) und Harald Schmid (TV Gelnhausen/46,32/1976) - direkt dahinter hat sich nun Constantin Schmidt eingeordnet. 19 Jahre alt, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Rhein-Main und auf der Laufbahn im Trikot der TG Obertshausen unterwegs. 46,50 Sekunden, mit dieser Zeit verbesserte Schmidt in Regensburg seinen persönlichen Rekord um fast eine Sekunde. 46,50 Sekunden, das bedeutete Rang zwei in der europäischen U20-Jahresbestenliste, Platz eins im deutschen Jugendranking, bei den Männern ist er derzeit fünftschnellster deutscher Viertelmeiler. Und zudem Favorit bei den deutschen U23-Juniorenmeisterschaften, die am Wochenende in Wetzlar stattfinden. Dort trifft Schmidt auf bis zu drei Jahre ältere Konkurrenten, sein größter Herausforderer ist Alexander Gladitz von der LG Hannover (46,67).

Dass Schmidt ein herausragendes Talent ist, hatte sich bereits im vergangenen Sommer angedeutet, als er deutscher U20-Meister wurde, seitdem standen für ihn 47,45 Sekunden in den Büchern. „Das war kein optimaler Lauf, ansonsten wäre schon damals mehr möglich gewesen“, sagt sein Heim- und Landestrainer Robert Schieferer. Über den Winter wurde konsequent an der Verbesserung der Sprinttechnik und der Grundschnelligkeit gearbeitet, Hallenwettkämpfe lehnt Schieferer wegen der Belastung durch die überhöhten Rundbahnen kategorisch ab; im März, April folgte ein Trainingsblock mit vielen Tempoläufen. Schmidt hat sich gequält, wie es alle ambitionierten 400-Meter-Läufer tun, und er ist gesund durchgekommen. „Deshalb war mir klar, dass sich Constantin ziemlich deutlich verbessern würde“, sagt Schieferer. Die Deutlichkeit überraschte dann aber doch, schließlich ist seit sechs Jahren kein deutscher Jugendlicher so flott gewesen.

Schmidt hat sich nach dem Abitur im Frühjahr 2014 ein halbes Jahr beruflich orientiert, dann ein Praktikum bei einer Frankfurter Unternehmensberatung hinter sich gebracht, seit April studiert er in Wiesbaden. Wie lange noch, ist offen. Denn die European Business School in Oestrich-Winkel bietet ab September für Spitzensportler in Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Hessen ein "Part-time Bachelor in General Management" an. Sollte Schmidt im Auswahlverfahren erfolgreich sein, könnte er an der Privatuniversität eine um 75 Prozent ermäßigte Studiengebühr in Anspruch nehmen. Wie fast alle herausragenden Nachwuchsleichtathleten wird auch er seine sportliche und berufliche Zukunft sinnvoll kombinieren. „Die duale Karriere ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesamtplanung“, sagt Schieferer.


Jaakkima Rösler (Foto: Benjamin Heller)

Der junge Mann hat sich bereits mit seinem ersten Einzelrennen in dieser Saison für die U20-EM Mitte Juli in Schweden qualifiziert, vor diesem Hintergrund wird er sich bei der U23-DM „sicher nicht zurückhalten“ (Schieferer). Vielmehr in Wetzlar „ein richtiges Turnier laufen“. Um sich mit zwei schnellen Rennen in nicht einmal 24 Stunden (Vorlauf, Finale) weitere Wettkampfhärte zu holen. Wie auch sein gleichaltriger Trainingspartner Aleksi Rösler (400 Meter in 47,25 Sekunden), er ist ebenfalls für die U20-EM im Einzel qualifiziert und bei der U23-DM aussichtsreich am Start. Sein Zwillingsbruder Jaakkima versucht in Wetzlar trotz eines erst unlängst operierten Handgelenkbruchs noch einen 400-Meter-Staffelplatz zu erreichen. Die Röslers starten für die SG Schlüchtern und fahren bislang zweimal pro Woche zum gemeinsamen Training nach Neu-Isenburg. Im Herbst wird sich die Betreuungssituation nochmals verbessern, da beide im Rhein-Main-Gebiet ein Studium aufnehmen. Die dann permanente interne Konkurrenzsituation Schmidt/Rösler/Rösler dürfte sportlich allen zu Gute kommen.

Uwe Martin

 


12.06.2015