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U23-DM, Tag 1: Lisa Mayer läuft dreimal Hessenrekord und wird Zweite über 100 Meter


Lisa Mayer (Foto: Iris)

Die Ausbeute des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) am ersten Tag der 72. Deutschen U23-Meisterschaften in Wetzlar fiel mit Platz zwei für 100-Meter-Sprinterin Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen/11,31 Sekunden) und dem dritten Rang für die Weitspringerin Maryse Luzolo (Königsteiner Leichtathletikverein/6,15 Meter) zufriedenstellend aus. Lisa Mayer steigerte dabei ihre persönliche Bestleistung um 0,32 Sekunden und stellte bei den Frauen sowie den Altersklassen U23 und U20 neue hessische Bestleistungen auf. Nur Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge/11,28) war in Wetzlar schneller als die Jugendliche aus Mittelhessen.


Maryse Luzolo hatte schwierige letzte Wochen zu überstehen, zeigte aber im Verlauf des Wettkampfs ansteigende Form; das macht Hoffnung auf die nächsten Wettkämpfe. Luzolos Disziplinkollege Gianluca Puglisi (LG Eintracht Frankfurt/7,38), wie Lisa Mayer im Winter Jugend-Hallenmeister in seiner Disziplin, blieb nur einen Zentimeter unter seiner Freiluft-Bestleistung und wurde erst im letzten Durchgang vom dritten auf den vierten Rang verdrängt. Einen ebenso erfreulichen vierten Platz belegte Diskuswerferin Vanessa Wallisch (TSG Wehrheim), die sich gegenüber ihrer Meldeleistung von 44,71 Metern um über drei Meter auf glatte 48 Meter steigerte. Fünfte Plätze gingen an den Speerwerfer Hendrik Nungeß (TV Neu-Isenburg/68,58) und den Hammerwerfer Stefan Dietl (LG Eintracht Frankfurt/58,48).

Lisa Mayer setzt neue Maßstäbe im hessischen Sprint. 11,31 Sekunden und der zweite Platz - „Das ist völlig verrückt“ sagte sie wenige Minuten nach dem Rennen und war von ihrer Leistung noch ganz überwältigt. Zum Vergleich: ihre vorherige Bestleistung stand bei 11,63 Sekunden, erzielt vor zwei Jahren. 2014 wurde Lisa Mayer durch zwei Muskelfaserrisse ausgebremst, kam spät bei den Süddeutschen U23-Meisterschaften auf 11,70 Sekunden. In die laufende Saison startete sie mit 11,64 Sekunden – in Wetzlar. „Hier steige ich immer gerne ein und überrasche mich oft.“ Wie auch bei den U23-Meisterschaften. Auf 11,60 Sekunden im Vorlauf ließ die Athletin von Trainer Rainer Finkernagel 11,41 Sekunden im Zwischenlauf folgen. Schon das war hessischer U20-Rekord, der bis dahin von Gabriele Becker (LAZ Bruchköbel/11,54/1992) gehalten wurde. „Damit hatte ich meine Erwartungen schon übertroffen, 11,45 Sekunden für realistisch gehalten.“ Schneller in den Zwischenläufen waren nur Rebekka Haase (11,21) und die Jugendliche Gina Lückenkemper (LAZ Soest/11,25), die beide die WM-Norm für Peking (11,25) erfüllten. Lückenkemper wollte keine Verletzung riskieren und verzichtete aufs Finale.


Lisa Mayer (r.) in Aktion (Foto: Benjamin Heller)

Der Weg zu Silber war frei für Lisa Mayer. Sie ließ sich auch von der Präsenz der Hallen-EM-Teilnehmerin Alexandra Burghardt (MTG Mannheim) nicht aus dem Konzept bringen. Mit 11,31 Sekunden verbesserte Lisa ein zweites Mal den hessischen U20-Rekord - sowie die Bestleistungen bei den Frauen und in der U23, ebenfalls gehalten von Gabriele Becker (11,34/1995), noch dazu. Wie das funktioniert? Dazu Lisa Mayer: „Ich kann mich sehr gut auf mich konzentrieren. Meine Erfolge in der Halle haben mir Selbstvertrauen gegeben. Außerdem stimmt die Chemie zwischen mir und meinem Trainer. Wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber danach schauen wir beide nach vorn und finden eine Lösung.“

Um Lisa Mayers Leistungssprung einschätzen zu können, empfiehlt sich ein Blick in die europäische U20-Jahresbestenliste: Mit ihren 11,31 Sekunden findet sich die U18-WM-Finalistin über 200 Meter (2013) derzeit auf Position drei wieder, direkt hinter Gina Lückenkemper. "Und jetzt bin ich gespannt auf die 200 Meter morgen. Das ist für mich immer noch meine Hauptstrecke. Ich bin gespannt."


Maryse Luzolo (Fotos: Iris, Benjamin Heller)

Den dritten Platz gewonnen nach schwierigen letzten Wochen oder die Qualifikation für die U23-EM verpasst – vor diesem Rätsel stand Weitspringerin Maryse Luzolo vom Königsteiner Leichtathletikverein. Sie entschied sich für Ersteres. Natürlich wäre die Athletin von Trainer Markus Oerter gerne weiter gesprungen als ihre 6,15 Meter aus dem fünften Versuch. 6,45 Meter sind vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) für die Teilnahme an den U23-Europameisterschaften gefordert. Geschafft haben dies aktuell zwei DLV-Springerinnen in der U23: Lena Malkus (SC Preußen Münster/6,94), sie blieb auf der "schwierigen Anlage" (der Gießener Weitsprung-Trainer und HLV-Vizepräsident Leistungssport, Markus Czech) in Wetzlar ohne gültigen Versuch. Und Malaika Mihambo (LG Kurpfalz/6,79), ihr sechster Sprung in der Domstadt wurde mit 6,60 Metern gemessen.

Maryse Luzolo hat in dieser Saison 6,38 Meter stehen, gesprungen in Weinheim. Es war ein guter Saisoneinstieg. Mit einem ärgerlichen Schönheitsfehler. Der rechte Oberschenkelbeuger zwickte und die Beschwerden erwiesen sich als hartnäckiger als erwartet. Es folgte eine Tingeltour von Arzt zu Arzt mit Reisen bis in die Orthopädie-Klinik im westfälischen Sendenhorst. Erst auf den letzten Drücker stieg Maryse Luzolo wieder ins Training ein. Zwei Tage vor dem Wettkampf absolvierte sie Steigerungsläufe. In die Grube sprang sie erst wieder in Wetzlar. „Am Anfang war ich verunsichert. Und ich dachte, ´hoffentlich hält der Oberschenkel´.“ Dazu kamen wechselnde Windverhältnisse. „Es war unberechenbar“, so Luzolo. Ihren besten Sprung zeigte Maryse Luzolo in der letzten Runde. Und wieder gab es einen Schönheitsfehler. Übergetreten, um wenige Zentimeter. „Ansonsten hätten es 6,30 Meter oder 6,40 Meter sein können.“ Der zweite Platz wäre im Bereich des Möglichen gewesen, den Annika Gärtz (LV 90 Erzgebirge) mit 6,32 Metern inne hatte. Maryse Luzolos Trainer Markus Oerter zeigte sich trotzig und äußerte eine gewagte Prognose: „Dann lässt es Maryse eben bei den hessischen Meisterschaften in Darmstadt richtig krachen.“ Soll heißen, eine neue Bestleistung hält Oerter für möglich. Noch steht Maryse Luzolos persönlicher Rekord im Freien bei 6,45 Metern.


Hendrik Nungeß (Foto: Iris)

Nungeß war an einem der stärksten Wettkämpfe des ersten Tages beteiligt. An der Spitze lieferten sich Johannes Vetter (Saarbrücken/83,82) und Julian Weber (USC Mainz/80,63) ein einsames Duell. Nungeß erzielte seine beste Weite im zweiten Versuch (68,58) und war nach dem Wettkampf nur bedingt zufrieden: „Nach dem zweiten Versuch wurde die Schulter etwas müde. Der Wind kam leicht von vorne und ich habe die Würfe alle etwas zu hoch reingestellt.“ Im Gesamten, so Nungeß, „hätte ich gerne eine bessere Serie gehabt.“ Am nächsten Wochenende ist er bei den hessischen Meisterschaften in Darmstadt wieder am Start, dann allerdings im Stabhochsprung. Im Zehnkampf hat er die Norm für die U23-EM nur um wenige Punkte verpasst, im Speerwetfen fehlten – bei starker deutscher Konkurrenz – knapp vier Meter. „Zehnkampf mache ich auf jeden Fall weiter. Das macht mir mehr Spaß. Langfristig setze ich auf den Speerwurf.“

Puglisi wäre nach seinem deutschen Hallenmeistertitel im Winter (7,39 Meter) beinahe der nächste Coup gelungen. In Wetzlar flog der 19-Jährige im dritten Versuch auf 7,38 Meter und behauptete den dritten Platz bis in den letzten Durchgang. Dann erst schob sich Vincent Vogel (LAC Erdgas Chemnitz/7,49) an Puglisi vorbei und zog mit dem Zweitplatzierten Stephan Hartmann (LG Nord Berlin) gleich. Der ungefährdete Sieger hieß Fabian Heinle (LAV Stadtwerke Tübingen/7,91), mit einer erstaunlichen Saisonbestleistung von 8,25 Metern ausgestattet - und das 17 Monate nach einem Kreuzbandriss.

Auch Gianluca Puglisi hat eine erstaunliche Entwicklung genommen, profitiert von der Zusammenarbeit der befreundeten Trainer Jörg Huppers (Frankfurt) und Markus Czech (Gießen). Vor der Hallensaison hatte er ein Niveau um 6,90 Meter. "Mittlerweile kann er konstant Weiten um 7,25 Meter abrufen", so Czech. Grund dafür sind eine verbesserte Flugphase und eine mentale Stärke, die ihn auch zu Ende eines Wettkampfes weit fliegen lässt. Im sechsten Versuch wäre Puglisi fast ein Ausreißer nach oben um 7,50 Meter gelungen. "Er hat nur um wenige Zentimeter übergetreten", sagte Czech. Die Norm für die U20-Europameisterschaften liegt bei 7,55 Metern. Ein weiterer Versuch diese zu meistern wird Puglisi in zwei Wochen bei der Juioren-Gala in Mannheim unternehmen.


Stefan Dietl (Foto: Benjamin Heller)

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließ der Hammerwerfer Stefan Dietl (LG Eintracht Frankfurt) das Stadion. In seinem letzten U23-Jahr glückte ihm mit dem fünften Platz das für ihn bisher beste Resultat bei diesen Nachwuchsmeisterschaften. Mit der Weite, 58,48 Meter, geworfen im letzten Durchgang, war er gar nicht zufrieden. „Es war ein komischer Wettkampf. Erst fallen zwei gute Werfer früh aus, dann habe ich mein Potenzial nicht abrufen können.“ Um den Wettkampf zu retten, nahm er im letzten Versuch eine Drehung raus. Bis dahin standen magere 55,52 Meter zu Buche. Gerne hätte Dietl seine Saisonbestleistung von 60,99 Metern gesteigert. Der dritte Platz ging mit 61,32 Metern weg. „Das hätte ich mir heute zugetraut.“ Im Junioren-Cup, es stehen in Braunschweig und Bürstadt noch zwei Wettkämpfe aus, peilt er wieder 60-Meter-Weiten an. „Die 60 Meter sind mein neuer Maßstab.“

Constantin Schmidt (TG Obertshausen), der mit 46,50 Sekunden derzeit schnellste deutsche Jugendliche über 400 Meter, gewann seinen Vorlauf in 47,59 Sekunden und zog locker ins Finale ein. Ganz zufrieden war er nicht. „Ich wäre gern schneller gewesen.“ Auch um die Belastungen bei der U20-EM in Eskilstuna (16. bis 19. Juli) mit Vorlauf, Halbfinale und Finale innerhalb weniger Tagen vorzubereiten. Schneller als Schmidt in den Vorläufen waren Alexander Gladitz (LG Hannover/46,80) und Marc Koch (LG Nord Berlin/47,29). Ebenfalls im A-Finale dabei: Aleksi Rösler (SG Schlüchter/48,53).


Abendeindrücke im Wetzlarer Stadion (Foto: Martin)

Eine gute Vorstellung zeigte die 4 x 100 Meter-Staffel der LG Eintracht Frankfurt. In der neuen Saisonbestzeit von 41,28 Sekunden (davor: 41,58) erzielten Jan Näser, Jim Patrik Junker sowie die Mehrkampf-Spezialisten Daniel Sturma und Aron Schreiner die viertschnellste Vorlaufzeit. Im Finale am Sonntag hat das Frankfurter Quartett seinen zweiten Auftritt.

400 Meter Hürden der Juniorinnen: Um das Finale zu erreichen, hätten Julia Gerter (LG Eintracht Frankfurt) und Annika Lena Lietz (MTV Kronberg) jeweils Bestleistung laufen müssen. Das klappte nicht. Beide blieben knapp eine Sekunde über ihren Orientierungsmarken von 61,55 Sekunden (Gerter) und 61,59 Sekunden (Lietz). Die Kronbergerin war nach 62,48 Sekunden im Ziel, für die Frankfurterin wurden 62,67 Sekunden gestoppt. Damit qualifizierten sich die beiden Hessinnen für das B-Finale am Sonntag.

Zu den Ergebnissen

Zum 2. Tag

Tammo Lotz / Uwe Martin

 


13.06.2015