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Eileen Demes: Eine nicht regelkonforme Abiturprüfung und die Folgen


Eileen Demes (Foto: Benjamin Heller)

Eileen Demes ist 17 Jahre alt, gerade hat sie am Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm ihr Abitur bestanden - alles gut also? Ganz im Gegenteil. Denn ihre praktische Leichtathletik-Sportprüfung wird ein Nachspiel haben. In die missglückte Abnahme eingebunden ist der Olympiastützpunkt Hessen, der Schulleiter wurde um eine Stellungnahme gebeten, der Vater von Eileen Demes hat den Vorfall beim Kreisschulamt des Landeskreises Offenbach telefonisch gemeldet und wird eine formelle Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen. Was geschehen ist? Bei der Prüfung im Hürdenlauf waren die Abstände zwischen den Hürden und die Hürdenhöhe vertauscht worden.

Die junge Hessin musste aufgrund falscher Tabellendaten in einem Informationsblatt, das den Prüflingen sogar ausgehändigt worden war, jene Werte realisieren, die laut Ordnung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ihren männlichen Mitschülern vorbehalten sind. Nun kennt sich Eileen Demes in dieser Disziplin ziemlich gut aus, 2013 war sie Vierte der U18-WM über 400 Meter Hürden, im vergangenen Jahr nationale U18-Meisterin, bei den Olympischen Jugendspielen in Nanjing (China) stand sie im Finale und stürzte auf Rang drei liegend eingangs der Zielgeraden. Mit ihrer Bestzeit von 58,68 Sekunden ist die Leichtathletin vom TV Neu-Isenburg das hoffnungsvollste DLV-Talent in dieser Disziplin. Doch ihre Einwände vor Ort nutzten nichts, die Sportlehrerin bestand darauf, dass Eileen Demes eine nicht regelkonforme Abiturprüfung ablegte. Der Streit entzündet sich aber nicht nur daran. Denn laut ihrem Trainer Robert Schieferer brach wegen der falschen Abstände und Höhen eine ohnehin langwierige Verletzung (Stressreaktion im linken Fuß) wieder auf, die gerade ausgeheilt war. Eileen Demes, ihren Eltern und Schieferer geht es natürlich um Gerechtigkeit, und darum, wer beispielsweise die nachfolgenden Kosten für die MRT-Untersuchung trägt.

„Ich habe den Eindruck, dass etwas vertuscht werden soll“, sagt Schieferer. Werner Schaefer, Leiter des OSP Hessen mit Sitz in Frankfurt, beginnt seine Einschätzung vorsichtig mit den Worten: „Wenn sich alles so zugetragen hat wie geschildert …“ Dann sagt er: „Dies stellt einen Affront dar gegenüber einer jungen Athletin, die ihre Aufgaben kennt und ihr Vermögen einzuschätzen weiß und die man offenbar wissentlich benachteiligt hat.“ Schaefer wird den Fall in der nächsten Sitzung des Landesausschusses Leistungssport schildern und auch bei dem anwesenden Vertreter des Kultusministeriums um Kenntnisnahme bitten.

Nachdem zwischenzeitlich sogar der Verzicht auf die komplette Freiluftsaison im Raum stand, will es Eileen Demes nun zumindest probieren. Über einen Start bei den hessischen Meisterschaften an diesem Wochenende soll kurzfristig entschieden werden.

Uwe Martin

 


18.06.2015