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Vor der Junioren-Gala in Mannheim: Gianluca Puglisi und Eileen Demes im Blickpunkt


Gianluca Puglisi bei der Jugend-Hallen-DM 2015 (Foto: IRIS)

Normen, Normen, Normen. Der wohl am meisten strapazierte Begriff vor den Höhepunkten einer jeden Leichtathletiksaison wird auch am kommenden Wochenende in aller Munde sein. Bei der national und international sehr geschätzten Junioren-Gala in Mannheim (27. und 28. Juni) werden die letzten Tickets für die U20-Europameisterschaften im schwedischen Eskilstuna (16. bis 19. Juli) vergeben. Zwei Hessen, Weitspringer Gianluca Puglisi und 400-Meter-Hürdenläuferin Eileen Demes, stehen im Michael-Hoffmann-Stadion besonders im Fokus.


Weitere internationale Meisterschaften stehen demnächst an, so die U23-Europameisterschaften in Tallinn (Estland/9. bis 12. Juli/ohne hessische Beteiligung), die U18-WM in Cali (Kolumbien/15. bis 19. Juli), die Universiade in Gwangju (Südkorea/3. bis 14. Juli) sowie für den Jahrgang 1999 das European Youth Olympic Festival (EYOF) in Tiflis (Georgien/25. Juli bis 1. August). hlv.de verrät, welche hessischen Athletinnen und Athleten bereits nominiert sind, wer sein Ticket quasi in der Tasche hat und wer seine letzte Chance nutzen will. Eine kurze Orientierungshilfe, selbstverständlich ohne Gewähr auf Vollständigkeit:

U20-EM:

Daniel Sturma (LG Eintracht Frankfurt/Zehnkampf): Der Frankfurter fährt neben dem führenden europäischen U20-Mehrkämpfer Manuel Eitel (SSV Ulm/7.717 Punkte) in die 65.000 Einwohner zählende Industriestadt in der schwedischen Provinz Södermanlands. Anfang Juni in Bernhausen sammelte der Athlet von Trainer Jörg Huppers 7.504 Zähler, liegt im europäischen Vergleich auf Rang vier. Bei den hessischen Meisterschaften in Darmstadt am letzten Wochenende testete Sturma über 200 Meter (22,47 Sekunden) sowie im Weitsprung (6,75 Meter) und wurde jeweils Vierter.

Sarah Kistner (MTV Kronberg/5.000 Meter): Ihr deutscher Meistertitel Anfang Mai über 5.000 Meter bedeutete für die 17 Jahre alte Athletin von Trainer Martin Lütge-Varney die Eintrittskarte nach Eskilstuna. Am letzten Wochenende steigerte sich die vielseitige Läuferin bei der U18-Gala in Schweinfurt über 3.000 Meter auf 9:30,68 Minuten. Und schon am 4. Juli geht Sarah Kistner bei der Berglauf-EM aussichtsreich ins Rennen.

Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach/1.500 Meter): 3:48,50 Minuten lautet die DLV-EM-Norm für Eskilstuna. Nach 3:48,06 Minuten war Lukas Abele in Regensburg im Ziel. Damit verbesserte sich der Athlet von Trainer Sascha Arndt gegenüber dem Vorjahr um über fünf Sekunden (3:53,92) - und sollte sein EM-Ticket so gut wie sicher haben. Es käme schon einer großen Überraschung gleich, sollte Abele in Mannheim noch von drei anderen deutschen Läufern verdrängt werden, so zum Beispiel Jan Hoffmann (LAV Stadtwerke Tübingen/3:50,42), Lukas Eisele (LG Filder/3:51,55) oder dem letztjährigen U18-Meister Thilo Brill (LG Nord Berlin/3:54,62). Der dritte Platz Lukas Abeles bei den deutschen U18-Meisterschaften 2014 war keineswegs eine Enttäuschung. Damals war Abeles Saisonbestzeit noch ein Ausreißer nach oben. Seine Saisonpause gestaltete Abele aktiv, er radelte bis an die Ostsee, kam auf andere Gedanken - und sammelte neue Kräfte. Die Hallensaison nahm er als Durchgangsstation, wurde im "Chaos-Rennen" von Neubrandenburg immerhin Jugend-DM-Zweiter. In Mannheim ist der Hesse der Läufer mit der schnellsten Meldezeit - gefolgt von dem Schweizer Maël Bohren (3:48,64). Was Lukas Abele in Eskilstuna erreichen könnte, ist auch aufgrund vieler zu erwartender Mehrfachmeldungen schwer zu prognostizieren. In der europäischen U20-Saisonbestenliste rangiert der 18-Jährige auf Rang 31.


Jugend-DM 2014: Jaakkima Rösler wird Zweiter über 400 Meter Hürden (Foto: IRIS)

Lisa Mayer (LG Langgöns/Oberkleen/100 Meter, 4 x 100 Meter): 11,31 Sekunden über 100 Meter, 23,49 Sekunden über 200 Meter und zwei zweite Plätze – so lautete das beeindruckende Arbeitszeugnis der 19 Jahre Athletin von Trainer Rainer Finkernagel bei der U23-DM in Wetzlar. Das Ticket nach Schweden liegt zum Abholen bereit. Auf beiden Einzelstrecken nimmt die Germanistik- und Geographiestudentin aus Frankfurt in der europäischen U20-Jahresbestenliste Rang vier ein. Starten wird sie in Mannheim und in Eskilstuna auf der kurzen Sprintstrecke und in der Staffel. „Über 100 Meter sehe ich eine Medaillenchance. Und mit der Staffel wollen wir um den Sieg mitlaufen“, so Lisa Mayer. In Regensburg war das Quartett um Nina Braun (Siegerland), Mayer, Gina Lückenkemper (Soest) und Chantal Butzek (Paderborn) in 43,70 Sekunden schneller als die U20-Europameisterinnen von 2013 aus Großbritannien (43,81) – und deutlich flotter als die deutsche Staffel, die bei der U20-WM 2014 mit Lisa Mayer an Position zwei Dritte wurde (44,65).

Constantin Schmidt (TG Obertshausen/400 Meter, 4 x 400 Meter): Mit seinen 46,50 Sekunden von Regensburg hat sich der Athlet von Trainer Robert Schieferer eine hervorragende Ausgangsposition verschafft. Nur der zwei Tage ältere Norweger Karsten Warholm hat in dieser Saison eine noch schnellere Zeit (46,23) anzubieten als der Hesse. Mit seinem zweiten Platz bei den deutschen U23-Meisterschaften und 46,77 Sekunden bestätigte Schmidt seinen Leistungssprung gegenüber 2014, als seine Bestleistung bei 47,45 Sekunden lag.

Aleksi Rösler (SG Schlüchtern/400 Meter, 4 x 400 Meter): Im Sog von Constantin Schmidt verbesserte sich Aleksi Rösler in Regensburg auf 47,25 Sekunden und blieb als zweiter Viertelmeiler unter der vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderten Einzelnorm von 47,30 Sekunden. Damit sicherte Rösler die Nominierung der 4 x 400-Staffel ab. Die U23-DM schloss er als Sechster in 47,86 Sekunden ab. In Mannheim will der Trainingspartner von Schmidt „das Ticket für Eskilstuna unter Dach und Fach bringen“.


Junioren-Gala 2014: Eileen Demes läuft die 400 Meter in 55,82 Sekunden (Foto: IRIS)

Jaakkima Rösler (SG Schlüchtern/400 Meter, 4 x 400 Meter): Aufgrund eines Handgelenkbruchs in der Vorbereitung muss Jaakkima Rösler seine Ambitionen über 400 Meter Hürden zurückstellen. Auf der Flachstrecke ist er stattdessen ein Staffelkandidat für Eskilstuna. Als hessischer Meister steigerte er sich zuletzt auf 48,78 Sekunden, der zurzeit in Deutschland sechstschnellsten Zeit in der U20. Da aber die schnelleren Marvin Schlegel (Chemnitz/46,92) und Florian Colon Marti (Wattenscheid/47,81) für die U18 nominiert wurden, hat der U20-DM-Zweite von 2014 über 400 Meter Hürden gute Chancen in Eskilstuna an der Seite seines Zwillingsbruders Aleksi aufzulaufen. Röslers Hauptkonkurrenten um die Staffelplätze sind Pascal Unbehaun (Erfurter LAC/48,36) und Nikolai Juretzko (LG Hannover/48,97).

Marc Reuther (Wiesbadener LV/800 Meter): Die Eindrücke von den U20-Weltmeisterschaften 2014 haben Marc Reuther geprägt. Wobei das Sportliche in Eugene (USA) überhaupt nicht nach Wunsch lief. Aus nach dem Vorlauf. Kein Finale, nicht einmal das Halbfinale, das der Athlet von Trainer Georg Schmidt als Minimalziel ausgegeben hatte. Doch die Atmosphäre und die anderen Sportler haben Reuther motiviert. Seitdem sei er konzentrierter, zielstrebiger, einfach „cooler“ geworden, sagt der U18-WM-Fünfte aus 2013. Schon in der Halle lief er souverän zum deutschen Jugendmeistertitel. Im ersten Freiluftrennen hakte er die DLV-EM-Norm ab, lief in 1:48,42 Minuten Bestzeit, die er vor kurzem in Osterode nochmals steigerte. Mit 1:47,91 Minuten rangiert er im europäischen Vergleich derzeit auf Rang vier. Das Ziel für Eskilstuna: Finale. „Ich will nicht nur teilnehmen, sondern eine richtig gute Rolle spielen.“


Jugend-Hallen-DM 2015: Marc Reuther holt den Titel (Foto: IRIS)

Gianluca Puglisi (LG Eintracht Frankfurt/Weitsprung): Die Motivation heißt Daniel Sturma. „Daniel ist mein Trainingskollege und bester Kumpel. Am liebsten würde ich mit ihm zusammen nach Schweden fahren“, erzählt Gianluca Puglisi. Um es dem Mehrkämpfer gleichzutun, muss Puglisi mindestens 7,55 Meter weitspringen. Nach seiner Bestleistung bei den Hessenmeisterschaften am letzten Wochenende fehlen dem 19 Jahre alten deutschen Jugendhallenmeister noch 14 Zentimeter. 7,39 Meter und 7,38 Meter in seinen zweit- und drittbesten Wettkämpfen zeugen von einer konstant guten Form. Was fehlt, ist der Ausreißer nach oben. „Den erhoffe ich mir. Das Training läuft gut“, so Puglisi. Auch Markus Czech traut ihm einen weiteren Leistungssprung zu. Seitdem der erfahrene Gießener Weitsprungtrainer (2009 führte er Beatrice Marscheck zur WM in Berlin) die Frankfurter Trainingsgruppe um Jörg Huppers unterstützt, hat Puglisi seinen Absprung und Armschwung deutlich verbessert. Im letzten Versuch bei der U23-DM in Wetzlar hätte es fast geklappt mit dem besagten Ausreißer nach oben. Puglisi aber meinte es zu genau, trat über, ganz knapp. „Das waren 7,50 Meter oder mehr“, schätzte Czech. Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz/7,57) hat zwar als bisher einziger Deutscher die Norm erbracht, er setzt aber in Mannheim ganz aus und in Eskilstuna wohl eher auf den Dreisprung. In Mannheim gemeldet sind stattdessen Benjamin Weßling (Bayer Leverkusen), Alexander Fuchs (SCC Berlin/beide 7,50) und Maximilian Wegner (ASV Erfurt/7,40).

Eileen Demes (TV Neu-Isenburg/400 Meter Hürden): Die Ausgangslage für Eileen Demes könnte wahrlich günstiger sein. Mit Lisa Marie Petkov (LG Stadtwerke München/58,49 Sekunden), Laura Gläsner (TSV Germania Helmstedt/58,58), Laura Nürnberger (TV Gladbeck/59,29) und der U18-Athletin Lea Ahrens (LAV Bad Harzburg/59,40) haben bereits vier Läuferinnen die DLV-EM-Norm von 59,75 Sekunden unterboten. Maximal drei dürfen mit nach Eskilstuna. Eileen Demes (Bestzeit: 58,68) war lange durch eine Verletzung im linken Fuß gehandikapt, konnte fast den ganzen Mai nur alternativ im Wasser trainieren. Kaum war das Malheur ausgeheilt, brach es aufgrund einer nicht regelkonformen Abiturprüfung, ausgerechnet im Hürdenlauf, wieder auf. Bei den Hessenmeisterschaften gingen der Athletin von Robert Schieferer eingangs der Zielgeraden die Kräfte aus, sie stürzte, rappelte sich wieder auf, lief ins Ziel, die Zeit war ein Muster ohne Wert (64,21). In Mannheim hat Eileen Demes die Norm und Platz eins oder zwei im Blick. Denn die erst- und zweitplatzierten deutschen Athleten in Mannheim werden bei erfüllter Norm vorrangig nominiert. Die Abiturientin gibt sich kämpferisch: "Ich werde antreten und dann sehen, was rauskommt."


Hessische Jugendhallenmeisterin 2015: Mona Gottschämmer (Foto: Benjamin Heller)

U18-WM:

Mona Gottschämmer (TV Neu-Isenburg/Hochsprung): Der 1998er-Jahrgang im Hochsprung der weiblichen Jugend gehört zu den stärksten der letzten Jahre. Das zeigt schon die Tatsache, dass allein sechs DLV-Springerinnen die Norm von 1,78 Meter meisterten. Mona Gottschämmer, die beim erfahrenen und weit gereisten Wolfgang Brandt trainiert, war die beste von allen und verbesserte mit 1,86 Meter den 35 Jahre gültigen hessischen U18-Rekord um zwei Zentimeter. Bemüht man einen Blick auf die aktuelle U18-Weltbestenliste, findet man nur die US-Amerikanerin Vashti Cunningham (1,94) und Michaela Hrubá aus der Tschechischen Republik (1,90) vor Mona Gottschämmer.

Elena Kelety (Königsteiner Leichtathletikverein/Siebenkampf): Der Siebenkampf und die U18-Weltmeisterschaften – für den DLV eine fast schon sichere Medaillenbank. Seitdem die Vielseitigkeitsprüfung zum Programm der U18-WM gehört (seit 2001), gingen deutsche Athletinnen nur einmal leer aus – 2011 in Lille. Elena Kelety reist als deutsche Nummer zwei neben Lisa Maihöfer (LG Staufen/5.566 Punkte) nach Kolumbien – und gehört mit ihren 15 Jahren zu den Jüngsten im 40-köpfigen deutschen Aufgebot. In Bernhausen sammelte sie 5.436 Zähler und zeigte sich sprint- und sprungstark (100 Meter Hürden: 14,42 Sekunden; 200 Meter: 24,94; Weitsprung: 5,68). In Cali wird die Athletin von Trainerin Melanie Zecha auf starke Konkurrenz treffen, darunter Sarah Lagger aus Österreich (6.014 Punkte), die Schweizerin Geraldine Ruckstuhl (5.861) und Bianca Salming (Schweden/5.644), die Tochter von Borje Salming, einem der bekanntesten Eishockeyspieler seines Landes und im Trikot der Toronto Maple Leafs (1973 bis 1989) einer der ersten europäischen „Stars“ in der nordamerikanischen Profiliga NHL.

Universiade:

Christiane Klopsch (LG Friedberg-Fauerbach/400 Meter Hürden): Die Volontärin beim Hessischen Rundfunk ist mit ihren 24 Jahren bereits ein Routinier, was die Weltspiele der Studierenden angeht. Bereits 2011 in Shenzhen (China/Vorlauf) und 2013 in Kazan (Russland/Platz sieben) war die deutsche Meisterin von 2011 und 2014 dabei. Die Tatsache, dass sie noch an der Universität in Frankfurt eingeschrieben ist (gerade gehen aber der Job und der Sport vor) und ihre Teilnahme an den deutschen Hochschulmeistermeisterschaften über 200 Meter (Platz fünf) haben den dritten Universiade-Start für Christiane Klopsch möglich gemacht. In Südkorea wird sie natürlich wieder auf ihre Paradestrecke, die 400 Meter Hürden, setzen und die DLV-Norm für die Weltmeisterschaften in Peking (22. bis 30. August/55,50) angreifen. Dafür fehlt der Athletin von Trainerin Sieglinde Weber noch knapp eine Sekunde. In Regensburg absolvierte Christiane Klopsch die Stadionrunde über die zehn knapp 76 Zentimeter hohen Hürden in 56,55 Sekunden.


3. Platz mit dem U16-Team der LG Eintracht Frankfurt 2014: Miriam Sinning (Foto: Dirk Wagner)

EYOF:

Miriam Sinning (LG Eintracht Frankfurt/100 Meter Hürden): Für Markus Czech, im HLV-Präsidium der Vizepräsident für den Bereich Leistungssport, ist Miriam Sinning ein ungeschliffener Rohdiamant. „Aus ihr kann etwas ganz Großes werden“, so Czech. Ihre Vielseitigkeit zeigte die Athletin von Trainerin Petra Schenten beim Mehrkampfmeeting in Bernhausen, als sie im Siebenkampf mit 5.212 Zählern die DLV-Norm für Cali von 5.200 Punkten übertraf, Lisa Maihöfer, Elena Kelety und Janika Baarck (SC Neubrandenburg/5.217) aber noch besser waren. Der Mehrkampf findet beim EYOF nicht statt. Stattdessen steht die Nominierung über 100 Meter Hürden kurz bevor. In ihrer stärksten Einzeldisziplin führt Miriam Sinning die nationale Saisonbestenliste mit 13,75 Sekunden an und bestätigte ihre Form bei der U18-Gala in Schweinfurt zweimal, mit 13,78 Sekunden im Vor- und 13,81 Sekunden im Endlauf.

Tammo Lotz

 


26.06.2015