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Svenja Schwarz: Ein Spielball der Sportpolitik


Svenja Schwarz siegte in Marburg über 1.500 Meter und 5.000 Meter (Foto: Helmut Schaake)

Svenja Schwarz gehört zu den schnellsten Mittel- und Langstreckenläuferinnen mit geistiger Behinderung. In Hessen ohnehin - vor ein paar Tagen siegte sie in Marburg bei den 1. Landesspielen von Special Olympics unangefochten über 1.500 Meter und 5.000 Meter. In Deutschland ebenso. Auch bei den Europäischen Spielen 2014 in Antwerpen gewann die Königsteinerin über 1.500 Meter und 3.000 Meter mit großem Vorsprung. Sehr wahrscheinlich würde die 24-Jährige auch bei den Weltspielen eine gute Rolle spielen. Die nächsten Special Olympics World Summer Games finden vom 24. Juli bis 2. August in Los Angeles (Kalifornien) statt. Alles bestens also? Mitnichten. Denn Svenja Schwarz wird in Los Angeles nicht teilnehmen können.


Sportlich ist sie über allen Zweifeln erhaben. Angeschlagen? Ja, das ist Svenja Schwarz. Aber selbst ein vor zwei Monaten erlittener Innen- und Außenbandriss im linken Ellenbogen konnte sie in Marburg nicht stoppen. Warum also wird Svenja Schwarz in den USA nicht um die Medaillen kämpfen? Weil der Special-Olympics-Weltverband SOI (Special Olympics International) keinen Platz für die Hessin hat, die in einem Video auf der Internet-Plattform „Youtube“ ihren Werdegang beschreibt.

Der SOI entscheidet über die Quoten, die genaue Anzahl von Athleten und Trainern pro Land und pro Sportart bei den World Games. In Los Angeles wird Deutschland mit 138 Sportlern vertreten sein, die sich auf 18 Sportarten verteilen, darunter 10 Leichtathleten. Ursprünglich hatte Björn von Borstel, der „Headcoach“ der deutschen Leichtathleten mit geistiger Behinderung, auf 26 Athleten gehofft. „Das war das Maximum. Ich war sehr optimistisch.“ Die Antwort des Weltverbandes fiel niederschmetternd aus. Nur vier Leichtathleten sollten mit nach Kalifornien, zwei Männer und zwei Frauen, aber keine Mittel- und Langstreckenläuferin. Kurzum: Für Svenja Schwarz war kein Platz. „Das musste ich erst einmal schlucken, aber mir sind die Hände gebunden, ich kann die Entscheidung des Weltverbandes nicht beeinflussen“, so von Borstel.

Dann öffnete sich ein Hintertürchen, über eine sogenannte Zusatzquote. Deutschland durfte sechs weitere Leichtathleten nominieren, auch aus dem Disziplinblock Mittel- und Langstreckenlauf. Der Haken: Die Quote galt nur für Männer. Sabine Schwarz, die Mutter und Trainerin von Svenja, spricht von „sexueller Diskriminierung“, Björn von Borstel von „einer großen Chance, die Svenja verbaut wird“. Svenja Schwarz selbst sagt: „Es tut schon ein bisschen weh, ich wäre gern in L.A. dabei gewesen.“ Schnell aber relativiert sie ihre Enttäuschung: „Dann probiere ich es eben beim nächsten Mal wieder.“

Tammo Lotz

 


10.07.2015